In Kottgeisering

Proteststürme auf der Johannishöhe

Ein erster Vorentwurf für den Straßenausbau der Johannishöhe liegt auf dem Tisch. Der sieht einen Gehweg auf ganzer Länge und eine fünf Meter breite Straße vor. Im Kottgeiseringer Gemeinderat gab es viele Fragen und von den Anliegern heftigen Protest.

Kottgeisering Die Ausbaugegner, die durch die Straßenplanungen den naturnahen Charakter der Johannishöhe bedroht sehen, hatten im Vorfeld getrommelt. Telefonate, Briefe und Mails an die Gemeinderäte geschickt, eine Bürgerinitiative gegründet, mit der Kommunalaufsicht des Landratsamtes gesprochen und nicht nur die Anlieger mit Flyern auf diesen Tagesordnungspunkt in der jüngsten Gemeinderatssitzung hingewiesen. Demzufolge füllten mehr als 40 Zuhörer den Sitzungssaal und sorgten mit Beifallsbekundungen – vorwiegend für Beate Schamberger (Freie Wähler) –, aber auch mit Zwischenrufen wie „Schwachsinn“ oder „Unsinn“ zu Wortbeiträgen von Gemeinderäten für eine gereizte Stimmung.

Zur aktuellen Viertelstunde hatte Wulf Noack, der Sprecher der Bürgerinitiative, betont, dass es auch um viel Geld gehe. „Alle Einwohner sind entschlossen, gegen Bescheide nach der 90:10 Regelung zu klagen, sie werden nicht danach abrechnen können.“ Gleichzeitig unterstrich er den Konsenswillen der BI und bot eine konstruktive Mitwirkung an.

Bürgermeisterin Sandra Meissner (BV) verteidigte das Vorgehen der Gemeinde, sich für eine Entscheidung in der Ausbaufrage zuerst Fakten und einen Vorentwurf durch ein Ingenieurbüro vortragen zu lassen. „Wir werden heute keine Entscheidung über den Ausbau treffen“, sagte sie und betonte gleichzeitig, dass das Vorgehen von der Kommunalaufsicht bisher nicht beanstandet wurde und die Gemeinde womöglich in die Haftung käme, wenn der Ausbau nicht erfolge.

Bauingenieur Frank Schlesier stellte die Planung für das 800 Meter lange Teilstück der Johannishöhe vor. An den 1,50 Meter breiten Gehweg, der auf der Seite der überwiegenden Bebauung geführt wird, schließt sich die fünf Meter breite Straße an, die überwiegend in den angrenzenden Wald entwässert werden soll. Damit wäre sogar ein Begegnungsverkehr möglich, wenn irgendwann einmal ein Bus diese Straße bedient. Einigen Gemeinderäten war die Dimensionierung zu heftig. „Schmalere Abschnitte müssten alle 50 Meter von Ausweichbuchten unterbrochen werden“, wandte der Ingenieur ein. Weil dann aber nicht mehr auf einen Bordstein verzichtet werden könnte, wäre der Einspareffekt weitgehend hinfällig.

Gabi Golling (Grüne) brachte erneut das Thema Spritzdecke zur Sprache, die zu finanzieren sich die anwesenden Anwohner spontan bereit erklärten. „Eine solche ist wenig dauerhaft, nicht umlagefähig und deswegen problematisch, weil die Entwässerung nicht ordnungegemäß herzustellen ist“, entgegnete Meissner.

Nicht abschließend geklärt werden konnte, ob der Ausbau ganz ohne Grunderwerb bei den Anwohnern auskäme. Einige Teilstücke müssten auf der anderen Straßenseite vom Staatsforst erworben werden. Zu den überschlagenen Nettokosten von 770 000 Euro käme nochmal in etwa derselbe Betrag für die Erneuerung der Wasserleitung, die dann in diesem Zusammenhang erneuert werden sollte. „Ich bezweifle, dass wir das finanzieren können“, sagte Maria Klotz (BV).

Einstimmig wurde im Gemeinderat beschlossen, eine Variante zu fordern, in der weitestgehend auf den Gehweg verzichtet wird. Die Straßenbreite soll, wo möglich verengt werden, um den „naturnahen Charakter“ zu erhalten. Meissner versprach, nach einer erneuten Behandlung im Gremium eine Anliegerversammlung durchzuführen. (mjk)

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