+
Dreharbeiten des Bayerischen Rundfunks bei den Mäharbeiten: Kameramann Moritz Kipphardt und Tonmann Odwin von Wurmb im Einsatz.

Beim Naturvision-Festival

Film übers Ampermoos mit Preis ausgezeichnet

Im vergangenen Sommer zeigte das Bayerische Fernsehen einen Dokumentarfilm über das Ampermoos. Nun hat das Werk einen Preis abgeräumt

Kottgeisering – Mit dem Film rückte das durch Torfabbau, Überdüngung und sinkenden Grundwasserspiegel bedrohte, kleine Naturschutzgebiet im Südwesten des Landkreises bayernweit in den Fokus. Durch die kürzlich erfolgte Auszeichnung des Dokumentarfilms mit dem Filmpreis Bayern auf dem internationalen Naturvision-Filmfestival in Füssen erfährt das Moos jetzt noch mehr Aufmerksamkeit.

Die Drehbedingungen waren – wie so oft bei Filmen, in denen Tiere eine große Rolle spielen – hart. Denn häufig sind die Viecher überhaupt nicht da – oder die Filmleute nicht da, wo die Viecher sind. Und wenn dann doch mal alle am selben Fleck sind, kann es immer noch sein, dass schlichtweg nichts Spektakuläres zu sehen ist.

Florian Guthknecht

Regisseur Florian Guthknecht und sein Kameramann Moritz Kipphardt hatten oft Glück. Der mit hohen Sprüngen jagende Fuchs, die boxenden Hasen oder die wühlende Wildsau im Schnee – von diesen Momenten lebt der eindrucksvolle Film, der sogar am Moos wohnenden Kottgeiseringern viele Begebenheiten zeigt, die sie in all den Jahren selbst noch nicht gesehen haben.

Dass Guthknecht aber auch viele „Informanten“ am und im Ampermoos hatte, hat seinem Glück etwas nachgeholfen. „Nicht nur der Protagonist und Ampermoos-Gebietsbetreuer Christian Niederbichler, sondern auch ein Dutzend andere haben mich in München immer angerufen und wissen lassen, dass es sich lohnen würde zu kommen“, berichtet Guthknecht beim Tagblatt-Gespräch. Wenn es besonders früh los ging, konnten sie sich in der örtlichen Pension bei Maria Klotz einquartieren, die auch zu ungewöhnlichen Zeiten ein Frühstück bereitgehalten hatte. „Oft wurden wir zum Beispiel von Jägern mit dem Handy dorthin gelotst, wo sich Rehe mit ihren Kitzen aufhielten“, so der Regisseur.

Die Leute würden den Wert des Ampermooses spüren und seien sehr interessiert an der Arbeit des Filmteams gewesen, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr erstreckt hatte. Frappierend sei andererseits auch gewesen, wie rücksichtslos sich einige Zeitgenossen im Ampermoos bewegen: Leute mit freilaufenden Hunden oder Schlauchbootfahrer, die zur Vogelbrutzeit die Amper hinunter schippern.

Auch mit der Technik, genauer gesagt mit den Luftbild-Drohnen, haderten die Filmleute. „Die erste Drohne stürzte über der Grafrather Sohlschwelle ab und die zweite wurde von einem abbrechenden Ast getroffen, schwamm die Amper runter und musste von der Wasserwacht rausgefischt werden“, erzählt Guthknecht. Höchst dubios sei ein dritter Einsatz gewesen, bei dem die Drohne einfach umdrehte und in einiger Entfernung zweieinhalb Meter über dem Boden stehen blieb und steuerungsunfähig mit der Hand eingefangen werden musste – „ein verhexter Tag“.

Auf der Suche nach der seltenen Bachmuschel: Oft waren die Drehbedingungen schwierig.

Über den Filmpreis zeigte sich Guthknecht ob der großen Konkurrenz berührt. Das Besondere an dem Film sei aus seiner Sicht, dass er neben Tieren vor allem Menschen begleite, die zum Beispiel angesichts geräuberter Brachvogel-Gelege auch echte Gefühle und Enttäuschungen zeigen. „Ich habe vor 20 Jahren meinen ersten Tierfilm auf den Malediven gemacht und auf allen Kontinenten in den entlegensten Ecken der Erde gedreht – bei all diesen Reisen habe ich fast übersehen, was für eine Schönheit und Abenteuer vor meiner eigenen Haustür liegt“, sagt Guthknecht, der bereits am nächsten, vom Ampermoos inspirierten Filmprojekt arbeitet. Es geht um kleine Räuber wie den Marderhund, den Goldschakal und den Waschbären, die kleine Ökosysteme bedrohen können.

von Max-Joseph Kronenbitter

Hintergrund

Die Dokumentation über das Ampermoos, das nach jahrhundertelangem Raubbau nur noch sechs Kilometer lang und wenige hundert Meter breit ist, begleitet über ein Jahr lang eine Handvoll Menschen, die für dieses Kleinod kämpfen. Die BR-Produktion zeigt die Schönheit des Naturschutzgebiets ebenso eindrucksvoll wie seine Bedrohungen.

Naturvision ist das herausragende Natur- und Umweltfilmfestival in Europa. Was Zuschauer und Jury an Guthknechts Film berührt hat, ist die Botschaft, dass es mit Einsatz möglich ist, heilend in die Natur einzugreifen. Ein Beispiel ist die Rückkehr des bedrohten Brachvogels ins Ampermoos. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Autor und Regisseur ist der 49-jährige Florian Guthknecht, der für seine Unterwasserfilme bereits vielfach international ausgezeichnet wurde. In Fürstenfeldbruck aufgewachsen, kennt er das Ampermoos seit Kindertagen. Es sei für ihn ein Stück bedrohte Heimat, dem er mit seinem Film eine Stimme geben konnte.

Hinweis

Die Natur-Dokumentation „Zuflucht Ampermoos“ ist (zumindest in gekürzter Version) derzeit noch in der Mediathek des Bayerischen Fernsehens zu sehen: www.br.de/mediathek.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare