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Lebten um 1077 vor Christus Menschen im Ampermoos? Diese Frage soll das Holz klären helfen.

Wichtiger Fund wird jetzt ausgestellt

Über 3000 Jahre altes Holz im Ampermoos entdeckt

Es ist nur ein Stück Holz – allerdings ein ganz Besonderes: Die im Ampermoos bei Kottgeisering gefundene Scheibe einer Eiche ist uralt. Mehr als 3000 Jahre schlummerte sie im Untergrund und wurde vom Moorboden perfekt konserviert.

Kottgeisering – „Ein Grundeigentümer hat das Holz schon vor Jahren bei Drainagearbeiten gefunden“, berichtet Fritz Aneder vom Historischen Verein Fürstenfeldbruck. Der Mann hob das uralte Stück zunächst bei sich zuhause auf. Nun kam über einen Bekannten der Kontakt zum Verein zustande.

Und bei den Historikern wurde man schnell hellhörig. „Wir suchen nach Beweisen, dass es im Ampermoos einmal Pfahlbauten gegeben hat“, sagt Aneder. Deshalb habe man das Stück Mooreiche genau untersucht - allerdings ohne das erhoffte Ergebnis. „Es sind keine Rückschlüsse auf Pfahlbauten möglich, da das Stück nicht erkennbar bearbeitet wurde“, sagt Aneder.

Etwas Besonderes ist der Fund dennoch. Denn bei einer sogenannten dendrochronologischen Untersuchung stellte sich heraus, dass ein Jahrtausende alter Zeitzeuge aufgetaucht ist. Das Fälldatum wird auf das Jahr 1077 vor Christus geschätzt – wobei auch der Begriff Fälldatum mit Vorsicht zu genießen ist. „Das heißt nicht, dass der Baum von Hand gefällt wurde, er könnte auch einem Sturm oder Blitzschlag zum Opfer gefallen sein“, sagt Aneder.

Ausgeschlossen ist es jedoch nicht, dass der Baum vielleicht doch von Menschen gerodet wurde. Denn zu dieser Zeit – der späten Bronzezeit – gab es bereits Siedlungen in der Region. Archäologische Funde von Urnengrabfeldern belegen dies. „Zum Beispiel ist eine Siedlung in Gernlinden nachgewiesen“, sagt Aneder. Die genaue Ursache, warum der Baum einst zu Boden ging, wird man jedoch nicht mehr klären können.

Klar ist aber, dass das Holz im feuchten Boden des Ampermooses perfekt konserviert wurde. Vor allem Eichenholz halte sich bei den Bedingungen, die im Moorboden herrschen, sehr lange, erläutert Aneder. „Es verfault nicht, und durch die Feuchtigkeit wird das Holz recht schwer.“ Das macht die Funde vor allem bei Messerschmieden sehr begehrt. „Das Holz eignet sich sehr gut für Griffe, weil es sehr fest ist und eine schwarze Färbung annimmt.“

Die Altersschätzung erfolgt laut Aneder unter Vorbehalt. „Es gibt kaum Vergleichsmöglichkeiten, weil solche Funde in unserer Region bislang sehr selten waren.“ Er hofft, dass noch weitere Menschen ein solches Stück Holz von der Öffentlichkeit unentdeckt bei sich aufbewahren und dem Verein für weitere Untersuchungen zur Verfügung stellen. Dass die Mooreiche aus Kottgeisering aber mehr als 3000 Jahre alt ist, daran bestehen kaum Zweifel.

Von Andreas Daschner

Zu sehen ist das Stück der Mooreiche aus dem Ampermoos derzeit im Brucker Stadtmuseum. Dort stellt es der Historische Verein bei den „Funden des Monats“ aus.

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