St. Valentin

Die wechselvolle Geschichte eines Kreuzes

An keinem anderen Tag im Kirchenjahr steht das Kruzifix mehr im Fokus als am Karfreitag. In Kottgeisering – genauer: in und an der Kirche St. Valentin – spielt passend dazu eine ganz besondere Geschichte um ein großes Holzkreuz und den Korpus Christi.

KottgeiseringIn einigen Kirchen war das Kreuz in den vergangenen Wochen der Fastenzeit mit einem lila Tuch verhüllt. Im Rahmen der Karfreitagsliturgie wird das Kreuz mit dem Korpus Christi, begleitet von einzelnen Gebeten, schrittweise enthüllt. Die Kreuzverehrung durch die Gläubigen mit einer Kniebeuge, Kuss oder einer mitgebrachten Blume schließt sich an. Doch die wenigsten Gläubigen werden dabei darüber nachdenken, woher das Kreuz kommt.

Das große Kruzifix der Kottgeiseringer Pfarrkirche St. Valentin hat eine wechselvolle Geschichte. Lange Jahre hing es außen an der Südfassade der Kirche. Vermutlich in den 1970er-Jahren wurde es abgehängt. Wann genau und warum – darüber rätseln sogar alteingesessene Kottgeiseringer.

Die Aussage, dass das Kruzifix dann an die nördliche Innenwand der Kirche gehängt wurde, bewahrheitet sich bei genauerem Hinsehen nicht: Das dort hängende Kreuz ist nicht das, das früher die Außenwand geziert hatte. Obwohl das bis heute an der nördlichen Innenwand platzierte Kruzifix sicher nicht genau dafür angefertigt wurde: Denn der Platz zwischen den beiden Fenstern ist so eng, dass die Enden des Querholzes in den Fensterausschnitt ragen. Was mit dem Holzkreuz geschehen ist, ist unklar.

Der Mesner Hermann Entholzner kann zumindest den Verbleib des Korpus erklären: „Jahrzehntelang lag der im Speicher des Leichenhauses, bis wir ihn zwischen den vielen Teilen des heiligen Grabes gefunden haben“, erzählt Entholzner. Aufgefallen war der Korpus dort nicht, weil auch das heilige Grab erst vor einigen Jahren nach jahrzehntelanger Pause wieder aufgestellt worden war.

„Das ungeheure Gewicht des Korpus deutet darauf hin, dass beim Metallguss viel Blei verwendet wurde“, berichtet der Mesner. Ein Fachmann schließe daraus, dass es sich um ein sehr altes Herstellungsverfahren handle.

Vor gut zehn Jahren ist der Korpus dann wieder zu neuen Ehren gekommen. Ein Schreiner hatte ein Holzkreuz passend zum Korpus gefertigt. Dieses wurde dann am neuen Teil des alten Friedhofs aufgestellt.

Bleibt die Frage nach der Herkunft des überdimensionalen Kruzifix’ im Inneren der Kirche. Oskar Ostermeir sen. schließt nicht aus, dass es sich um ein so genanntes Missionskreuz handelt. Ein solches stand im Mittelpunkt der Missionen, die früher regelmäßig eine Woche lang in den Pfarreien durchgeführt worden waren. „Zu uns kamen meist Redemptoristenpater, die als Externe neuen Schwung in unser Glaubensleben gebracht haben“, erinnert sich Ostermeir. Diese „Missionäre“ konnten die Leute viel eindringlicher motivieren als der jeweilige Ortspfarrer, den man jeden Sonntag predigen hörte.

Noch heute hat Oskar Ostermeir die kleinen Missionszettel, auf denen neben einem Bild die christliche Lebensordnung abgedruckt war. Sein ältestes Exemplar datiert vom 10. November 1946 – als Ostermeir noch ein Bub war. (mjk)

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