„Wir können das“: Naomi Parker-Fraley mit dem „We-can-do-it-Poster“. Fotos: tb

Poster und Gemälde

Kunst schafft transatlantische Freundschaft

Es ist eine Geschichte, die mit der Aufklärung eines großen Missverständnisses begann und die mit einer neuen Freundschaft endete. Sie dreht sich um einen amerikanischen Star und eine Brucker Hobby-Künstlerin.

Füstenfeldbruck – Vier Wochen – das ist absoluter Rekord. Vier Wochen hat die Hausfrau und passionierte Hobby-Malerin Gabi Wörlsinger (52) gebraucht, um das wichtigste Bild zu malen, das sie je auf die Leinwand gebracht hat. Viel mehr Zeit blieb ihr auch nicht, denn der Auftraggeber wartete ungeduldig. Dabei malt Gabi Wörlsinger eigentlich nie nach Auftrag.

Besonders nervös war sie, weil ihr die Anfrage nicht irgendwer gesandt hatte. Sondern ein Mann namens John Fraley aus Kalifornien. „Er ist der Stiefsohn von Naomi Parker-Fraley“, erzählt die Bruckerin. Naomi Parker wer? „Die Frau auf dem amerikanischen Propaganda-Plakat“, sagt Wörlsinger. „Das, auf dem ein Mädchen mit Kopftuch ihren Bizeps anspannt, darüber steht ’we can do it’. Das kennen Sie sicher.“ Ja. Natürlich.

Gabi Wörlsinger und ihr Bild von Naomi Parker-Fraley.

Ursprünglich hatte im öffentlichen Bewusstsein lange die mittlerweile verstorbene Geraldine Doyle als Vorlage für das Propagandaposter gegolten, das der Künstler J. Howard Miller 1943 veröffentlichte, um die Arbeitsmoral der Bürger während des Zweiten Weltkriegs hochzuhalten und das später zu einem Symbol für Feminismus wurde. Bis ein Professor aus New Jersey 2015 herausfand, dass dort Naomi Parker-Fraley abgebildet war.

Als Inspiration für das Plakat dienten dem Maler Bilder, die ein Fotograf 1942 von Parker-Fraley aufgenommen hatte. Und zwar in einer Maschinenhalle der Naval Air Station in Alameda (Kalifornien) – einem Militärflughafen mit Hafen.

Für Stiefsohn John Fraley und seine geliebte Mutter bedeutet das Original-Bild viel. Deshalb bat der Amerikaner ausgerechnet Gabi Wörlsinger, genau dieses Foto nachzumalen. Er hatte die Bruckerin und ihren Mann Eduard, der ebenfalls malt, im Internet entdeckt. Dort war er auf ein Youtube-Video gestoßen, dass die Hobby-Zeichnerin bei der Arbeit an einem realistischen Ölbild von einer Frau und einem Flugzeugmotor zeigt. Genau die richtige Mischung aus Ästhetik und Technik. „Ich male gerne Menschen, aber auch technische Details“, sagt Gabi Wörlsinger. Vor allem Motive aus den 1950er-Jahren haben es ihr angetan. Die Vorlagen findet sie im Internet, druckt sie aus, und dann geht es los.

Das hat den Sohn von Parker-Fraley derart beeindruckt, dass er der Deutschen eine Mail schrieb. Gabi Wörlsinger solle das Plakat seiner geliebten 95-jährigen Stiefmutter nachmalen.

Innerhalb weniger Wochen kreierte Wörlsinger ein Kunstwerk. Das schickte sie dann nach Amerika, wo der Stiefsohn es Naomi Parker-Fraley übergab. „Jemand hat ihm 5000 Dollar dafür geboten, aber er gibt das Bild nicht her“, erzählt Gabis Ehemann Eduard Wörlsinger, der mit dem Stiefsohn in engem Kontakt steht. „Wir sind Freunde geworden“, erklärt seine Frau, die ein Faible für Motorräder hat.

Vergangenes Jahr wurde die Geschichte der lange Zeit verkannten US-Ikone sogar im bekannten People-Magazine in Amerika veröffentlicht. Und die Wörlsingers sind stolz darauf, Teil dieser Geschichte zu sein.(vu)

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