Mit „Buntheim“-Machern im Dialog: Erster Bürgermeister Norbert Seidl mit Melander Lando Holzapfel und Mehmet Ismail Birinci (Quartiersmanagement).
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Mit „Buntheim“-Machern im Dialog: Erster Bürgermeister Norbert Seidl (rechts) mit Melander Lando Holzapfel (Mitte) und Mehmet Ismail Birinci (Quartiersmanagement).

Kunstfieber statt Leerstand

»Buntheim« in Puchheim: Zwischennutzung zur Kunstform erhoben

Puchheim – Urban Art, Streetart und Graffiti prägen das Gesamtkunstwerk „Buntheim“ auf den ersten Blick. Doch die farbenfrohe Fassadenmalerei ist nur ein – freilich gewichtiger – Bestandteil einer sozio-kulturellen, kreativen „Zwischennutzung“ der vorübergehend leerstehenden Gebäude am Alois-Harbeck-Platz. Dieser trägt während seiner tiefgreifenden Umplanung den Namen „Buntheim“ und stand am 31. Juli in der Reihe „Puchheimer Spaziergänge“ im Mittelpunkt.

Die limitierte Teilnehmerschar war beeindruckt von dem Projekt, das die beiden „Buntheim“-Kuratoren und mitwirkenden Künstler Melander Lando Holzapfel aus Puchheim und Matt Wiegele aus Pasing im Dialog mit Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl vorstellten. Dritter im Bunde des Kuratoren-Teams und ausführender Künstler ist Loomit (eigentlich Mathias Köhler) aus der Nachbargemeinde Eichenau – lebende Graffiti-Legende, spätestens seit dem 1985 großflächig besprühten Geltendorfer S-Bahn-Zug. Am Alois-Harbeck-Platz in Puchheim-Bahnhof prangen seine großen, comicartigen Wandbilder oft mehrere Meter hoch über dem Erdboden und sind nicht mit Spraydosen, sondern mit herkömmlichen Malfarben und Walzen an langen Führungsstangen aufgetragen worden. Seine Bandbreite von der illegalen Subkultur bis zur legalen und nachhaltigen Auftragsmalerei ist also breit gefächert. Sein „Kollege“ Lando betreibt seit dem Jahr 2000 sein Studio „Funky Fresh Graffiti Artwork“ in Puchheim-Ort. Kostproben seiner „Kunst aus der Dose“, die seit 14 Jahren durch professionelle Auftragsarbeiten deutschlandweit verbreitet ist, gibt es ebenfalls in „Buntheim“ zu bestaunen. Seine Anfänge als Graffitimaler reichen bis in das Jahr 1987 zurück und wurden damals noch als Sachbeschädigung geahndet.

Die Graffiti und Wandmalereien überziehen auch geschlossene Jalousien vor Fenstern und Türen, Balkonbrüstungen und Flachdachränder. Die gläserne, filigran bemalte Schiebetür eines ehemaligen Geschäftsraumes harmoniert umrissgenau mit dem Wandbild daneben, sobald die Glastür darüber geschoben wird. Weder draußen noch drinnen herrschen Anarchie und Chaos, alles in „Buntheim“ wirkt ästhetisch zusammen und erhebt sich zur Kunstform: Urban Art vom Feinsten.

Workshops in „Urban Sketching“ und im „Taggen“

In München geboren und aufgewachsen, entdeckte Wiegele mit dem Skateboard die Stadt und ihre Subkultur. Er ist studierter Erziehungswissenschaftler. Als freier Künstler beschäftigt er sich mit Objektkunst und Installationen. Hinter den ehemaligen Schaufenstern am Alois-Harbeck-Platz gestaltet er wechselnde Licht- und Projektionsräume, spielt und experimentiert mit Raum und Wahrnehmung. Auf seiner mobilen Siebdruckanlage, die er in „Buntheim“ aufgebaut hat, leitet er in Workshops Jugendliche ab zwölf Jahren zum Siebdruck auf T-Shirts und Stofftaschen an. Loomit gibt Workshops in „Urban Sketching“ (Zeichnen städtischer Motive vor Ort) und Lando zeigt den Jugendlichen das „Taggen“, die Urform der Graffiti.

Anbieter der Workshops sind das Quartiersmanagement „Planie Stadtteilzentrum“ unter der Leitung von Mehmet Ismail Birinci sowie der Kinderschutzbund Kreisverband Fürstenfeldbruck. Birinci kennt sich auch in der Künstlerszene gut aus und hat neben Loomit, Lando und Matt eine Reihe weiterer Künstler, unter ihnen auch junge Talente, für das „Buntheim“-Projekt gewonnen. Aveen Khorschied unterstützt ihn bei der Organisation.

Birinci und Lando dankten dem Familienunternehmen Dr. Harbeck & Stieber Immobilien, dem die Liegenschaften gehören, für die gewährte Chance, die leer stehenden Gebäude kreativ bespielen zu dürfen. Während der ehemalige Stadtarchivar Werner Dreher eingangs am Steinbrunnen die Geschichte des Alois-Harbeck-Platzes beleuchtete, stellte Bürgermeister Seidl anhand eines Modells das zukünftige Erscheinungsbild des Platzes vor. Heute schon bilde „Buntheim“ eine tragfähige Brücke auf Puchheims Weg in eine von kreativem und sozialem Miteinander geprägte Zukunft.

red

Quelle: Kreisbote

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