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Bischof Toussaint Iluku Bolumbu besucht Fürstenfeldbruck

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Von: Claudia Becker

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Der kongolesische Bischof Toussaint Iluku Bolumbu besuchte 
Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin während einer Salzburg-Reise.
Der kongolesische Bischof Toussaint Iluku Bolumbu besuchte Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin während einer Salzburg-Reise. © Claudia Becker

Fürstenfeldbruck – Es ist früher Morgen, etwa ein bis zwei Stunden sind die Kinder schon auf den Beinen.

So wie jeden Tag haben sie sich auf den Weg zur Schule gemacht – quer durch den Dschungel. Das ist ein ganz typischer Alltag in vielen afrikanischen Ländern, wie Bischof Toussaint Iluku Bolumbu bei seinem Besuch im Landratsamt berichtete.

Landkreis Fürstenfeldbruck unterstützt zehn Schulen

Er war gerade zu Gast bei der Partnerdiözese von Bokungu Ikela in Salzburg, als er einen Abstecher nach Fürstenfeldbruck machte, um sich mit den dortigen Unterstützern rund um das Projekt „1.000 Schulen für unsere Welt“ – zu denen auch der Fürstenfeldbrucker Landkreis zählt – auszutauschen. „Ziel der Initiative ist es, Menschen durch Bildung eine Zukunft in ihrer Heimat zu ermöglichen“, erklärt Landrat Thomas Karmasin. Zehn Schulen habe man sich deshalb im Speziellen gewidmet – sieben davon in Togo, aber auch Schulen in Uganda, Kenia und im Kongo. Vertreten wurden diese von Margret Kopp von der Akion PiT-Togohilfe, Peter Kiefer und Rainer Widmann von der Kolpingsfamilie Olching sowie Gerhard Meißner vom Zoe-Unterstützerkreis Türkenfeld. Seit vielen Jahren unterstützen diese Menschen mit Hilfe von Spendengeldern Projekte in Afrika. „Und nach den zehn Schulen soll nicht Schluss sein“, da sind sich alle einig. Sechs Projekte seien so gut wie abgeschlossen, vier benötigten noch Spenden und Arbeitseinsatz.

Die Unterstützer des Projekts „1.000 Schulen für unsere Welt“ kamen im Landratsamt zusammen.
Die Unterstützer des Projekts „1.000 Schulen für unsere Welt“ kamen im Landratsamt zusammen. © Claudia Becker

Auch für Lern- und Lehrmittel müsse gesorgt werden

Sowohl Bischof Bolumbu als auch die Unterstützer, die bereits vor Ort waren, erklärten detailliert, was mit den Spenden vor Ort gemacht würde und wie die aktuelle Situation der afrikanischen Schüler aussehe. „Ich habe eine 6. Klässlerin gefragt, sie solle mir ein paar Zeilen auf ein Blatt Papier schreiben – das Mädchen konnte das nicht, weil sie noch nie zuvor mit einem Stift geschrieben hatte, sondern nur mit einem Stück Kreide an die Tafel“, erzählt Kopp. Vielen Kindern fehle völlig die Feinmotorik und auch das Material. Dieses müsse sich oft unter den Schülern geteilt werden. In Deutschland stellt ein Kugelschreiber meist einen Alltagsgegenstand, gar ein lästiges Werbemittel dar, in Afrika ist es nicht unüblich, wenn die Menschen so etwas noch nie zuvor besessen haben. Es sei demnach nicht nur wichtig, den Kindern ein Schulgebäude zu bauen, sondern auch für die passenden Lern- und Lehrmittel zu sorgen. Das Thema Lehrer sei ein sehr prekäres, wie Bolumbu sagt. Normalerweise sei ein Klassenzimmer für 40 bis 50 Schüler ausgelegt, seitdem die Regierung den Familien einen kostenlosen Zugang zu den Schulen versprochen hat – zuvor fiel ein kleiner Unkostenbeitrag an, sind diese aber heillos überfüllt.

Alle müssen zusammen helfen

„Auf einen Lehrer kommen aktuell etwa 160 Schüler“, so der Bischof. Und Lehrer würden in Afrika schlecht bezahlt, nur 100 Dollar bekämen diese als Monatslohn. Um in einem Gebiet eine Schule aber überhaupt zu bauen, so erzählen es die Afrika-Unterstützer geschlossen, sei es eine Grundvoraussetzung, dass gewisse Umstände, wie genügend Personal, vom Staat garantiert würden. Hinzu sei die Corona-Pandemie gekommen, hier herrschte auf den Baustellen meist Stillstand. Man habe dafür viele bestehende Gebäude saniert oder Brunnen gebaut, erklären Kiefer und Widmann. „Wir unterstützen, was sie selber machen wollen. Die Menschen vor Ort müssen sich engagieren und mithelfen“, schildert Widmann die Situation vor Ort. Der eine könne malern, ein anderer schreinern – um die Instandhaltung der Schulen müssen sich die Einheimischen dann selbst kümmern, ergänzt Kiefer. So sei es auch selbstverständlich, dass Bischof Bolumbu selbst Hand anlege. Er sei Baumeister und zeigt den Menschen vor Ort sein Handwerk. „Er ist ein zuverlässiger Partner“, so Kiefer weiter. Die Motivation, noch mehr Schulen zu bauen, sei also von allen Seiten hoch.

Claudia Becker

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