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Mehr als ein Dutzend Buchen, Eichen und Fichten mit einem Stammumfang von mehr als einem Meter wurden in Kottgeisering gefällt.

Johannishöhe

Kottgeisering: Gefällte Bäume entsetzen ganzes Dorf

Von einem „Umweltskandal erster Güte“ spricht Bürgermeisterin Sandra Meissner. „Es ist etwas Schreckliches passiert, ich bin entsetzt und hätte heulen können.“ Am frühen Samstagmorgen wurden Dutzende Bäume auf der Johannishöhe gefällt.

Kottgeisering – Der neue Grundstücksbesitzer der ehemaligen Pferdekoppel an der Johannishöhe war mit schwerem Gerät und ein paar Forstprofis angerückt, um einen Altbaumbestand zu fällen und damit Fakten zu schaffen. Dabei wurde die Baumkulisse im entsprechenden Bebauungsplan kartiert und wegen seiner prägenden Funktion als „zu erhaltender Baumbestand“ eingestuft.

Die Aktion hat für den Grundstückeigner wohl Konsequenzen: „An der Rechtswidrigkeit der Fällungen besteht kein Zweifel, für die Ahndung ist jetzt das Landratsamt zuständig“, kündigt Bürgermeisterin Sandra Meissner an. Denkbar sei die Verhängung eines Bußgeldes und eine Ersatzpflanzung.

„Trotz frühzeitiger Anrufe der Nachbarn war die Aktion schneller erledigt, als eine Reaktion möglich war“, so die Bürgermeisterin, die sofort ins Rathaus eilte um die Frage der Rechtmäßigkeit zu klären. Zwar gibt es in Kottgeisering keine pauschale Baumschutzsatzung, die Fällung explizit kartierter Bäume ist aber genehmigungspflichtig. Meissner vermutet eine gezielte Aktion an einem Samstag, an dem Verwaltung und Behörden nicht im Dienst sind und Schlimmeres verhindern hätten können. Immerhin kam die Polizei, die von der Bürgermeisterin verständigt wurde, und nahm die Personalien der beteiligten Personen auf.

Im vergangenen Sommer sah das Gelände noch idyllischer aus. 

Wolfram Weisse, Sprecher einer Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der Johannishöhe als Naturjuwel einsetzt (und den von der Gemeinde untersuchten Vollausbau der Straße energisch ablehnt), berichtet davon, dass der Grundstücksbesitzer, der erst vor einiger Zeit die Wiese gekauft hatte, persönlich auf den Maschinen saß und „nur widerwillig zur Rede gestellt werden konnte“. Weisse bezeichnet ihn als „Baulandspekulanten, der in Planierraupen- und Wildwest-Manier rücksichtslos und unwiderruflich Zerstörung angerichtet hatte“.

„Der Grundbesitzer erklärte mir gegenüber, dass er einer eventuellen Baumschutzverordnung zuvorkommen will, die wiederum eine spätere Bebauung behindern würde“, berichtete Weisse in der aktuellen Viertelstunde des Gemeinderats. Derzeit besteht kein Baurecht, eine umfassende Bebauung hatte der Gemeinderat abgelehnt.

Die Johannishöhe steht derzeit besonders im Fokus der Ortspolitik, weil auch in diesem Bereich die Asphaltierung der Straße und ein begleitender Gehweg diskutiert wird. Ein Ingenieurbüro hatte aber die Erhaltungswürdigkeit der Bäume erkannt und bei der Gehwegplanung extra darauf Rücksicht genommen.

Max-Joseph Kronenbitter

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