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Das Haus an der Dorfstraße 2 in Kottgeisering ist der Blasl-Hof: (v.l.) Christian Bichler, örtlicher Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung, Bettina Weickl, Hausbesitzerin vom Blasl-Hof, Bürgermeisterin Sandra Meissner, Alt-Bürgermeister Josef Drexler, Mitglied des Arbeitskreises Ortsgeschichte und „Vielwisser“.

25 Besitzer machen mit

Alte Hofnamen sind jetzt sichtbar

Sie heißen Kretzamo, Zoz, Bee, Heffama oder Hiaterla. Und diese Namen sind natürlich nicht im Telefonbuch zu finden, wie sie überhaupt kaum irgendwo niedergeschrieben sind. Die Rede ist von den alten Haus- und Hofnamen Kottgeiserings, die jetzt auf blauen Emailleschildern an Häusern im Ort angebracht werden.

Kottgeisering - Im allgemeinen Sprachgebrauch sind die Namen vereinzelt noch in Verwendung. Freilich haben die Bewohner dieser Anwesen auch einen „richtigen“ Namen. Deswegen ist es ein großer Unterschied, ob man fragt: ‚Wer bist denn Du?‘ oder ob man fragt ‚Wie schreibst du dich?‘. Im Falle des Alt-Bürgermeisters und Ehrenbürgers Josef Drexler lautet die Antwort auf die erste Frage nämlich „I bin da Stiegel“. Jetzt ist dieser Name natürlich wenig persönlich, denn Drexlers Vorfahren hießen schon Stiegel und Drexlers Enkel, den der Opa zum Pressetermin mitgenommen hatte, heißt eigentlich auch Stiegel. Zumindest, wenn er da wohnt, wo auch der ursprüngliche Hof steht.

Und das wirft eine weitere Frage auf: Kann man den Hofnamen „mitnehmen“, wenn zum Beispiel der eigentliche Hofbesitzer an anderer Stelle im Ort neu baut? „Wir haben darüber im Arbeitskreis Ortsgeschichte lange diskutiert“, berichtet Josef Drexler, der mit seinem geschichtlichen Wissen eine große Stütze darstellte. Durchgesetzt hat sich die Meinung, dass es ein Hofname ist, der eben an dieser Stelle bleiben müsse. Andererseits bekommen auf diese Weise Zugezogene, die sich ein altes Bauernhaus gekauft haben, einen neuen Namen, mit dem sie sich mehr oder weniger identifizieren (siehe Seite 1).

Für Bettina und Matthias Weickl, an deren Haus jetzt offiziell das erste Schild angebracht wurde, ist es eine schöne Idee, weshalb sie auch spontan das Schild bestellt haben. Darauf ist fortan für alle sichtbar dokumentiert, dass sie beim Blasl wohnen, wenn nicht sogar „die Blasl“ sind. Woher der Name kommt, ist – wie in den meisten Fällen – nicht bekannt. Mehrere Vorbesitzer des alten Hauses hießen, vermutlich abgeleitet vom Hofnamen, mit Vornamen Blasius.

An legendäre Schafkopfrunden beim Blasi in der Stube kann sich Drexler noch heute erinnern: „Die dauerten so lange, bis wir rausgeschmissen wurden – und schräg gegenüber beim Haschmid weitergespielt haben.“ Vor rund 30 Jahren hatten die Weickls das unter Denkmalschutz stehende Mitterstall-Bauernhaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sanieren begonnen, später gekauft.

Im dörflichen Sprachgebrauch (noch) nicht durchgesetzt hat sich eine andere Erkenntnis: Dass Bürgermeisterin Sandra Meissner – sie ist ebenfalls eine Zugezogene, seit sie das unter Denkmalschutz stehende historische Doppel-Bauernhaus in der Jesenwanger Straße gekauft hatte – eigentlich „Heuschneiderin“ heißen muss.

Projekt der Dorferneuerung

Die Idee, die alten Hofnamen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen, hatte Josef Drexler in anderen Orten gesehen und noch in seiner Bürgermeisterzeit als Projekt der Dorferneuerung initiiert. Die Umsetzung verzögerte sich, nicht zuletzt wegen der aufwändigen Recherche in alten Ortsregistern.

„Auch was die Schreibweise eines eigentlich nicht geschriebenen, sondern nur gesprochenen Namens angeht, war es nicht einfach“, erzählt Drexler. „Um die Akzeptanz zu erhöhen, wurde bei der Schreibweise auf die Wünsche der Betroffenen eingegangen“, berichtet Sandra Meissner.

Besitzer zahlen nur 20 Euro pro Schild

Nach der anfangs zögerlichen Begeisterung für die weiß-blauen Schilder warb Alt-Bürgermeister Drexler persönlich bei den Leuten. Gemeldet haben sich 25 Hofbesitzer. Diese müssen dank eines 75-prozentigen Zuschusses von Amt für Ländliche Entwicklung und Gemeinde nicht mal 20 Euro pro Schild bezahlen.

Christian Bichler, der örtliche Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung, wird die Schilder auf Wunsch in den nächsten Tagen an die Häuser schrauben.

So ging das Projekt los. 

Max-Joseph Kronenbitter

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