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Familie Bauer kennt sich mit Sonnenäckern schon bestens aus. Seit acht Jahren bewirtschaftet sie jedes Jahr eine halbe Bifang.  

Eine Erfolgsgeschichte 

Sonnenäcker beliebt wie noch nie

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Jubiläum bei den Kottgeiseringer Sonnenäckern: Was der damalige Bürgermeister und Landwirt Josef Drexler vor 25 Jahren begann, ist längst eine Erfolgsgeschichte. Von vier Idealisten wuchs die Zahl der Sonnenäckler heuer auf über 40 an. 

KottgeiseringVorsichtig legt die achtjährige Rosa mit zwei spitzen Fingern die Erbse in die Furche, die zuvor ihre Schwester Eva (12) mit der Pflanzschaufel in den grobkrumeligen Ackerboden gezogen hat. Den empfohlenen Pflanzabstand haben die beiden von der Samentüte abgelesen. Ihr dreijähriger Bruder Mathias sammelt inzwischen kleine Steine und lädt sie mit dem Bagger auf den Kipper seines Spielzeugtraktors. Seine Schwester Lilly (15) stopft die Steckzwiebeln in den Boden, die ihre Mutter Sabiha vom Fahrradkorb geholt hat. Gärtner-Teamwork bei Familie Bauer eben.

„Wir haben schon seit acht Jahren einen halben Bifang und sind immer noch begeistert“, erzählt Sabiha Bauer. Von Jahr zu Jahr wächst die Erfahrung und man lernt Neues – nicht zuletzt Dank des fachlichen Austausches mit den Nachbar-Gartlern. Weil die Pflanzerl meist zwölf-Stückweise verkauft werden, blüht auch der Tauschhandel. „Angebaut wird alles Mögliche – was man anpflanzt, wächst auch“, berichtet Sabiha Bauer, die es als ehemaliges „Londoner Stadtkind“ sehr genießt, am Rand des Ampermooses mit Blick auf die Berge zu garteln.

Dass es so gut wächst, ist sicher auch der Wasserpumpe zu verdanken, die Josef Drexler damals für seine Pächter installiert hat. Eine Besonderheit des Kottgeiseringer Sonnenackers, die in den zunehmend trockenen Sommern schon vielen das Ernteglück gerettet hat. Deswegen werden die Bifänge zu Beginn der Saison auch verlost, denn die an der Pumpe sind die begehrtesten. Das wissen die Bauer-Kinder ganz besonders: „Wir sind die Gießkannen-Schlepper, was natürlich nicht so toll ist“, hadert Lilly.

Freilich lernt man auch, was nicht so läuft: „Kartoffeln bauen wir nicht mehr an, denn das Absammeln und Zerquetschen der Käfer ist lästig“, sagt Sabiha Bauer. Sonnenblumen seien zwar schön anzuschauen, nehmen aber viel Platz und Sonne weg. Und U-Boot-große Zucchini seien eher Plage als Genuß und nur durch ständige Überwachung zu vermeiden.

Ganz exotische Pflanzen finden sich auf dem akurat gepflegten Bifang von Simon Kim. Kein Wunder, denn der 67-jährige Grafrather lässt sich den Samen aus seiner ehemaligen Heimat Südkorea schicken. Verschiedene Salate, koreanischer Rettich und Chinakohl werden nach der Ernte in Kimchi-Art mit Gewürzen eingelegt. „Ein traditionelles Verfahren, das keine Kühlung braucht“, erzählt Kim. Selbstgezogene Sesam-Blätter, Zupf-Salate, die sich ausgewachsen als Dekoration eignen, aber auch deutsches Gemüse landen schon seit fünf Jahren in seiner koreanisch geprägten Küche.

Fast ein Gärtner der ersten Stunde ist Kottgeiserings Bürgermeister Andreas Folger. Er hatte mit seiner Familie einen Bifang damals noch am Griesbründl von seinem Vor-Vorgänger, Altbürgermeister Josef Drexler, gepachtet. Bei normaler Ernte kann er sich mit vielen Produkten über den Winter hinweg ernähren.

„Es schmeckt alles schon deshalb, weil man weiß, woher es kommt und dass es nicht mit Pestiziden behandelt wurde“, so Folger. Rückblickend stellt er fest, dass ein Bifang auch einen „erzieherischen“ Effekt hat – denn im Garten seiner erwachsenen Kinder wächst jetzt auch viel Gemüse.

Josef Drexler hat den Sonnenacker mittlerweile an seinen Sohn Thomas übergeben – und der führt die Verpachtung fort. Wenn er die vielen Kinder auf dem Acker sieht, erinnert ihn das an seine ersten gärtnerischen Erfahrungen, die er mit seiner Oma gemacht hat.

„Ich freue mich, einen Beitrag leisten zu können, dass Kinder ein Gespür für den Wert gesunder Lebensmittel bekommen“, so Thomas Drexler. Nicht zuletzt würde das gemeinsame Garteln nicht nur Alt und Jung zusammenbringen, sondern auch verschiedene Gesellschaftsgruppen.

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