Die Bundesvorsitzende der SPD Saskia Esken besuchte am Freitag, 3. September, die Germeringer AWO.
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Die Bundesvorsitzende der SPD Saskia Esken besuchte am Freitag, 3. September, die Germeringer AWO.

»Die Kinder sind die wahren Helden«

SPD-Vorsitzende Saskia Esken besucht Germeringer AWO

  • Claudia Becker
    VonClaudia Becker
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Germering – Das Corona-Virus hat die ganze Welt im Griff. Auswirkungen spüren alle Menschen, wie aber haben die letzten Monate insbesondere die Kinder und Jugendlichen sowie deren Betreuer erlebt? Um sich genau davon einen Eindruck zu verschaffen, stattete SPD-Vorsitzenden Saskia Esken der Germeringer Arbeiterwohlfahrt (AWO) einen Besuch ab.

Dass die Pandemie eine ganz neue Situation für alle bedeutete, das wissen auch diejenigen, die im Stuhlkreis des Zenja-Saales zusammen kamen, um ihre Geschichte rund um das Virus zu erzählen. Unter anderem war das Martina Matern, die den Kinderhort Wirbelwind leitet. Sie berichtet gemeinsam mit ihrem Kollegen Kevin Stölzle von der Hilflosigkeit in Folge der mangelnden Kommunikation, die insbesondere ihnen als Hort entgegengebracht wurde. „Hort gehört weder zu Schule noch zur Kita“, erklärt Matern. Sie seien mittendrin und dementsprechend bei Entscheidungen was neue Corona-Maßnahmen angeht auch immer zuletzt informiert worden. Hinzu kamen die Existenzängste der Eltern, der Druck, der Zuhause herrscht(e) und sich auf die Kinder, die die 1. bis 4. Klasse besuchen. Nicht jedes Kind hat den gleichen Tagesablauf, den gleichen familiären Rückhalt. „Irgendwann haben die Kinder nichts mehr hinterfragt, sie haben nur noch funktioniert“, sagt Stölzle, das habe ihn sehr beunruhigt. Die Kinder seien in seinen Augen die wahren Helden der Pandemie. Die Konflikte mit den Eltern, der fehlende rote Leitfaden – all das habe er mit Nachhause genommen. Umso klarer formuliert er den Wunsch an Saskia Esken: „Ich wünsche mir einen klaren Weg der Politik!“ „Und bitte schließt die Schulen nicht mehr“, wirft Matern ein. 

Worte, die an der SPD-Vorsitzenden nicht spurlos vorbeigehen. In ihren Augen müssen soziale Berufe attraktiver gemacht werden. Sie habe selbst oft beklagt, dass die Länder schlecht untereinander abgestimmt seien, umso mehr begrüße sie nun das Aufholpaket für Kinder und Jugendliche. Damit will der Bund Schüler begleiten und sie beim Aufholen von Lernrückständen unterstützen. Zwei Milliarden Euro wurden für 2021 und 22 beschlossen. Dabei soll aber auch das soziale Leben nicht zu kurz kommen. So sollen zusätzliche Sport- und Freizeitaktivitäten angeboten werden. Dazu gehören Familiencafés ebenso wie Kinderfreizeiten.

Mitarbeiter der AWO erzählten im Stuhlkreis von ihren Corona-Erfahrungen.

Thema Babycafé

 Zum Thema Babycafé meldet sich Sandra Horstmann zu Wort. Sie bedaure sehr, dass der Austausch in den letzten Monaten nicht stattfinden konnte. Gerade in den ersten Lebensmonaten sei der Kontakt zu anderen Kindern sehr wichtig, ebenso wie der Austausch unter den Eltern. „Die Familien haben die Zeit ausgehalten“, sagt Horstmann. Sie habe sich immerhin nicht mit einer schlechten digitalen Infrastruktur herumschlagen müssen, wie die Erzieher im Hort Wirbelwind bei der Bewältigung der Hausaufgaben oder die vielen Schüler an den Schulen und Zuhause beim Homeschooling. Das kann auch Gymnasiallehrer und Fraktionsprecher der Germeringer SPD Daniel Liebetruth bestätigen. Auch er habe sich eine schnellere Übermittlung neuer Maßnahmen gewünscht. Es sei noch viel Nachholbedarf bei der Digitalisierung von Schulen vorhanden. Auch Esken betont, dass sie es traurig fände, wenn man nach Corona in den alten Trott zurückfallen würde, man solle auch eine Chance und das Potential sehen, dass mit einem Ausbau digitaler Schulformen einhergehen würde. Sie setze sich für den Präsenzunterricht ein, könne aber nichts versprechen und sehe auch die Vorteile im Wechselunterricht. Das sehen die beiden Schüler Justus Germeier und Lennart Brückner etwas kritischer. Die beiden Jugendlichen ziehen die Schule als Ort des Lernen ihrem privaten Jugendzimmer vor. So wurde ihnen der Ort der Erholung genommen, der Rückzugsort. „Wir wollen klare Konzepte, Stabilität – um in der Schule bleiben zu können“, sagt der 16-jährige Lennart abschließend.

Claudia Becker 

Quelle: Kreisbote

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