Der Maler war auch Bürgermeister

Besonderer Blick auf das alte Kottgeisering

Eine Kaltnadelradierung kehrt nach Jahrzehnten auf einem Speicher in München zum Ort der Abbildung nach Kottgeisering zurück. Ungewöhnlich an der Sache ist, dass der Künstler für einige Monate Bürgermeister des Dorfes war.

Kottgeisering – Ein Bild, das von einem ehemaligen Chef des Rathauses angefertigt wurde, sollte natürlich auch in die heiligen Gemeindehallen zurückkehren. Da bestand für die heutige Bürgermeisterin Sandra Meissner kein Zweifel. Sie fand einen würdigen Platz für das Werk von Josef Eckert im Sitzungssaal. Bei einer kleinen Feierlichkeit wurde das Blatt „Dorfplatz in Kottgeisering“ übergeben.

Josef Eckert

Zu verdanken hat die Gemeinde dieses Wiedersehen dem Schenker Rainer Schmidt. Der Augenarzt ist ein ehemaliger Schüler Eckerts. Dessen künstlerisches Oevre erkannte er aber erst Jahrzehnte nach seinem Schulabschluss. 2004 hatte das Münchner Gisela-Gymnasium zum 100-jährigen Bestehen eine Jubiläumsausstellung des damaligen Kunsterziehers organisiert. Das war bereits 24 Jahre nach dessen Tod im November 1980. „Seine Werke gefielen mir so sehr, dass ich Kontakt zur Witwe aufnahm“, erzählte Schmidt. So kam er an viele Werke Eckerts, darunter eben auch das Bild aus Kottgeisering. Der Künstler hat hier einen Blick aus einem Zimmerfenster der heutigen Pension Klotz festgehalten, wo Eckert in den letzten Kriegsjahren ein Quartier fand, nachdem München durch zahlreiche Bombenangriffe schwer getroffen worden war. Das Werk zeigt eine muntere Dorfszenerie mit Menschen, Tieren und Fuhrwerken. Bei genauem Blick fällt auf, dass einige Häuser heute noch stehen.

Der 1910 geborene Eckert war zu dem Zeitpunkt zur Ersatzreserve bedingt tauglich und als Lehrer im Schuldienst eingesetzt. Als Absolvent mehrerer Kunsthochschulen lag es nahe, dass er als Kunsterzieher arbeitete – wenn er nicht in seinem eigenen Atelier schaffte. Als einer von wenigen, besaß er Englischkenntnisse. Deshalb setzte ihn die US-amerikanische Militärregierung nach Kriegsende als Bürgermeister ein. Allerdings bemühte er sich wohl nicht sonderlich um das Amt. Wenige Monate später nahm das Drama seinen Lauf. Aufgrund einer Namensverwechslung wurde er festgenommen und mehrere Monate in Haft schikaniert. Von den Folgen konnte er sich – obwohl später wieder voll rehabilitiert – nie ganz erholen. 1968 heiratete er schließlich Christine Pitroff.

Die Witwe ließ es sich nicht nehmen, zur Übergabe der Radierung ebenfalls zu kommen. „Ich bin sehr erfreut zu sehen, wie sehr mein Mann hier gewürdigt wird“, sagte sie. Einen Großteil seiner Utensilien, Druckplatten, Fotos und Briefe überließ sie vor einigen Jahren dem Hauptstaatsarchiv München, das diese in seine Bestände genommen hatte. Ein paar Fotografien von der Radierung „Dorfplatz“ hängen in einigen Häusern Kottgeiserings. Auf einer ist sogar zu entziffern, dass Eckert es dem Wirt Georg Klotz geschenkt hatte – als Dank für die Aufnahme in seinem Haus. Auch in der Ortschronik ist die Radierung abgebildet. Eine Aussage hierin, dass Eckert auch Gründungsmitglied des Sportvereins Kottgeisering war, konnte allerdings nicht bestätigt werden. (mjk)

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