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Den neuen Spielplatz hinter der Bücherei, entstanden in ihrer Amtszeit, sollte jeder mal gesehen haben, findet Bürgermeisterin Sandra Meissner von der Bürgervereinigung. 

Serie: Die neuen Bürgermeister im westlichen Landkreis – Halbzeit im Amt 

Sandra Meissner: „Bürgernähe macht mir sehr viel Spaß“

Bürgermeisterin, Rechtsanwältin und Managerin einer sechsköpfigen Familie ohne Haushaltshilfe und Babysitter – über Langweile kann sich Sandra Meissner wahrlich nicht beklagen.

Kottgeisering – Trotzdem traf Tagblatt-Mitarbeiter Max-Joseph Kronenbitter die Bürgermeisterin ganz entspannt an beim Gespräch im Rathaus. Die 48-Jährige berichtete, was ihr privat und dienstlich besonders wichtig ist.

Frau Meissner, wie hat sich Ihr Leben als Bürgermeisterin verändert, welche Auswirkungen hat das Amt auf die Familie?

Sandra Meissner: Meine Tätigkeit als selbstständige Rechtsanwältin musste ich mit Übernahme des Bürgermeisteramtes vor drei Jahren reduzieren. Ohne einen Kalender geht es gar nicht mehr, genauer gesagt ohne einen zweiten. Denn den Schichtplan meines Mannes, der bei der Fürstenfeldbrucker Polizei eine Dienstgruppe leitet, habe ich immer dabei. Wir planen als Familie jede Woche neu und können so immer sicherstellen, dass entweder Vater oder Mutter bei den Kindern ist, das ist uns sehr wichtig.

Sie sind ja nicht hauptamtlich tätig, kriegt man da bei Ihnen überhaupt noch Termine?

Sandra Meissner: Selbstverständlich, Termine mit Bürgern, Planern und Behörden kann ich prinzipiell sogar zu allen Tages- und Abendzeiten anbieten. Vieles geht auch ganz ohne Termin, denn ich bin im Ort sehr präsent, nicht zuletzt deswegen, weil ich mit meiner Familie oft zu Fuß im Ort unterwegs bin. Auf dem Weg werde ich von Bürgern angesprochen, darf die Ortspolitik erklären, und sehe, was der Bauhof erledigen müsste.

Ist es nicht nervig, immer „im Dienst“ zu sein?

Sandra Meissner: Bürgernähe macht mir sehr viel Spaß. Das macht genau den Reiz des Amtes in einer kleineren Gemeinde aus, dass ich sehr dicht an den Belangen aller dran bin und mich auch als Teil des Ganzen sehe. Ganz unvoreingenommen kann ich allerdings nicht mehr spazieren gehen, weil ich als Bürgermeisterin unmittelbar die Folgen des politischen Handelns sehe und durch viele Gespräche Hintergründe und Interessen der Bürger kenne.

Was hat Sie im Amt überrascht?

Sandra Meissner: Die enorme Bandbreite der Aufgaben war die große Überraschung, ich bin Dienstleisterin, Sicherheitsbeauftragte, Hausmeisterin und Seelsorgerin. Dass ich nicht jedem das geben kann, was er sich wünscht, und dass Anträge aus fachlichen, politischen oder Gründen des Gemeinwohls auch mal abgelehnt werden müssen, zählt dabei zu den weniger angenehmen Aufgaben.

Haben Sie schon Fehler gemacht?

Sandra Meissner: Das kommt auf die Sichtweise an. Was der eine als Fehler ansieht, ist für den anderen wunderbar. Gegenwind gibt es derzeit bei dem Projekt Renaturierung des Mutterbachs und Attraktivierung des Angerbereichs. Vielleicht müsste man die Bürger bei solchen Projekten noch intensiver und früher mitnehmen. Mit finanzieller Unterstützung des Amts für Ländliche Entwicklung wollen wir aber im Frühjahr 2018 endlich damit beginnen. Und ich bin davon überzeugt, dass alle sehr zufrieden sind, wenn es dann mal fertig ist.

Was sind die schönsten Aufgaben?

Sandra Meissner: Die schönste Aufgabe ist die der Standesbeamtin, die ich drei bis viermal im Jahr übernehmen darf. Zwei Menschen auf den gemeinsamen Lebensweg zu bringen, mache ich am liebsten. Gerne gehe ich auch zu Geburtstags- und Jubiläumsbesuchen, da erfahre ich etwas über die Ortsgeschichte und darf am Leben der Jubilare teilhaben, deren Lebenserfahrung bereichert auch mein Leben.

Wie sieht Kottgeisering in zehn Jahren aus?

Sandra Meissner: Jährlich etwa ein Prozent Bevölkerungswachstum, gerne mit jungen Familien, lieber in ungenutzten Hofstellen und Gebäuden als zu Lasten der umgebenden Naturräume. Ein Rahmenplan soll uns bei der Ortsentwicklung helfen, weil es immer eine Gratwanderung ist zwischen gestalterischen Ansprüchen im Interesse des Ortes und den Freiheiten der Bürger. Die örtliche Nahversorgung sollte auf einer tragbaren Grundlage stehen, und der Ort für Gewerbetreibende attraktiv sein. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sollten langfristig gesichert sein. Kottgeisering ist geprägt durch den hohen sozialen Zusammenhalt der Menschen, ein aktives Vereinsleben und durch die einzigartige Qualität der uns umgebenden landschaftlichen Schönheit und der reichhaltigen Flora und Fauna. Dies gilt es zu erhalten und immer wieder im Bewusstsein der Bürger zu verankern. Kottgeisering ist schließlich unsere Heimat.

Welche drei Plätze in Kottgeisering sollte jeder Besucher gesehen haben?

Sandra Meissner: Den Dorfplatz mit Maibaum und Brunnen, der ein schöner Treffpunkt geworden ist, den Naturbeobachtungsturm, weil er einen wunderbaren, überregional beachteten Blick ins Ampermoos gewährt, und den neuen Spielplatz hinter der Bücherei, weil er mit den geschnitzten Spielfiguren eine ganz individuelle Note hat.

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