Vortrag

Heimat darf nicht zum lebendigen Museum werden

Im Zuge der Debatte um die Nahversorgung in Kottgeisering war der Geschäftsführer des Vereins für Heimatpflege im Ort. 

Kottgeisering – „Immer wenn ich mit dem Zug nach München fahre, lege ich kurz nach Türkenfeld die Lektüre auf die Seite und schau aus dem Fenster, wenn ich an Kottgeisering vorbeifahr. Die vielen Kirchen rund um den Ammersee und die schöne Landschaft – eine Ikone Bayerns“, erzählte Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des in München ansässigen Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. Der Arbeitskreis Nahversorgung hatte den Spezialisten für Heimat in das Sportlerheim eingeladen, einen Vortrag zum Thema „Mitten im Ort – Lebensraum Innenort“ zu halten. Mit seinen Eingangsworten schmeichelte Wölzmüller dem Kottgeiseringer Auditorium, stellte aber fest, dass man abstumpfe, wenn man das Schöne jeden Tag vor Augen hätte.

Konkreter Anlass war die Diskussion, in welcher Form und vor allem wo im Ort Nahversorgung stattfinden sollte. Denn seit dem ein Discounter zwischen Altort und Kreuzackersiedlung per Bürgerentscheid vor einem Jahr abgelehnt wurde, traf sich ein von Sabine Seemann koordinierter Arbeitskreis mehrere Male, um Empfehlungen an den Gemeinderat zu formulieren.

Schon im Titel des Vortrags war die grundsätzliche Empfehlung des Heimatpflegers aus Prittriching vorweg genommen: „Entwickeln Sie Strategien zur Nutzung des Innenorts und schonen Sie den Außenraum“, appellierte Wölzmüller und warnte vor einer „unmaßstäblichen Möblierung der Flur um das Dorf“.

Anhand einiger Fotos zeigte Wölzmüller die Potenziale im Altort von Kottgeisering, wollte sich aber in die konkrete Standortfrage eines Nahversorgers nicht einmischen und auch „keine Verzichtsideologien predigen“. Nach seiner Definition von Heimat müsse es dort auch wirtschaftliche Existenzen und funktionierende öffentliche Einrichtungen geben, sonst sei Heimat nur noch ein „Museum live mit menschlichen Ausstellungsstücken“.

Ein großes Anliegen ist Wölzmüller die Baukultur, die durch klare Zukunftsentwürfe der Gemeinschaft und durch Rücksicht, die der Einzelne aufbringt, entsteht. Baukultur werde vor allem durch das Neu-Bauen definiert, wobei Neubauten die Welt eines Dorfes und damit die Heimat verändert. Toskanische Urlaubserfahrungen und rein individuelle Wünsche müssten da zurücktreten. „

„Wer mit geschärfter Aufmerksamkeit von Salzburg, Kufstein oder Hanau kommend die Grenze nach Bayern überquert, weiß von was ich rede“, schloss der Heimat-Bewahrer seien Ausführungnen. Diese bauliche und landschaftliche Qualität sei Ergebnis eigener Zurückhaltung und der Befolgung planerischer Regeln. (mjk)

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