Die Katastrophenschutzübung fand am Feiertag des 3. Oktober statt.
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Die Katastrophenschutzübung fand am Feiertag des 3. Oktober statt.

Simulierter Bahncrash: Gemeinsame Übung der Hilfsorganisationen im Landkreis und der Polizei

Katastrophenschutzübung in Germering: Für den Ernstfall gewappnet sein

  • Claudia Becker
    VonClaudia Becker
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Germering - Menschen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, das Martinshorn heult laut auf und auch die Polizeisirenen sind zu vernehmen. Den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, dem Technischen Hilfswerk sowie den Rettungssanitätern bietet sich ein katastrophales Bild. Ein Autofahrer ist an einem unbeschrankten Bahnübergang in einen Güterzug gerast. Kurze Zeit später kollidierte dieser auch mit einer S-Bahn. Zudem gab es einige Folgeunfälle, bei denen mehrere Personen in Fahrzeugen eingeklemmt wurden. In der Diesellok ist ein Feuer ausgebrochen und der Güterzug mit mehreren Kesselwagen hatte Treibstoff geladen.

Was im ersten Moment ein Szenario aus einem Katastrophenfilm zu sein schien, war, glücklicherweise, kein realer Unfall, der sich am Sonntag, 3. Oktober, in Germering ereignete, sondern eine sogenannte Katastrophenschutzübung, die alle paar Jahre aus Übungszwecken abgehalten wird. Neben den Feuerwehren Germering, Unterpfaffenhofen, Puchheim-Ort und Hattenhofen waren das Bayerische Rote Kreuz, die Johanniter, der Malteser Hilfsdienst sowie Notärzte, Polizisten der Germeringer Polizei und der Bundespolizei vor Ort. Auch half das Technische Hilfswerk bei der Bergung der Eingeklemmten. Zudem waren Vertreter der Deutschen Bahn und des Tanklagers Krailling Oils in die Übung eingebunden. Um weiterhin eine entsprechende Versorgung durch die Feuerwehr in einem Brandfall sicher zu stellen, besetzte die Feuerwehr Eichenau für den Übungszeitraum einen Löschzug und sicherte somit die eingebundenen Orte ab.

Straffer Zeitplan

Bereits um 5 Uhr morgens ging es an diesem goldenen Oktober-Sonntag los, die Autos wurden platziert und präpariert. Kurze Zeit später wurde die S-Bahn eingerichtet sowie der Güterzug auf die Gleise am Ende der Planeggerstraße gebracht. Die rund 25 Mimen, die die Verletzten darstellten, wurden im Vorfeld professionell vom Ebersberger Malteser Team für Realistische Unfalldarstellung (RUD) geschminkt und später in den Autowracks, der S-Bahn oder auch auf der Straße besetzt. Genügend Kunstblut wurde an diesem Tag zum Einsatz gebracht, denn Ziel war es, und das betonte Kreisbrandmeister Ric Unteutsch von der Kreisbrandinspektion Fürstenfeldbruck, alles möglichst echt und realitätsnah herüberzubringen. Immerhin sollte dies auch die letzte Übung für vier scheidende Ehrenamtliche sein. So gehen Kreisbrandrat Hubert Stefan sowie die Sprecher der Organisatorischen Einsatzleiter des Rettungsdienstes Josef Wagner und Willi Huber altersbedingt in den Ruhestand. Zudem verabschiedet sich der Germeringer Stadtbrandinspektor Michael Kleiber nach 18 Jahren als Erster Kommandant der Feuerwehr Germering im nächsten Frühjahr. Bis zuletzt hatten alle der Beteiligten dicht gehalten. Umso überraschter waren die Vier dann, als am Sonntagmorgen um 10 Uhr die Alarmierung zu dem Unfallszenario einging.

Zwar war den Feuerwehren und auch der Polizei bekannt, dass an diesem Tag eine Übung in Germering stattfinden würde, jedoch wussten nur wenige über deren Ausmaß Bescheid. Acht Leute haben seit Monaten die Übung geplant, unter ihnen der Stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Germering Thomas Mayrhofer. „Die Geheimhaltung und die Terminfindung waren dabei am schwierigsten“, erklärte Mayrhofer, der gleichzeitig auch erzählt, dass es eine ähnliche Übung bereits vor rund 15 Jahren gegeben hätte. Damit würde sich eine Art Kreis schließen für den scheidenden Kommandanten Kleiber. Coronabedingt hat sich ein Übungsstau angehäuft, umso aufregender sei nun eine so große Katastrophenübung mit rund 250 Beteiligten, sagen die Organisatoren.

Richtig spannend wurde es also, als die ersten Einsatzfahrzeuge eintrafen. Dadurch, dass der Güterzug die Planeggerstraße blockierte, war südlich und nördlich der Bahnschienen über Stunden hinweg ein Schauspiel geboten und die Zufahrten zum Unfallgeschehen waren dementsprechend beschränkt. Die Einsatzleitung lag zu Beginn des Einsatzes beim Kommandanten der Ortsfeuerwehr und somit bei Michael Kleiber. Nach einer ersten Lageerkundung mit den Rettungsdiensten und der Polizei wurde die Lage beurteilt und Schwerpunkte ermittelt. Die medizinische Sichtung, die sogenannte Triage, sagt etwas über die Schwere der Verletzung aus. Hier wird beispielsweise auch beurteilt wie viele Rettungswagen benötigt werden und, ob noch weitere über die Integrierte Leitstelle alarmiert werden müssen. Immerhin, so wurde es dargestellt, waren auch zwei Schwangere in einem Pkw eingeklemmt und der Rauch in der Diesellok wurde immer dichter. Zwei Drohnen filmten die Übung aus der Luft und suchten nach weiteren Verletzten, die vermeintlich bei dem Zusammenstoß der Züge aus der Bahn gesprungen waren und nun im Wald umherirrten. Eine verunfallte Frau war beispielsweise aus Panik aus der S-Bahn gesprungen und hat sich dabei beide Beine gebrochen. Im „normalen Leben“, so erzählte sie, arbeitet sie im Krankenhaus. Schauspielerisch gesehen, handelte es sich an diesem Tag zwar um Laien, nichtsdestotrotz gingen viele voll und ganz in ihrer Rolle auf. So lief eine leicht verletzte Person schreiend zurück zum Unfallort und musste letztlich von der Polizei zu Fall gebracht und beruhigt werden. Bei so einem Unfall kamen die Organisatoren nicht umhin, auch Tote einzusetzen. Dafür wurden dann Puppen in Szene gesetzt. Eine Verletztendarstellerin harrte gar einige Zeit neben ihrem „Mann“ aus und betrauerte dessen Tod.

Nachbesprechungen werden folgen

Die Mimen gehören alle den unterschiedlichen Rettungsdiensten wie den Maltesern oder beispielsweise der Wasserwacht an. Für sie sind diese Übungen zwar etwas Alltäglicher als für den Otto-Normalbürger. Dennoch, so beschreibt es Peter, der eines der S-Bahnopfer darstellt, „ist jede Übung für sich eine Extremsituation“. Für den 76-Jährigen ist das immer wieder ein Erlebnis und er sieht ganz klar den Vorteil in solchen Übungen. „Hier kann etwas falsch gemacht werden, das hat aber keine Folgen. Diese Fehler kann man dann verinnerlichen und beim nächsten Einsatz besser machen“, sagt er während er am Boden der Bahn liegt und auf die Rettungssanitäter wartet. Und genau darum geht es bei solchen Übungen, das schildert auch Kreisbrandrat Stefan. Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Einsatzkräfte werde im Nachhinein beurteilt. „Erst wird die Übung intern besprochen und dann mit allen“, sagt Stefan. So eine Nachbesprechung sei sehr wichtig, um über die Dinge zu reden, die gut oder auch weniger gut gelaufen sind. Immerhin sei ein solches Großschadensereignis ja auch keine alltägliche Situation für die größtenteils Ehrenamtlichen. Am Ende der Übung wurden die Verletzten dann noch in ein Übungskrankenhaus eingeliefert, welches provisorisch in der alten Kaserne eingerichtet wurde. Mit dem Ende der Übung wurde aufgeräumt, die Straßensperre wieder aufgehoben und die Helfer haben noch gemeinsam gegessen und sich ausgetauscht.

Rubriklistenbild: © Claudia Becker

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