Analyse eines Experten

Dorfladen wäre in Kottgeisering machbar

Ein Supermarkt hätte in Kottgeisering wohl keine Überlebenschance, ein Dorfladen möglicherweise schon. So lautet ein Ergebnis der Standortuntersuchung, die im Auftrag der Gemeinde durchgeführt wurde.

KottgeiseringDer Dorfladen wäre sogar mehr als ein Lebensmittelgeschäft – laut des von der Gemeinde beauftragten Nahversorgungsexperten Wolfgang Gröll könnte ein regelrechtes „Multifunktionszentrum“ entstehen. Ein „kleiner Nahversorger“ mit 120 Quadratmetern Verkaufsfläche könnte in Kottgeisering funktionieren, so Grölls Bewertung. Noch besser wäre es in seinen Augen, wenn am gleichen Standort weitere Angebote wie Postagentur und Lotto-Annahmestelle Platz finden würden, dazu ein Tagescafé, Veranstaltungsräume und öffentliche Einrichtungen.

Für Finanzierung und Betrieb eines solchen Multifunktionszentrums gibt es verschiedene Möglichkeiten – Bürgerkapital und -engagement kommen ebenso in Frage wie ein privater Betreiber oder ein Integrationsunternehmen wie die Caritas. „Es gibt auch viele Mischmodelle“, so Gröll.

Beim Thema Supermarkt ging dagegen der Daumen nach unten. Ein primäres Einzugsgebiet von nur 846 Einwohnern würde keinen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen. Die Märkte in den Nachbarorten ziehen Kunden ab, zumal in Grafrath nun auch noch ein Feneberg entstehen soll. Wenn überhaupt, wäre für Kottgeisering nur ein Discounter sinnvoll, doch für diesen fehlt ein geeigneter Platz. Von rund 20 geprüften Standorten scheiden die meisten für den Einzelhandel aus, so Gröll.

Anders beim Dorfladen. „Ein Immobilienbesitzer hätte ernsthaftes Interesse“, berichtete Bürgermeisterin Sandra Meissner (BV). „Und der Standort wäre auch geeignet.“ Das Konzept fiel bei Sabine Seemann und dem von ihr geleiteten Arbeitskreis (AK) Nahversorgung auf fruchtbaren Boden. Denn dort geht es den Engagierten nicht nur um Einkaufsmöglichkeiten am Ort, sondern um eine Belebung des Dorfes. Der im November gegründete AK hat in drei Gruppen die Optionen Wochenmarkt, Supermarkt, Dorf- oder Hofladen untersucht. Um das Angebot des Wochenmarkts am Freitagnachmittag auszuweiten, wurden die Betreiber verschiedener Gemüsestände angesprochen. Es sei aber mehr Werbung notwendig, so Seemann. Sie forderte Hinweise an den Ortseingangstafeln sowie eine ständige Betreuung des Wochenmarktes und der Standbetreiber durch einen Gemeinderat.

Auf dieses Anliegen wurde in der Sitzung zunächst nicht weiter eingegangen. Dafür wurde Gutachter Gröll einstimmig mit der letzten Phase seiner Untersuchung beauftragt: der Begleitung des Arbeitskreises bis zur Entscheidungsreife. Die Kosten von rund 2400 Euro werden zur Hälfte durch einen Zuschuss vom Amt für Ländliche Entwicklung abgedeckt.

Am 26. Mai stellt der Arbeitskreis die Ergebnisse seiner bisherigen Tätigkeit in einer öffentlichen Veranstaltung im Sportlerheim vor (Beginn 20 Uhr). Dazu hält Martin Wölzmüller vom Bayerischen Landesverband für Heimatpflege einen Vortrag zum Thema „Mitten im Dorf: Lebensraum Innenort“. (mjk)

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