Der Schlittschuh

Bei Kottgeisering

Fund von historischer Bedeutung: Der Knochen-Schlittschuh vom Ampermoos

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Draußen herrscht Tauwetter und Olympia ist auch vorbei. Trotzdem hält ein Schlittschuh die Archäologen im Landkreis in Atem. Das Stück ist aus einem Knochen hergestellt und vermutlich mehrere hundert Jahre alt. Und beinahe wäre es vergessen worden.

Toni Drexler

Kottgeisering – Auf den ersten Blick ist es nur ein Tierknochen. Genauer gesagt ein Knochen vom Vorderhaxen eines Schweins. Auffällig sind aber die runden Bohrungen an den Knochenenden. Außerdem ist eine Seite flach geschliffen. „Es handelt sich um einen frühen Knochen-Schlittschuh“, erklärt Brucks Kreisheimatpfleger Toni Drexler. Die Menschen nutzten den Schlittschuh früher aber nicht etwa als Sportgerät, sondern um auf dem Eis schneller vorwärts zu kommen.

Gefunden hat ihn ein Landwirt aus Kottgeisering nah des Ampermooses – und zwar schon vor 40 Jahren bei einem Hausbau. „Dabei wurde vermutlich eine alte Abfallgrube ausgehoben, in der sich der Knochen befand“, sagt Drexler. Der Finder habe zwar erkannt, dass das Stück aufgrund der Bohrungen etwas Besonderes sein musste. Allerdings hatte er es dann eingelagert und erst einmal vergessen. „Beim Aufräumen ist ihm der Schlittschuh jetzt wieder in die Hände gefallen, und da hat er ihn mir gebracht“, erzählt Drexler. Derartige Schlittschuhe sind auch aus anderen Funden bekannt. Als ältester gilt ein Fund bei Veseli in der Slowakei, der aus der Zeit um 3000 vor Christus stammen soll. „Aber auch in Schweiz und Skandinavien wurden Knochenschlittschuhe gefunden, die auf das zweite und dritte Jahrhundert vor Christus hindeuten“, sagt Drexler. So alt ist der Fund aus Kottgeisering allerdings nicht.

Über das genaue Alter könne ohne aufwändige Untersuchung zwar nichts gesagt werden, so Drexler. Der Heimatpfleger geht aber davon aus, dass der Knochenschlittschuh entweder aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit stammt. Da hätten die knöchernen Kufen eine größere Verbreitung gefunden und waren noch lange im Einsatz, als es schon Schlittschuhe mit Eisenkufen gab.

Wie die knöcherne Variante funktioniert, erklärt Drexler: „Die Läufer befestigten die mit Löchern versehenen Schlittschuhe mit Lederbändern direkt an den Schuhen.“ Doch der Knochen war nicht untrennbar mit der Fußbekleidung verbunden. „Hinten war er nicht befestigt“, sagt Drexler. Ein richtiges Laufen sei deshalb nicht möglich gewesen. Um dennoch eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen, verwendeten die Gleiter – ähnlich wie beim Skifahren – zwei lange Stangen zum Abstoßen mit den Armen.

Bei dem Knochenschlittschuh handelt es sich trotz der gesicherten Beweislage um ein seltenes Stück. „Viele sind nicht erhalten geblieben“, sagt Drexler. Dass einer genau beim Ampermoos gefunden wurde, sei kein Zufall. „Das Moos war in früheren Zeiten oft eine große Eisfläche.“ Wie der Schlittschuh auf dieser funktionierte, davon können sich die Bürger bald selbst einen Eindruck verschaffen. Drexler will das seltene Stück im Fürstenfeldbrucker Stadtmuseum in der Vitrine des Historischen Vereins ausstellen lassen.

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