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»Amperfreunde« erstellen Konzepte zur Pflege der Amperdämme und zur Fischvielfalt 

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Von: Maximilian Geiger

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Präsentierten ihre Konzepte (von links): Michael Heimrath, Christian Götz, Thomas Brückner und Jan Halbauer.
Präsentierten ihre Konzepte (von links): Michael Heimrath, Christian Götz, Thomas Brückner und Jan Halbauer. © Geiger

Fürstenfeldbruck – Artenvielfalt und Artenschutz sind viel besprochene Themen in den letzten Jahren, sei es durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, Debatten über artgerechte Tierhaltung oder Aktionen von Tierrechts- und Umweltschutzorganisationen wie PETA oder WWF.

„Doch was unter dem Wasser passiert, sieht niemand“, bemängelt Christian Götz, Diplom-Biologe, Brucker Stadtrat und Aufsichtsratmitglied der Stadtwerke. „Auch Fische sind Bestandteil des ökologischen Systems.“ Dennoch nehme die Artenvielfalt der Fische im Bereich der Stadt stetig ab.

Um diesem Trend entgegen zu wirken, aber auch um die Pflege der Amperdämme zu verbessern, haben sich der Fischereiverein Fürstenfeldbruck und der Bund Naturschutz Fürstenfeldbruck zu den „Amperfreunden“ zusammengeschlossen. „Denn gemeinsam sind wir stärker“, erklärt Thomas Brückner, Ortsvorsitzender Bund Naturschutz FFB und Emmering und Brucker Stadtrat. Gemeinsam haben die beiden Vereine zwei Konzepte erarbeitet, um ihre Anliegen voranzubringen.

„Oberstes Ziel ist neben der Sicherheit des Dammbauwerkes der Erhalt der Artenvielfalt von Fauna und Flora und eine sommerliche Blütenpracht für das Auge der Naherholung suchenden Spaziergänger auf beiden Seiten des Dammes“, macht Brückner klar.

„Amperfreunde“ für ein Mulchverbot

So sollte ein Mulchverbot ausgesprochen werden und stattdessen gemäht werden, denn beim Mulchen werde ein Kreiselmäher benutzt, „der alles klein haut“, so Brückner. „Auch Insekten.“ Zudem bleibe beim Mulchen das Mähgut liegen und ersticke den nachfolgenden Aufwuchs. Durch die daraus resultierende, fehlende Beschattung werde der Uferbereich unangemessen aufgeheizt, sodass Fische kleiner und mittlerer Größenklassen dort nicht mehr anzutreffen seien. Auch gäbe es für die Fische keinen Schutzraum mehr vor natürlichen Feinden wie Vögeln oder anderen Fischen.

Um dem entgegen zu wirken, schlagen die Amperfreunde konkrete Maßnahmen wie die Reduzierung der Mähgänge auf einmal pro Jahr vor und plädieren für eine Streifenmahd. Hierbei bleiben etwas 30 Prozent der zu mähenden Flächen stehen, sodass sie als Refugium für Insekten und Kleintiere dienen können. „Diese Vorgehensweise reicht aus, um einer Verbuschung der Dämme vorzubeugen“, erklärt Brückner. Eventuelle Schäden am Damm durch Biber könnten dennoch rechtzeitig erkannt werden. Auch eine Beeinträchtigung der Fließgeschwindigkeit sei ausgeschlossen. Auch geeignetes Mähgerät und Saatgut empfiehlt der Bund Naturschutz im gemeinsamen Konzept.

„Polizeibadarm“

Ein weiterer Punkt sei der Ampernebenarm beim Kloster Fürstenfeld, der zum sogenannten, ehemaligen „Polizeibad“ führt, berichtet Michael Heimrath, Zweiter Vorstand des Fischereivereins. 1988 sei der Arm noch durch eine Holzschleuse mit hoher „Leckage“ gespeist worden. Bis zur Jahrtausendwende wurden hier umgestürzte Bäume entfernt und die Wassertiefe von mehr als zwei Meter durch regelmäßiges Spülen erhalten. Die dortigen Seerosen und Wasserpflanzen stellten damals ideale Laich- und Schutzbedingungen sicher. Laut einem Beschluss der Unteren Naturschutzbehörde von 1988 sollte der Polizeibadarm in diesem Zustand erhalten werden. Doch die heutzutage dichte Schleuse und zahllose, umgefallene Bäume reduzieren die Fließgeschwindigkeit, kritisiert Heimrath. Dadurch verschlamme der Arm, sodass eine Artenvielfalt nicht mehr gegeben sei.

Als helfende Maßnahmen nennen Heimrath und Götz die Entfernung der umgefallenen Bäume. Zudem sollte die Schleuse zunächst für zwei Tage geöffnet werden, um den Arm durchzuspülen, danach sollte sie permanent ein Stück geöffnet bleiben, um einen kontinuierlichen Durchfluss zu gewährleisten. „Die Durchgängigkeit der Öffnung sollte regelmäßig durch die Stadt Fürstenfeldbruck kontrolliert und die vereinbarte Wassermenge sichergestellt werden“, erhofft sich Heimrath.

Nasenbach

Als dritten Problembereich nennen die Amperfreunde den Nasenbach. Dieser sei bis zum Einbau einer dichten Schleuse am Ende des Amperbades und der für die Fische undurchlässigen „Katarakte“ – künstlich gebildete Stromschnellen – ein wertiger Lebensraum für diverse Fischarten gewesen. Heutzutage trockne der Nasenbach bei Niedrigwasser jedoch aus. In Folge dessen sei die Fischtreppe nicht mehr an die Amper angeschlossen. Bei geöffneter Schleuse und Hochwasser hingegen biete die Topographie des Gewässers zudem keinen Schutz für die Tiere.

Als Maßnahme schlagen die Amperfreunde deshalb vor, die Katarakte und die Bereiche zwischen ihnen so zu bauen, dass das Wasser auch bei niedrigem Stand bis zur Fischtreppe fließen und Lebensraum für die Fische bieten könne.

Trotz all ihrer Vorschläge wissen die Amperfreunde, dass die Stadtwerke nicht verpflichtet sind, die Maßnahmen umzusetzen. Dennoch hoffe man auf eine Umsetzungsbereitschaft, denn die Maßnahmen seien „förderungswürdig.“

Maximilian Geiger

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