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Jetzt ist Konzentration gefragt: Barbara, Pascal und Constantin (M.) Engelbrechten probieren ein Kartenspiel aus. Anschließend wird die Bewertung für eine Internet-Plattform geschrieben.

Spieletester

Das Spiele-Haus von Kottgeisering

In Schränken, auf dem Esstisch, neben dem Sofa: Das Haus der Familie von Engelbrechten in Kottgeisering ist vollgestopft mit Gesellschaftspielen. Verlage aus der ganzen Welt haben sie den Engelbrechtens geschickt – denn die drei sind Spieletester.

Kottgeisering – Exakt 2611 Brett-, Würfel- und Kartenspiele hat die Familie in ihrem Haus gesammelt – Tendenz zunehmend. Denn jede Woche schleppen die Paketauslieferer neue Spiele ins Haus. Die Anmeldung beim Guinness-Buch der Rekorde ist bereits erfolgt, die Prüfung läuft.

War es vor gut 20 Jahren noch die pure Sammelleidenschaft, die Pascal von Engelbrechten dazu brachte, immer neue Spiele zu kaufen, schicken die Verlage ihre Produkte mittlerweile ungefragt der Familie nach Hause.

Über 200 Spieleverlage aus der ganzen Welt – die deutschen natürlich ohne Ausnahme – bitten Pascal, seine Frau Barbara und Sohn Constantin, die Spiele zu testen und eine Rezension ins Netz zu stellen. „Wir haben aber auch unsere Oma und einen großen Freundeskreis, die regelmäßig mit uns am Wochenende mehrere Stunden verschiedene Spiele spielen“, erzählt Pascal von Engelbrechten.

Etwas ernsthafter, sofern man das über Gesellschaftsspiele überhaupt sagen kann, geht es in den drei Spielegruppen zu, denen von Engelbrechten und seine Frau angehören. Da werden Spiele getestet und nach bestimmten Kriterien wie Spielidee, Spielwert, Verständlichkeit der Anleitung oder Wertigkeit der Ausstattung bewertet. Das Ergebnis stellen die Tester dann unter www.heimspiele.info/HP ins Netz.

„Die Idee auf dieser Plattform ist nicht nur die Bandbreite der Spiele vorzustellen, sondern auch über Neuigkeiten auf dem Spielemarkt zu informieren und Empfehlungen zu geben“, so von Engelbrechten, der gerne zugibt, immer noch ein „Spielkind“ zu sein.

Die Unabhängigkeit ist ihm und seinen Testkollegen dabei sehr wichtig, deswegen sparen sie gegebenenfalls auch nicht mit Kritik. „Oft passt die altersmäßige Empfehlung überhaupt nicht, oder die Spielanleitungen sind so schlecht, weil sich die Verlage wieder mal einen Lektor gespart haben“, sagt Barbara von Engelbrechten.

Wenn es an der Übersetzung hapert, gibt es auf der Website auch Hinweise für ratsuchende Spieler. Oft stellen sie später fest, dass die Verlage Fehler dann in einer neuen Auflage korrigieren.

Die Hälfte der Spiele, welche die Engelbrechtens ins Haus geliefert bekommen, sind noch gar nicht veröffentlicht. Der Karton ist provisorisch, die Anleitung nur fotokopiert, gelegentlich liegen auch ganz konkrete Fragen an die Profi-Tester bei.

Obwohl: Profis sind sie nur aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung, nicht weil sie dafür ein Honorar bekommen. Denn der Vater verdient sein Geld als selbstständiger Webdesigner, die Mutter als angestellte Vertriebskauffrau.

Zu den Testern gehört freilich auch Sohn Constantin, der im nächsten Jahr die Grundschule beendet. „Mein Lieblingsspiel ist das Oceanos, da kann man verschiedenfarbige U-Boote bauen, mit denen man dann auf Schatzsuche gehen muss“, so der junge Experte, der so viele Spiele kennen dürfte wie kaum ein anderes Kind seines Alters.

Manchmal nervt es ihn aber auch, wenn die Eltern schon wieder ein neues Spiel testen wollen – dann müssen sie es eben zu zweit spielen, während Constantin in seinen diversen Kisten Lego kramt. Oder er verkriecht sich in den Keller, wo sein Vater nebenbei auch noch exakt 5021 Filme für das Heimkino hortet.

Rund 40 Spiele gibt es monatlich neu auf dem Markt. Davon sei meist nur ein wirklich Neues mit einer tollen Idee dabei, sagen die Engelbrechtens. Viele sind Lizenzspiele zum Beispiel zu einem neuen Kinofilm. „Denen liegt ein bekanntes Spiel zugrunde, deswegen können sie sich meist nicht lange halten.“ Von Klassikern wie Monopoly oder die Siedler von Catan gibt es immer wieder Weiterentwicklungen und sei es nur die limitierte Auflage in der Holzkiste als Sonderedition.

Auch wenn der Spielemarkt rasant wächst und es in wenigen Wochen eine eigene Messe in Essen gibt: Die allermeisten spielen in einer eigenen (Fantasie-) Welt. Kaum ein Spiel hat reale politische, wirtschaftliche oder geschichtliche Hintergründe. Allenfalls amerikanische Kriegsspiele simulieren irgendwelche Schlachten der Weltkriege, die aber dann mit einer 300-seitigen Anleitung höchst aufwendig und nur etwas für Insider sind.

Asiaten lieben schrille, bunte Grafik-Spiele, in Deutschland seien eher partytaugliche Geschicklichkeitsspiele beliebt oder solche, die Strategie und Taktik erfordern, so Pascal von Engelbrechten. „Das Allerwichtigste ist aber, dass möglichst viele Generationen gesellig miteinander spielen.“

Von Max-Joseph Kronenbitter

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