Christian Niederbichler, Gebietsbetreuer des Ampermooses, im Vogelturm in Kottgeisering.
+
Beste Aussichtsposition aufs Ampermoos: Christian Niederbichler im Vogelturm in Kottgeisering.

Wegen Corona-Pandemie

Naturschützer warnen: Zu viel los im Ampermoos

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
    schließen

Weniger Kornweihen, mehr Brachvögel – aber vor allem viel mehr Menschen. Der Gebietsbetreuer des Ampermooses, Christian Niederbichler, bilanziert ein durchwachsenes Jahr, in dem ihn die Auswirkungen der Corona-Pandemie schwer beschäftigt haben.

Kottgeisering – „Das Frühjahr und da vor allem die Osterferien waren richtig schlimm“, berichtet Niederbichler, der sich nun schon seit 23 Jahren um das Ramsargebiet Ammersee als ein vom Bayerischen Naturschutzfonds eingesetzter Gebietsbetreuer kümmert. Geplatzte Reisen infolge des ersten Lockdowns trieben die Leute zur Naherholung in Scharen in die Natur. „Die Unbedarftheit, mit der einige Leute bis weit in das Naturschutzgebiet vordringen und dort ihre Sportgeräte auspacken, ist schon frappierend“, sagt Niederbichler.

Dazu kam eine anfangs nicht glückliche Radlweg-Umleitung, die während der Baumaßnahme an der Amperbrücke in Stegen eingerichtet worden war. In der Folge strandeten viele Radlfahrer unfreiwillig im Ampermoos.

Einmal mehr sei deutlich geworden, dass bei einer derart großen Fläche – das Ramsargebiet Ammersee umfasst rund 7000 Hektar – die Gebietsbetreuer allein nicht ausreichend seien. Niederbichler zum Beispiel teilt sich eine Stelle mit der Biologin Jana Jokisch aus Dießen. „Sinnvoll wäre, hauptamtliche Naturschutzwächter, vergleichbar den Rangern in den Naturparken, einzusetzen“, findet der Diplomgeograph. Denn es geht immer mehr um das Reden, Informieren und Aufklären der Sportler und Spaziergänger.

Während auf der Amper das Bootfahren vor dem 15. Juli ein Problem ist, sind es am Ammersee die Stand-up-Paddler, die in den ufernahen Schilfflächen umherkurven und die Brutvögel stören. Niederbichler findet die Informationspolitik der Naturschutzbehörden im Internet und vor Ort mittels Schildern noch ausbaufähig.

Dass sich die Rücksicht auf die Natur nicht nur auf die Sommermonate beschränken sollte, sondern auch im Winter gilt, ist anhand der seltenen Gäste ablesbar, die derzeit schon am Nachmittag das Ampermoos anfliegen: die Kornweihen. Wie alle Weihen aus der Familie der Habichtartigen übernachtet dieser Greifvogel nämlich am Boden. Die Bestände schwanken in den Jahren stark (siehe Kasten), das beunruhigt Niederbichler noch nicht. Wohl aber Leute, die am Nachmittag, vielleicht auch noch mit einem frei laufenden Hund, im Moos unterwegs sind. Denn ab 15.30 Uhr schweben die seltenen Vögel zu ihren Schlafplätzen ein.

Dabei spricht freilich nichts gegen die Beobachtung dieses Naturereignisses, am besten mit einem Spektiv. „Der Naturbeobachtungsturm unweit der Bushaltestelle an der Kreuzackersiedlung bietet sich als ein hervorragender Aussichtspunkt an“, empfiehlt der Gebietsbetreuer. Das hätte sich mittlerweile auch in den einschlägigen Foren der Ornithologen herumgesprochen. Dazu käme, dass die Kulisse des Ammersees und die dahinter liegenden Berge in der untergehenden Wintersonne ein eindrucksvolles Schauspiel aufführen.

Ebenso ein wichtiger Teil der Bilanz: Die Mahd der Niedermoor-Streuwiesen ist mittlerweile abgeschlossen. An die 150 Hektar werden unter Niederbichlers Regie vom Landschaftspflegeverband im Spätherbst gemäht. Die Flächen ändern sich ständig – zum einen, um die Verbuschung des Ampermooses zu verhindern, zum anderen, um (anhand der Schneidried-Wuchshöhen) unterschiedliche Lebensräume für unterschiedliche Ansprüche zu schaffen.

Das Niederhalten der Schwarzwild-Population im Ampermoos ist ein Anliegen, dessentwegen sich Niederbichler intensiv mit den Kottgeiseringer Jägern Peter Legler und Melanie Althans austauscht. Denn abgesehen von der Schweinepest-Gefahr gerieren sich die Wildschweine ziemlich räuberisch, wenn sie des Nachts im Moos umherstreunen und alles aufschrecken, was am Boden lebt oder, wie der Brachvogel, gar brütet.

Einem möglichen Schneefall sieht der Gebietsbetreuer mit gemischten Gefühlen entgegen. Schneit es viel und zudem ohne Wind, ziehen die Kornweihen weiter Richtung Süden, weil sie nichts mehr zu fressen finden. Andererseits verbessert Schnee, möglichst mit Vollmond, das Büchsenlicht für die Wildschweinjagd. Egal wie das Wetter wird, eines ist sicher: „Das Geballer an Silvester fällt dank Corona in diesem Jahr weitestgehend aus – und das ist eine gute Nachricht für die Natur“, findet Christian Niederbichler.

Mehr Nachrichten aus Kottgeisering lesen Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare