Vorstand und Festausschuss.

Kottgeisering

100 Jahre Kriegerverein: Chronik ersetzt Feier

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Gut ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gründeten ein paar Kottgeiseringer Heimkehrer den Krieger- und Soldatenverein (KSV). Heuer feiern die Mitglieder das 100. Gründungsjubiläum – mit enttäuschten Gesichtern: Denn das Anfang Juni geplante Fest muss, wie viele andere, leider ausfallen.

Kottgeisering – Eineinhalb Jahre Planungen, unzählige Abstimmungen und viele Festausschusssitzungen sind weitgehend umsonst. Das Jubiläum, das nach langen Jahren wieder einmal ein Kottgeiseringer Ortsverein feiern darf, fällt der Corona-Krise zum Opfer. „Wir hätten ein schönes Programm vorbereitet“, sagt der KSV-Vorsitzende Hermann Entholzner zerknirscht. Schon in der Vorbereitung hatten die Verantwortlichen mit einem großen Problem zu kämpfen, als sie plötzlich ohne Wirt für ihr Festzelt da standen – und wenige Monate vor dem Festwochenende auch keinen mehr fanden.

Recherche im Archiv

Feste Zusagen gab es dagegen von zehn weiteren Krieger-, Soldaten- und Veteranenvereinen samt Fahnenabordnungen aus drei Landkreisen. Ein besonderes Schmankerl wäre am Samstagnachmittag das Vergleichsböllerschießen von mehreren Schützenvereinen auf dem Griesbründl gewesen. Nach einem Feldgottesdienst wäre ein Festzug durch den Ort mit einem anschließenden Festakt am Kriegerdenkmal geplant gewesen.

Heute noch erhalten: Im Rathaus hängt die Tafelzur Feier der Kriegsheimkehrer vom 4. Januar 1919

„Möglicherweise holen wir das Fest in kleinerem Rahmen im November nach“, meint Entholzner. Denkbar sei, im Zusammenhang mit der Gefallenenehrung am Samstag vor dem Volkstrauertag eine kleine Feier zu veranstalten. Die große Frage ist jedoch, wie viele Gäste im Sportlerheim zu diesem Zeitpunkt bewirtet werden dürften. „Mit zwei Dutzend Leuten brauchen wir da nicht anfangen“, meint Vorsitzender Entholzner.

Eines war hingegen sicher nicht umsonst: Anlässlich des Jubiläums haben die Mitglieder Dieter Eder, Michael Swoboda und Michael Entholzner umfassend im Vereinsarchiv recherchiert und eine 80-seitige Festschrift zusammengestellt. „Es war nicht einfach, weil viele Originale gegen Kriegsende vor den anrückenden Amerikanern versteckt oder gar vernichtet wurden“, berichtet Swoboda.

Anlass für die Gründung nicht nur des Kottgeiseringer Kriegervereins war wohl, dass sich Kriegsheimkehrer nach längerer Abwesenheit in ihrer Heimat und im Alltag nurmehr schwer zurechtfanden. Der Verein sollte gegenseitige Unterstützung gewähren – ganz besonders denjenigen, die invalid heimkehrten oder wenigstens christlich bestattet werden sollten.

Noch erhalten ist ein sogenanntes Ehrenbuch der Gemeinde, in dem 106 Kottgeiseringer Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges jeweils auf einer Seite namentlich und mit den verschiedenen Regimentszugehörigkeiten und Einsätzen festgehalten sind. Für die 157 Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg ist eine Ehrentafel erhalten, auf der alle mit Portraitfoto abgebildet sind.

Erste wichtige Vorhaben des noch jungen Vereins waren es, neben einer Satzung auch eine Vereinsfahne zu beschaffen – die heute noch bei besonderen Anlässen dabei ist. Sie zeigt das Bild eines heimkehrenden Soldaten und auf der Rückseite den heiligen Rasso aus Grafrath.

Einen finanziell noch größeren Aufwand stellte freilich die Errichtung eines Kriegerdenkmals in der Ortsmitte dar. Dabei half eine Haussammlung, wie vorhandene Listen belegen. Der dann realisierte Entwurf des Ortsarchitekten Georg Maria Kronenbitter sah eine in einem Wasserbecken stehende Säule vor, darauf ein aus Stein gehauener Stahlhelm, der heute wieder vor dem Gedenkstein Verwendung findet. Fahne und Denkmal wurden gut ein Jahr nach Vereinsgründung am 24. Juli 1921 feierlich geweiht. Historische Fotos zeugen von einem großen Fest zahlreicher, bestens gekleideter Menschen.

Das Kriegerdenkmal

Nachdem das Vereinsleben in den Kriegsjahren und während der Besatzungszeit weitgehend zum Erliegen kam, startete ein neuer Vorstand durch und beschaffte eine Kleinsalutkanone, mit der auch heute noch bei der Beerdigung eines Kriegsteilnehmers oder ehemaligen Wehrdienstleistenden Salut geschossen wird.

1959 beauftragte Vorsitzender Andreas Berchtold ein neues, wiederum von Kronenbitter gestaltetes Kriegerdenkmal. Notwendig wurde es nicht zuletzt deswegen, weil die 57 Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges auf dem neuen Gedenkstein genannt werden sollten.

Die Satzungsänderung, der zufolge auch Ungediente Mitglied beim KSV werden können, sichert heute den Fortbestand des Vereins und die Einbindung in das Gemeindeleben. Exkursionen zu Bundeswehrkasernen und militärgeschichtlichen Sammlungen beleben den Verein, dessen Hauptaufgabe aber die Organisation und Gestaltung des Volkstrauertages ist. Die Festschrift wird in den nächsten Tagen kostenlos an die Kottgeiseringer Haushalte verteilt.

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