Dieser Bifang, ein schmales Ackerbeet, gehört uns: Simone Frey und Tochter Ida (17) an ihrem Sonnenacker in Kottgeisering.
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Dieser Bifang, ein schmales Ackerbeet, gehört uns: Simone Frey und Tochter Ida (17) an ihrem Sonnenacker in Kottgeisering.

Kottgeisering

Jetzt startet die Arbeit auf dem Feld

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Die Pandemie dauert an, Reisen und Freizeitgestaltung bleiben eingeschränkt. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, warum Flächen am Sonnenacker gefragter denn je sind. Das Tagblatt begleitet heuer Simone Frey und berichtet in einer Serie über Gärtnerfleiß und Erntefreuden, aber auch über den Ärger mit Unkraut und Schnecken.

Kottgeisering – Christine Andermann von der Solidargemeinschaft Brucker Land hat heuer nach 2020 erneut eine Rekordzahl an Bifang-Pächtern verbucht. Bifang ist eine altdeutsche Bezeichnung für ein schmales Ackerbeet. Der größte unter den zehn Sonnenäckern des Landkreises liegt idyllisch am Rande des Ampermooses in Kottgeisering. Und dort, am Sonnenacker, ackert Simone Frey.

Die 47-jährige Kunstmalerin mit Magisterabschluss in Kunstgeschichte gartelt das zwölfte Jahr auf dem Kottgeiseringer Sonnenacker. Mit ihrem Mann Günter und den drei Kindern Veit (23), Ida (17) und Ignaz (9) wohnt die Graf-ratherin auf der anderen Seite der Amper in der Rassosiedlung und kann mit dem Fernglas auf ihren Bifang schauen. Für die Arbeiten auf dem Acker spannt sie die beiden jüngeren Kinder auch ein – zum Ansäen, Gießen, Unkrautzupfen und Kartoffelkäfersammeln. „Gärtnern ist Entspannung pur, und man kriegt Gemüse, das man sonst nicht kaufen kann“, ist ihr Credo.

Im zwölften Jahr gartelt die 47-Jährige dort. Vor über 25 Jahren startete das Projekt im Landkreis, als Josef Drexler das erste Feld an die Solidargemeinschaft Brucker Land übergab. Bei der Übergabe an Pächter waren Thomas Drexler und Christine Andermann dabei.

Bald braucht sie gesunden Nachschub. Denn die große Waschmaschinentrommel, die Simone Frey in ihrem Grafrather Garten vergraben hat, ist praktisch leer. Nur ein einziger schwarzer Rettich liegt noch drin – der aber nicht gegessen werden kann, weil sich darunter drei Molche ihr Winterquartier eingerichtet haben. Den Rettich und viele andere Produkte ihres gärtnerischen Schaffens auf dem Kottgeiseringer Sonnenacker hat Frey im vergangenen Herbst in der Trommel gebunkert. „Was das Wintergemüse angeht, kommen wir damit bis in den April“, berichtet sie. Höchste Zeit also, jetzt in die neue Gärtnersaison zu starten.

Die Anmeldung für ihre zwei Bifänge hatte Simone Frey schon längst bei Christine Andermann von Brucker Land abgegeben. Strategisch geschickt meldete sich nur eine der drei Freundinnen für insgesamt acht Bifänge an. Kostenpunkt 60 Euro pro Bifang (100 Meter). „Damit haben wir sichergestellt, dass wir nebeneinander liegen“, erklärt die Gärtnerin. Denn Bifang-Nachbarn, die es mit dem Unkrautzupfen nicht zu genau nehmen, können einem schon mal die Entspannung rauben.

„Das lange Jahre traditionelle Auslosen der genauen Bifang-Standorte unter den Pächtern muss wegen Corona auch heuer wieder entfallen“, berichtet der Kottgeiseringer Altbürgermeister Josef Drexler, der vor über 25 Jahren den ersten Sonnenacker an Brucker Land verpachtet hatte. Der Auflauf der Pächter war immer gewaltig, weil danach geratscht wurde. Nun musste die Einteilung erneut am Bürotisch vorgenommen werden. Wünsche wurden soweit wie möglich berücksichtigt. „Nah an der Wasserpumpe wollen alle sein – und am Rand keiner“, fasst die Sonnenacker-Beauftragte die Wünsche zusammen.

Zum Ausstecken der Bifänge ist Drexlers Sohn Thomas mitgekommen. Er drischt mit beherzten Hammerschlägen die mit den Pächternamen bezeichneten Bretter in den Boden. 43 Hauptpächter, die sich teilweise einen Bifang mit anderen teilen, haben sich heuer für Kottgeisering angemeldet. Josef Drexler musste von einem Unternehmer 93 Reihen in den krümeligen Ackerboden ziehen lassen – so viele wie noch nie. Ein paar ausgefranste Rundballen mit Heu begrenzten den Platz. Die Kinder freuen sich über die Heuballen – für sie ein Spielplatz.

Zwölf der Pächter sind absolute Neulinge. Andermann hatte ihnen empfohlen, mit einem halben Bifang anzufangen. Denn: „Gärtnern ist mitunter Arbeit, und beim Unkraut muss man dran bleiben, sonst verliert man“.

Zu den Anfängern zählt Simone Frey längst nicht mehr. Als Erste hat sie die Lage ihres Bifangs sondiert und ist zufrieden. Heuer will Tochter Ida verstärkt mitarbeiten. Erste Werkzeuge und vor allem ein selbstgemaltes Schild haben Mutter und Tochter schon mitgebracht. Der erste Schritt am Sonnenacker, die Übernahme des Bifangs, ist getan. Nun kann es losgehen.

Neue Serie

In loser Folge berichtet das Brucker Tagblatt, wie es Simone Frey und ihrer Familie mit dem Bifang geht: Was ist zu tun? Wie viel wird geerntet? Gibt es Probleme?

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