+
Moorexpertin Cornelia Siuda wohnt in Kottgeisering keine 300 Meter vom Ampermoos entfernt.

Nur viel Wasser hilft

Eine Kottgeiseringerin kämpft für die Rettung der Moore - und schützt so das Klima

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
    schließen

Beispiele für große Kohlendioxid-Verursacher sind schnell aufgezählt. Eher nicht vermuten würde man, dass auch ungenutzte, aber zu wenig nasse Moore bundesweit für fünf Prozent der schädlichen Treibhausgase sorgen. Eine Moorexpertin aus Kottgeisering kämpft dagegen an.

Kottgeisering – Ampermoos, Haspelmoor, Fußbergmoos, Wildmoos und Puchheimer Moos zählen zu den naturschutzfachlich hochwertigen Orten des Landkreises. Zumindest in puncto Klimaneutralität trügt der Schein, denn die Moore sind zu trocken und gasen große Mengen an CO2, Methan und Lachgas aus. „Bundesweit sind 95 Prozent aller Moore kaputt“, stellt Cornelia Siuda nüchtern fest. Im Auftrag der Regierung von Oberbayern kümmert sich die Landschaftsplanerin um die Renaturierung von Mooren in der ganzen Region.

Nicht nur die Vernässung, sondern die Überschwemmung wäre der Idealzustand des Mooses im Hinblick auf den Klimaschutz. Auf diesem Foto des Ampermooses kann man Kottgeisering mit seiner Kirche im Hintergrund erkennen.

Das seit einigen Jahren jede politische Diskussion beherrschende Thema Klimaschutz hilft der Kottgeiseringerin dabei enorm. „Der Naturschutz hatte vor allem früher die Aura des Neinsagens. Heute verpacken wir das anders und sprechen vom Klimaschutz – und schon interessiert es alle“, so die Moorexpertin. Trotz der gestiegenen Sensibilisierung für das Klima ist es jeweils ein steiniger Weg zum rundum intakten Moor.

Die Ursachen liegen 100 Jahre zurück

Die Ursachen, die heute dazu führen, dass rund ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen des Landnutzungssektors aus den Mooren stammen, liegen mehr als 100 Jahre zurück. Intakte und damit klimaneutrale Moose (Niedermoore) und Filze (Hochmoore), aber auch dauernasse Wiesen wurden entwässert, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. In vielen Regionen entstanden Torf-Abbaugebiete und Torfstiche, wie in den Hochrunst-Kollerfilzen bei Raubling, wo erst vor wenigen Jahren ein großes Werk den Abbau beendete und 300 Hektar renaturiert wurden.

Das Problem an zu trockenen Mooren: Das nicht abfließende Überschuss-Wasser unterbindet normalerweise die Zersetzung der jahrhundertelang aufeinander gefallenen und zu Torf gewordenen Pflanzenteile. Trocknet aber ein Moor aus, werden der bei der Photosynthese in der Pflanze gebundene Kohlenstoff und weitere Gase freigesetzt. Jedes Moor ist also klimatisch gesehen eine Zeitbombe, wie bei einem Feuer hilft nur eines: Wasser, Wasser, Wasser.

Der Freistaat hilft mit Geldern

Weil sich das aber nicht mit landwirtschaftlicher Nutzung verträgt, hat das bayerische Umweltministerium das Klimaschutzprogramm (KLIP) Bayern 2050 aufgelegt, mit dem den Moorbauern geholfen und gleichzeitig die Moore renaturiert werden sollen. 2,25 Millionen Euro wurden seit 2008 jährlich zur Verfügung gestellt. Cornelia Siuda erläutert, wie KLIP funktioniert: „Das wichtigste ist, die Flächen zu sichern, ob per Ankauf, langfristiger Pacht oder Grundbucheintrag mit dinglicher Sicherung“, so die Moorexpertin, die auch freiberuflich Moore kartiert und moorökologische Planungen erstellt.

Nach Umsetzung der vorgeschlagenen Renaturierungsmaßnahmen wie Zuschütten der Gräben, Aufstau oder auch nur Extensivierung der Felder erfolgt die Bilanzierung in Form einer Berechnung über die eingesparten Treibhausgase. „Rettet die Moore“ ist also eine noch wenig bekannte Forderung der Klimaoffensive.

Das wiedervernässte Ampermoos

Vor sieben Jahren wurde bei Grafrath eine Sohlschwelle in die Amper gebaut. Im Hinblick auf die Fauna und die Moorrenaturierung hatte der Einbau auf jeden Fall einen positiven Effekt. Der Amper-Wasserstand ist deutlich höher vor als hinter der Schwelle. „Vogelarten wie die Wasserralle oder das Tüpfelsumpfhuhn haben davon profitiert“, stellt Christian Niederbichler, Gebietsbetreuer des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) fest.

Für frühere Bewohner des Ampermooses wie Rotschenkel und Uferschnepfe ist es nach seiner Ansicht aber trotzdem zu trocken. In dieselbe Kerbe schlägt Cornelia Siuda, die an dem Wiedervernässungsprojekt aber nicht beteiligt war. „Die Anstauhöhe war nur ein Kompromiss, man hätte die Schwelle höher bauen müssen“, so die Ampermoos-Anliegerin. Durch den höheren Pegel der Amper sei immerhin die Grundfeuchte in dem Niedermoor erhöht und die Zufluss-Bäche flacher und damit langsamer geworden.

Ähnlich wie bei den Corona-Infektionen gelte es, große (Regenwasserabfluss-) Wellen zu vermeiden. Auch angesichts der sich wiederholenden Frühjahrstrockenheit soll das Wasser möglichst langsam und ausgeglichen aus dem Moos abfließen. Beide Experten sind sich einig, dass das temporäre Aufstauen und Ablaufenlassen der Entwässerungsgräben (etwa zur Sicherstellung der Mahd) eine weitere Verbesserung für Klima, Fauna und Flora wäre.

Weitere Nachrichten aus Kottgeisering finden Sie hier.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Radio TOP FM punktet bei den Hörern mit der Morgenshow
Radio TOP FM ist bei den Hörern weiterhin beliebt. Bei der „Funkanalyse Bayern“, in der seit 30 Jahren die Reichweiten aller Radiostationen erhoben werden, wurde das …
Radio TOP FM punktet bei den Hörern mit der Morgenshow
Anmietung der Marthabräuhalle: Vereine bekommen Finanzspritze
Wenn Vereine größere Veranstaltungen planen, brauchen sie entsprechende Räume. Doch viele können sich die Miete im Veranstaltungsforum – auch zum günstigeren …
Anmietung der Marthabräuhalle: Vereine bekommen Finanzspritze
Stadtwerke setzen weiter auf Sonnenstrom
Es ist der 19. positive Abschluss in Folge: Die Brucker Stadtwerke blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Beim Thema Erneuerbare Energien setzt das …
Stadtwerke setzen weiter auf Sonnenstrom
Tiefgarage kommt Kirche zu nah
Es dürfte eine der Fragen sein, die in Olching derzeit am häufigsten gestellt werden: Wann macht eigentlich das neue Café am Nöscherplatz auf? Immerhin hätten die …
Tiefgarage kommt Kirche zu nah

Kommentare