Ein Blumenstrauß für Zuhause: Auf Simone Freys Bifang in Kottgeisering blüht es kunterbunt. Da wird auch mal Nicht-Essbares geerntet.
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Ein Blumenstrauß für Zuhause: Auf Simone Freys Bifang in Kottgeisering blüht es kunterbunt. Da wird auch mal Nicht-Essbares geerntet.

Kottgeisering

Zur Erntezeit wird es richtig bunt

  • VonMax-Joseph Kronenbitter
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In der ersten Hälfte des Sonnenacker-Sommers drehte sich vieles um den beschwerlichen Teil: der Kampf gegen die Schnecken und das Unkraut. Nun kann Familie Frey endlich die Früchte ihrer Arbeit ernten. Die Tomaten bieten heuer jedoch eher ein Trauerspiel.

Kottgeisering – In der zweiten Hälfte des Sonnenacker-Sommers überwiegt das Ernteglück. „Gurken, Gelbe Rüben und Kürbis gehen gut heuer“, sagt Simone Frey. Mit Rettich, Weiß- und Blaukraut ist sie ebenfalls zufrieden.

Etwas hat der feuchte Sommer allerdings gekillt: die Tomaten. Die hat die Sonnenacklerin vor einiger Zeit ausgerissen. Nur wer sie unter einem Dach angebaut und so vor dem vielen Regen geschützt hatte, kann ein paar ernten. Auch die von ihr so geliebten Zucchini wachsen erst richtig gut, wenn es wärmer ist. Neben der weißblütigen Zucca (eine Kürbis-Züchtung) hat Frey heuer wohlschmeckende Ronchini angebaut, die wie etwas rundlichere Zucchini ausschauen.

Trotz nasskaltem August: Zu ernten gibt es in diesen Tagen immer etwas. Und wenn Frey mal nichts Essbares in ihr Lastenfahrrad packt und damit nach Grafrath heimfährt, nimmt sie sich einen Blumenstrauß mit.

Auf ihrem Bifang blüht es bombastisch. Ein riesiger Malven-Stock mit rosa Blüten verrät schon aus der Ferne, wo die Freys ackern. Rosa ist die Lieblingsfarbe der Hobby-Gärtnerin. Es gibt noch rosa Cosmeen und eine rosa Dahlie, die Frey von einer Kottgeiseringer Bäuerin geschenkt bekam.

Die dunkel-violette Blüte des Sonnenhuts geht farblich in den eher bläulich türkisen Drachenkopf über. Während Ringelblumen, aus denen die Grafratherin eine Calendula-Creme mit Bio-Olivenöl selbst herstellt, und Kamille, deren Blüte sie für Tee trocknet, sich von selbst aussamen, hatte sie bei den Sonnenblumen etwas nachgeholfen. „Trotzdem blühen die heuer nicht so üppig.“

Bunt wird es auch beim Gemüse: Die Kartoffelsorten werden meist nach der Blütenfarbe ausgewählt. Gut vertreten ist außerdem die Melde („spanischer Spinat“) – wegen des Geschmacks, aber auch wegen der rötlichen Farbe des Fuchsschwanzgewächses. Apropos rot: am Wichtigsten ist für Simone Frey der Mohn. Von dessen kräftiger Farbe lässt sich die Kunstmalerin mit Magisterabschluss in Kunstgeschichte inspirieren. Sie malt gerne großformatige Ölbilder mit abstrakten (Mohn-)Blumenmotiven. „Mit der Staffelei sitze ich aber eher selten auf dem Sonnenacker“, lacht die Künstlerin.

Stattdessen fotografiert sie ihre gärtnerischen Erfolge und arbeitet dann in ihrem Atelier mit den Fotos. Oder eben mit einem Blumenstrauß, den sie frisch vom Acker mitgebracht hat. Ihre Werke zeigt sie auch im Internet auf www.simone-frey.de.

Bei allen Freuden, ein Problem begleitet die erfahrene Gärtnerin weiterhin: „Die Schnecken sind nach wie vor schlimm. Sie fressen heuer, was sie sonst noch nie gefressen haben, sogar Zwiebeln.“ Aber immerhin können sie keinen Totalschaden mehr anrichten, wie noch zu Beginn des Gartenjahres, als die Pflanzen klein und zart waren. Trockenheit ist heuer dafür kein Thema. Während man noch in den vorhergehenden Sommern gut beraten war, zeitig am Tag zu kommen, weil es da noch Wasser in dem Brunnen gab, steht der Pumpschwengel in diesem Jahr etwas verwaist zwischen hohem Gras.

Und mit dem Unkraut hat sich Simone Frey ganz pragmatisch arrangiert: „Einmal ausgerissen bleibt es liegen, weil es den Boden bedeckt und die Feuchtigkeit hält.“ Außerdem würde dann nicht mehr soviel Matsch an den Stiefeln pappen.

So konnte sich die Familie in den Sommerferien eine Woche Urlaub in Mittenwald gönnen. „Sowas ist in den Pfingstferien nicht drin, weil man dann leicht den Kampf gegen das Unkraut verliert.“ Sie blickt um sich und schiebt trocken nach: „Das sieht man ja an einigen Nachbar-Bifängen“. Tatsächlich: Vereinzelt haben deren Pächter aufgegeben oder sich schlicht übernommen. Vor lauter Unkraut ist nichts Erntefähiges mehr zu entdecken.

Die Serie

Beim Projekt „Sonnenacker der Solidargemeinschaft Brucker Land“ werden Bifänge, also schmale Ackerbeete, an Bürger verpachtet. Zehn-Sonnenacker gibt es im Landkreis, der größte liegt in Kottgeisering. In loser Folge berichtet das Brucker Tagblatt, wie es Simone Frey und ihrer Familie mit ihrem Bifang geht.

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