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Eckart und Anneliese Kuscher sind fassungslos ob der Fällungen. 

Ex-Baumbesitzer fassungslos

Anwohner holzt die Bäume seines Nachbarn ab - mit dreister Begründung

Holzfäller dringen in ein abgesperrtes Grundstück in der Kreuzackersiedlung ein und fällen ohne Zustimmung des Grundbesitzers acht Bäume. Die Begründung des Auftraggebers macht fassungslos.

Kottgeisering – „Wir waren fassungslos, als wir das zwei Tage später gesehen haben“, sagten Eckart und Anneliese Kuscher dem Tagblatt. Nach einer anfänglichen Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei weiß man mittlerweile, dass der nördliche Nachbar die Fällungen veranlasst hat. Vermutlich deswegen, weil die Bäume den Blick nach Süden verdeckten.

Die Fällungen waren nicht einfach, denn die Bäume – vorwiegend Weißtannen, aber auch Fichten und eine Kiefer – standen seit rund 60 Jahren und waren entsprechend hoch. Sie konnten also nicht frei fallen, sondern mussten stückweise abgetragen werden. Wie viele Bäume gefällt wurden, kann Eckart Kuscher gar nicht sagen, weil alle Äste und die kleingesägten Holzstämme im Grundstück verteilt liegen. „Mein Vater hat die Bäume damals nach dem Hausbau eigenhändig gepflanzt“, berichtet er. Sie standen auf der Nordseite des Hauses, das seit Auszug seiner Eltern vor über zehn Jahren unbewohnt war.

Besonders pikant: Am Donnerstagnachmittag, wenige Tage nach Eingang der Anzeige bei der Polizei, rückten die Baumfäller nochmals an und wollten die wenigen, noch verbliebenen Bäume ebenfalls umsägen. Zufällig war diesmal der Grundstücksbesitzer in der Nähe und beobachtete das erneute Eindringen der Fäller in seinen Garten. „Ich habe sofort die Polizei gerufen, die das Treiben gestoppt hat.“

Gegenüber der Polizei haben die Holzfäller ihren Auftraggeber genannt. Es war der Nachbar, der das Haus nördlich davon kürzlich gekauft hatte und einen Abbruchantrag samt Neubau gestellt hat. Diesen hatte der Gemeinderat zuletzt abgelehnt. Beim Fällungsunternehmen hatte sich der Nachbar als „Verwalter“ des Grundstücks ausgegeben. Für eine Stellungnahme war er seitens des Tagblatts nicht erreichbar.

Dass der Nachbar die Bäume weg haben wollte, ist kein Geheimnis. „Vor zwei Wochen gab es einen gemeinsamen Ortstermin, bei dem der Nachbar viele Bäume mit einer Spraydose markiert hatte“, so Kuscher. Das Ehepaar habe aber unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie in diesem Umfang nicht zustimmen würden und sie sich zuvor noch eine externe Meinung holen wollten. „Wir haben gesagt, dass wir keinen Kahlschlag wollen, sondern allenfalls einen naturschonenden Eingriff dulden. Eine Freigabe zur Fällung haben wir nicht gegeben.“ Um das zu unterstreichen, hatten die Kuschers das Gartentor mit einem Kabelschloss gesichert und ein Betreten-verboten-Schild am Tor angebracht. „Wie kommt jemand dazu, wiederholt über ein abgesperrtes Tor zu steigen und einfach Bäume umzusägen?“ Zudem passierte die Fällung während der laufenden Vogelbrutzeit.

Das Ehepaar hat einen Anwalt eingeschaltet, um den Schaden zu ermitteln. Ob er neue Bäume anpflanzt, hat Eckart Kuscher noch nicht entschieden. Jedenfalls müssen sich die Adventskranzbinderinnen, die sich in Kuschers Garten immer Schmuckreisig holen durften, jetzt neue Quellen suchen. 

von Max-Joseph Kronenbitter

Video: Streitfaktor Nachbarschaft - Das müssen Sie wissen

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