Am Münchner Berg

Ein Krater für die Erdbebenforscher

Fürstenfeldbruck – Die Brucker Erdbebenforscher bohren bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit meist dicke Bretter. Jetzt graben sie auch noch tiefe Löcher – und starten damit ein wohl weltweit einzigartiges Pilotprojekt.

Am Institut unweit der B 2 ist ein riesiger Krater zu sehen. In ihm soll eine auf Lasertechnik basierende Versuchsanordnung versenkt werden. Sie soll auch Erkenntnisse über die Auswirkungen von Erdbeben geben – und zwar in neuer, vielleicht bislang vernachlässigter Form, wie Joachim Wassermann vom Institut erzählt. Stichwort: Rotation. Letztlich könnten die Ergebnisse auch Auswirkungen auf die Bauart von Häusern haben. Wenn bei Erdbeben Drehungen auftreten, könnte man Gebäude künftig darauf abstimmen und damit sicherer machen.

Vom Standort am Waldrand über dem Münchner Berg können die Erdbebenforscher mit ihren Geräten auch Fernbeben messen. Das tun sie seit Jahren. Dass es bei Erdbeben auch Drehbewegungen geben könnte, sei zwar immer wieder diskutiert worden, sagt Wassermann. Es wurde aber nie so gründlich erforscht, wie es jetzt beim Millionen-Projekt in Bruck geschehen soll. „Das alles klingt kompliziert“, sagt Wassermann. „Und das ist es auch“, schmunzelt er.

Millimetergenaue Aushubarbeiten

Im Moment sind noch die Bagger zugange. Die Bauarbeiter müssen den 14 Meter tiefen Krater millimetergenau ausheben. Seine Form muss man sich vorstellen wie einen nach unten gedrehten Sunkist-Getränkebeutel, sagt Wassermann. Also ein Tetraeder nach unten.

In den Krater wird der Groß-Ring-Laser mit einer Kantenlänge von zwölf Metern eingebaut. An den Ecken sitzen Spiegel. Sie werden über Schächte zugänglich sein. Vom Prinzip her sei die Anlage Geräten vergleichbar, die in größeren Flugzeugen die Lage eines Objekts im Raum genau bestimmten. Der Brucker Ring-Laser wird nur wesentlich genauer sein. Er stellt weltweit den ersten Versuch dieser Art dar, sagt Wassermann.

Wichtig für das GPS-Signal

Dabei handele es sich um Grundlagenforschung – das Ergebnis ist völlig offen. Auf der Agenda der Forscher steht bei dem Projekt auch die Erforschung der genauen Lage der Erdachse im Weltraum. Sie genau festzustellen, sei schwierig, sagt Wassermann, auch wenn man das vielleicht nicht glauben mag. Dabei sind diese Erkenntnisse wichtig für das GPS-System. Außerdem geht es um die Frage, inwieweit rotierende Masse den Raum mit sich zieht und die Raumzeit verdrillt – kurz gesagt: Einstein wird am Münchner Berg gecheckt.

In Bruck findet das Experiment statt, weil es hier eben das geophysikalische Observatorium gebe, sagt Wassermann – und weil das mehrköpfige Team vor Ort ist. „So ein Prototyp braucht viel Betätschelung.“ Wenn die Versuche im Juli starten, wird man von der Anlage nichts mehr sehen. Sie ist unterirdisch, um Einflüsse von außen, etwa durch Wind, so gut wie möglich zu minimieren.

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