Das Jubelpaar mit (hinten v.l.) Vize-Bürgermeister Andreas Folger, Sohn Karl Hanel und Helmut Widmann vom Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein.
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Das Jubelpaar mit (hinten v.l.) Vize-Bürgermeister Andreas Folger, Sohn Karl Hanel und Helmut Widmann vom Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein.

Gnadenhochzeit

Sie haben am Rosenmontag vor 70 Jahren geheiratet

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Ernst und Mathilde Hanel haben sich vor 70 Jahren das Ja-Wort gegeben. Jetzt feierten sie ihre Gnadenhochzeit und gleichzeitig noch einen Rekord. 

Kottgeisering – Sie sind wohl das am längsten verheiratete Paar in der Geschichte Kottgeiserings: Ernst und Mathilde Hanel feierten Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gaben sich die heute 92-Jährige und ihr ein Jahr jüngerer Ehemann das Ja-Wort in St. Valentin. Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schickte Glückwünsche aus Berlin. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ließ zwei Porzellanbecher überbringen.

Ohne Chauffeur zur Kirche

Der 20. Februar 1950 war der Rosenmontag. „Das Wetter war schön, später regnete es leicht“, erinnert sich Mathilde Hanel. Auch damals lag kein Schnee, was ein sehr glücklicher Umstand war. Denn der Tag begann mit einer Pleite: Der extra bestellte Chauffeur mit seinem Opel versetzte das Brautpaar. So mussten die Hochzeiter im eleganten Zwirn vom „Reigl“, wo Mathilde damals wohnte, über die noch nicht asphaltierten Straßen und das Kirchwegerl zur Kirche laufen. Warum er zu spät kam, wissen sie nicht mehr – nur, dass der Chauffeur vorab mit Benzin bezahlt werden wollte. „Immerhin war er am Schluss der Messe da und hat uns zum Fotografen nach Grafrath gefahren“, berichtet Ernst Hanel.

Zelebrant in der Kirche war der strenge Pfarrer Josef Auer. Das erklärt den Heiratstermin, denn in der zwei Tage später beginnenden Fastenzeit durfte nicht geheiratet werden. Nicht zuletzt pressierte es auch: Sohn Karl sollte nicht unehelich auf die Welt kommen.

Der Ortschef wohnte mit im Haus

Unprätentiös verlief die standesamtliche Trauung im Schulhaus, dem heutigen Kindergarten. „Das war die ganze Gemeindeverwaltung, besetzt mit einer Sekretärin“, erinnert sich Mathilde Hanel. Wer etwas vom Bürgermeister wollte, suchte ihn daheim auf. Der damalige Ortschef Korbinian Stepberger wohnte übrigens im gleichen Haus, in dem die heutige Bürgermeisterin Sandra Meissner lebt. Das erste Rathaus mit Sitzungssaal und zwei Zimmern (heute Bücherei) wurde erst gut zehn Jahre später erbaut.

Mathilde Hanel wurde in Asch-Leder geboren, dem heutigen Fuchstal, wuchs aber in Kottgeisering auf. Ernst lebte in Karlsthal im Altvatergebirge, unweit der polnischen Grenze, bevor er 1946 vertrieben wurde und nach Umwegen in Kottgeisering landete. Während seine Frau im Grafrather Pflanzgarten und später als Näherin bei Ariella Bade- und Skimoden in der Buchenau arbeitete, verdiente Ernst sein Geld als Leiter der Warenannahme bei einem US-Chemieunternehmen in München. Nebenbei trainierte er 26 Jahre die SV-Fußballer – darunter Andreas Folger, der als Vize-Bürgermeister Glückwünsche der Gemeinde überbrachte.

Weitere Nachrichten aus der Region: Im Landkreis wird heute noch einmal Fasching gefeiert. Damit alles glatt läuft ist die Polizei vorbereitet.

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