Der Nachwuchs (unten) lugt über den Nestrand: Weil die Kamera hinter dem nur schwer zu öffnenden Dachbodenfenster steht, sind die Fotos durch die Scheibe entstanden und deswegen nicht scharf. tb-Foto: Dieter Eder „Wenn der einenNamen hat und –warum auch immer – doch nicht überlebt, wird es zu emotional.“Dieter Eder

In Kottgeisering

Nachwuchs wird von Eltern gut versorgt: Junger Storch ist bald flügge

Dem einzigen Storchennachwuchs im Landkreis geht es gut. Immerhin ein Junges hat die ersten fünf Wochen voll Sturm, Gewitter und Regen, aber auch mit viel Hitze auf dem Schlauchturm der Kottgeiseringer Feuerwehr überstanden.

Kottgeisering„Oft steht der Kleine, der schon schwarze Flügelspitzen hat, aufrecht im Horst und wartet auf Nachschub“, berichtet Dieter Eder, der nebenan wohnt und die Vögel beobachtet. Die Eltern seien emsig damit beschäftigt, Futter für das Junge herzuschaffen. Weil „das Kind“ schon so groß sei, dass man es auch mal alleine im Nest lassen kann, sind beide Eltern unterwegs und spechten auf dem umliegenden, am besten frisch gemähten Wiesen nach Nahrung. „Die gibt es bevorzugt in Form von Mäusen“, berichtet Eder dem Tagblatt.

Sein Dachboden-Fenster ist fast auf gleicher Höhe wie der Horst. Daher kann Eder die Fütterung gut beobachten. „Aus seinem Schlund würgt der Storch die Maus direkt in den Hals des Nachwuchses – und der ist schon so groß, dass die Maus ohne viel Gewürge am Stück verspeist wird.“ Dass von dem aus vier Eiern bestehenden Gelege nurmehr ein Vogel übrig ist (einer wurde tot gefunden, was mit den beiden anderen ist, weiß keiner), hat aber den Vorteil, dass dieser bestmöglich versorgt wird, weil er das Fressen nicht mit Geschwistern teilen muss.

Jetzt ist es extrem wichtig, dass das Junge Kräfte sammelt für seine ersten Flugversuche. „Denn der Bus in Richtung Süden fährt bald ab“, wie es Eder salopp formuliert. Mitte August ziehen die ersten Störche los. Eder rechnet damit, dass es mindestens noch drei Wochen dauert bis zum ersten Flugversuch – obwohl der Nachwuchs immer wieder mal mit seinen kleinen Flügeln schlägt und auch schon sein Gefieder pflegt. Eigentlich sei das Storchenpaar vier Wochen zu spät dran mit Nachwuchs. Nach langen Horstinspektionen und Brautschau hatte Eder fast nicht mehr mit dem Brüten gerechnet. Wohin es die neue Familie zum Überwintern verschlägt, ist offen. Ob etwas über das bisherige Leben der Eltern bekannt ist, kann man nicht sagen, weil nicht sichtbar ist, ob die Eltern einen Registrierungs-Ring tragen.

Dieter Eder denkt schon an das nächste Jahr und sucht derzeit einen Standort für einen weiteren Horst. Denn der auf dem First eines Stadels südlich des Dorfes taugt nicht. Der Storch sei ein Kulturfolger, deswegen müsse im Dorf etwas gefunden werden.

Inzwischen drückt die ganze Familie Eder aber dem lieb gewonnenen „Klapp-Klapp“, wie Enkelin Nina die Vögel nennt, die Daumen. Einen konkreten Namen geben will Eder dem Mini-Storch jedoch nicht. „Wenn der einen Namen hat und – warum auch immer – doch nicht überlebt, wird es zu emotional“, findet er.

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