Das Ehepaar Dorlis und Roman Bischof aus Kottgeisering
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Dorlis und Roman Bischof mit den Scherben eines Keramikgefäßes aus der Bronzezeit, an dem sogenannte Fingertupfenleisten nachweisbar sind – gefunden bei einer Nachsuche westlich von Kottgeisering.

Besondere Spaziergänge im Herbst

Ehepaar aus Kottgeisering macht historische Funde auf Feld und Flur - „Nicht täuschen lassen darf man sich von...“

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Die Herbstzeit ist für ein Ehepaar aus Kottgeisering besonders aufregend. Wenn die Bauern ihre Felder abgeerntet haben, wird es für die beiden erst interessant.

  • Ein Ehepaar aus Kottgeisering hat ein spannendes gemeinsames Hobby: Die Bischofs sind erfahrene Feldbegeher.
  • In den vergangenen drei Jahren ist bei den Hobby-Archäologen eine Kiste voller Funde zusammengekommen.
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Kottgeisering – Die Herbstzeit ist immer besonders spannend für die Hobby-Archäologen Dorlis und Roman Bischof. Dann ziehen die beiden erfahrenen Feldbegeher aus Kottgeisering los und hoffen etwas zu finden, was zuletzt ein Mensch vor ein paar tausend Jahren in den Händen hielt.

Kottgeisering: Hobby-Archäologen auf den Feldern im Landkreis Fürstenfeldbruck unterwegs

Von normalen Spaziergängern unterscheiden sich die Bischofs komplett: Statt auf befestigten Wegen mit Blick auf das Alpenpanorama laufen die Feldbegeher – wie der Name schon sagt – querfeldein, haben die Augen immer am Boden und grundsätzlich total verdreckte Schuhe. „Wenn die Bauern wie jetzt ihre Felder abgeerntet und gepflügt haben, wird es interessant für uns“, berichtet Dorlis Bischof. So wie kürzlich auf einem Acker bei Eismerszell (Gemeinde Moorenweis).

Schauen, nicht graben oder kratzen - so die Devise des Ehepaares aus Kottgeisering

Schauen, nicht graben oder kratzen lautet die Devise – und eine Sonde wird erst recht nicht benutzt. Vorher muss auch der Grundbesitzer gefragt worden sein. „Wenn der Boden besonders hart ist, sollte der Frost die Brocken auflösen oder ein kräftiger Regen drübergegangen sein, dann spült es die Relikte menschlicher Besiedelung heraus“, erklärt ihr Mann Roman. Ein geübtes Auge und wie bei den Bischofs 15 Jahre Erfahrung lassen die Chancen steigen, etwas zu finden.

Für Artefakte aus der Römerzeit interessieren sich die beiden nicht so sehr, sie sind auf die Vor- und Frühgeschichte fokussiert und daher Mitglieder des gleichnamigen Arbeitskreises im Historischen Verein (HV) Fürstenfeldbruck. Je älter, desto besser also. Bis zur Mittleren Steinzeit reichen die Funde, die im Landkreis bisher ausgegraben wurden, auf dem Eismerszeller Acker immerhin bis zur Jungsteinzeit, also rund 5500 Jahre vor Christus.

Kottgeisering: Hobby-Archäologen sind auf Vor-und Frühgeschichte fokussiert

Verschiedene Feuersteine in flacher Form (Plattensilex) oder Radiolarite, ein rötliches Sedimentgestein aus dieser Gegend, waren diesmal die Ausbeute – aber keine Keramikscherben. Gängige Funde aus dem Landkreis sind immer wieder Pfeilspitzen, Steinbeile, Steinwerkzeuge, Kratzer, Bohrer, Klingen, sowie Scherben von keramischen Behältnissen wie Töpfen, Schalen und Becher.

„Nicht täuschen lassen darf man sich von farbigen Glasklunkern aus dem Kaugummi-Automaten, die vermutlich über den Misthaufen des Bauern auf das Feld gekommen sind“, sagt Roman Bischof. Andererseits könne ein winziges bläuliches Ringerl Teil einer antiken Perlenkette sein, die in der in Inning am Ammersee (Landkreis Starnberg) nachgewiesenen, prähistorischen Glaswerkstatt entstanden sein könnte.

Ehepaar aus Kottgeisering kategorisiert jeden archäologischen Fund in einem Ordner

Jeden Fund katalogisieren die Bischofs penibel in einem Ordner, in monatlichen Treffen (zumindest fanden diese vor der Corona-Pandemie statt) tauschen sie sich mit anderen Experten des Historischen Vereins aus. Freilich muss auch alles dem Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmalpflege, vorgelegt werden, das die Daten in den archäologischen Bayern-Atlas einspeist.

Der Fund bleibt aber in der Regel beim Finder, schon allein deswegen, weil das Amt nicht so viel Platz zur Aufbewahrung hätte. Bedeutendere Funde werden dagegen im Fürstenfeldbrucker Stadtmuseum ausgestellt oder werden ins In- und Ausland verliehen.

„Eine Kiste voller Funde ist in den vergangenen drei Jahren zusammengekommen“

„Eine Kiste voller Funde ist in den vergangenen drei Jahren zusammengekommen“, berichtet Dorlis Bischof, die bei der Feldsuche oft auch von ihrer 17-jährigen Enkelin Lena begleitet wird, „weil die das auch so spannend findet“. Oft würde man aber auch monatelang nichts finden.

Oder nicht das Erhoffte, wie bei der aufwändigen Grabung im vergangenen Sommer bei Jesenwang. „Hügelgräber bezeugen, dass hier Menschen sesshaft waren, insofern müsste auch noch viel da sein – aber man hat’s einfach noch nicht gefunden“, sagt Roman Bischof und hebt die Schultern. Der Trost: Oft seien Ergebnisse wichtiger als Funde.

Hobby-Archäologen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck: Ergebnisse oft wichtiger als Funde

Gelegentlich tragen Dorlis und Roman Bischof aber auch etwas auf den Acker zurück – oder zumindest auf den Weg daneben. Nämlich dann, wenn sich beim Waschen und der anschließenden, genaueren Untersuchung des Objekts daheim herausgestellt hat, dass das doch „nix ist“. Dann soll das Material wenigstens wieder da hin, wo es herkam.

Hinweis: Einen 40-minütigen Film über die Lehrgrabung des vergangenen Sommers in Jesenwang findet man im Internet auf www.historischer-verein-ffb.de.

Der Olchinger Hobby-Historiker Georg Gebhard trifft bei Nachforschungen in der eigenen Familiengeschichte auf eine besonders schillernde Gestalt – eine Heilerin.

(Von Max-Joseph Kronenbitter)

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