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In der Notaufnahme geht es nicht immer um Leben und Tod. Viele Menschen kommen aber schon wegen Kleinigkeiten - das kostet die Klinik richtig Geld.

Teurer Trend: statt zum Arzt ins Krankenhaus

Notaufnahme kommt Klinik teuer

Fürstenfeldbruck - Immer mehr Patienten wollen in der Notaufnahme der Kreisklinik behandelt werden. Dabei bekommt das Krankenhaus für die Versorgung der Menschen weniger Geld als niedergelassene Ärzte. Auf die Klinikkasse wirkt sich das nicht gerade positiv aus.

Der bundesweite Trend des zunehmenden Ansturms auf die Notaufnahmen ist in der Brucker Kreisklinik mit etwa zwei Jahren Verzögerung angekommen, erklärt Krankenhaus-Chef Stefan Bauer. Das liegt daran, dass es in Bruck auch eine Notaufnahme-Praxis der kassenärztlichen Vereinigung gibt. Mittlerweile aber steigt die Zahl der Menschen, die statt zum Hausarzt sofort in die Notaufnahme der Klinik gehen, unaufhörlich an.

Notfälle steigen an

Im Jahr 2011 verzeichnete das Brucker Krankenhaus 11 528 Notfälle, im Jahr 2012 waren es 11 688. Im Jahr 2013 kam der erste große Sprung auf 13 516 Fälle. Und in den ersten drei Quartalen heuer waren es schon 10 873.

Die allermeisten davon müssen nach der ersten Behandlung nicht stationär aufgenommen werden. Oft kommen die Menschen mit kleineren Gebrechen wie einem Bienenstich oder kleineren Schnittwunden. Unter den Patienten sind manchmal auch welche, die an einer Erkältung leiden – ein klassischer Fall für den Hausarzt. Die Suche nach der Ursache für diesen Trend ist nicht ganz einfach. Klinik-Chef Stefan Bauer sieht unter anderem einen Mentalitätswechsel. Die Schwelle, sich in Behandlung zu begeben, ist niedriger geworden. Gleichzeitig kann aber auch eine Rolle spielen, dass es generell weniger Hausärzte gibt. Möglicherweise hätten viele früher auch die Zähne mal stärker zusammengebissen.

Patienten sind auch teuer

Bei dem ganzen Phänomen geht es natürlich auch ums Geld. Die Kreisklinik kann für die Behandlung eines Notfalls im Schnitt 50 Euro abrechnen, erklärt Stefan Bauer. Nach offiziellen – möglicherweise etwas übertriebenen – Zahlen, kostet ein Notfall eine Klinik aber um die 140 Euro. Sicher jedenfalls ist: Die Vergütung ist nicht kostendeckend.

Letzteres liegt auch daran, dass teure bildgebende Verfahren bei der Diagnostik immer häufiger angewandt werden. Niedergelassene Ärzte dürfen bei einem Notfall mehr abrechnen als Kliniken – ein alter Streitpunkt, der natürlich nicht in Bruck, sondern auf Bundesebene verhandelt wird und sogar schon gerichtliche Auseinandersetzungen gezeitigt hat.

Kreisklinik erwirtschaftet Defizit

Insgesamt hat die Kreisklinik im Jahr 2013 ein leichtes Defizit von um die 340 000 Euro erwirtschaftet. Das liegt aber nicht nur an der Situation in der Notaufnahme, in der untertags ein bis zwei Ärzte zur Verfügung stehen. Das Problem, mit dem sich viele Kliniken herumschlagen, besteht eher darin, dass die Zuweisungen des Bundes getätigte Investitionen nicht abdecken, eine Klinik aber praktisch ständig investieren muss, um auf Höhe der Zeit zu sein. (st)

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