Mit einem Propeller auf dem Buckel gleitet Florian Köpplinger durch die Luft.

Landsberied

Mit dem Motorschirm in der Luft - doch vor dem Flug kommt die Bürokratie

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Wie ein Vogel durch die Luft gleiten: Für Florian Köpplinger ist das kein Traum mehr. Seit Jahren hebt der Brucker mit seinem Gleitschirm in den Bergen ab. Jetzt möchte er auch im Landkreis durchstarten – mit einem Propeller auf dem Rücken. Doch die Bürokratie hält einige Hürden für den Hobby-Flieger bereit.

Landsberied – Florian Köpplinger ist nicht nur Pilot, sondern auch Papa eines neunjährigen Buben. Und das allein erziehend. So fehlt ihm schlicht die Zeit, oft in die Alpen zu fahren und sich von einem Berg in die Lüfte zu schwingen. Deshalb will er jetzt mit einem so genannten Motorschirm abheben. „Zum Abheben benötigt man einen Motor auf dem Rücken, der mit dem eines Mopeds vergleichbar ist“, erklärt der Brucker, der beruflich als Ingenieur bei der Firma MAN arbeitet.

Für Jesenwang zu langsam

Genau dieser Motor ist nun das Problem. Denn wegen ihm werden Motorschirme wie Flugzeuge behandelt. Und die müssen von einem Flugplatz aus starten. Nun gibt es zwar in Jesenwang einen solchen. Doch Starts und Landungen mit einem Motorschirm sind dort zu gefährlich, wie Köpplinger erklärt: „Die Fluggeschwindigkeit mit dem Schirm beträgt rund 40 Stundenkilometer.“ Damit stelle man auf Flugplätzen eher ein Hindernis dar. „Das wäre mit dem Fahren eines Mofas auf der Autobahn vergleichbar“, sagt der Brucker.

Doch es gibt Abhilfe: die Möglichkeit so genannter Außenstarts und -landungen. „Eine solche Erlaubnis vom Luftamt ermöglicht das sichere Starten und Landen auf geeignetem, zugelassenem Gelände“, erklärt Köpplinger. Für einen Motorschirm benötige man lediglich eine Wiese. An die würden aber bestimmte Voraussetzungen gestellt. „Sie darf sich nicht in einer Flugzone befinden, muss frei von Hindernissen sein, und vor allem der Natur- und Lärmschutz muss beachtet werden.“

So sieht das Fluggerät aus der Nähe aus.

Da in vielen Bereichen der Region Ackerbau betrieben würde, sei es gar nicht so einfach, eine geeignete Wiese zu finden, sagt Köpplinger. In seiner fränkischen Heimat – Köpplinger lebt seit elf Jahren in Fürstenfeldbruck – und am weniger frequentierten Flugplatz in Ampfing östlich von München gibt es geeignete Flächen. „Aber auch da bin ich ja schon wieder eine ganze Zeit unterwegs, um hinzukommen.“ Das gleiche Problem also, wie beim Gleitschirmfliegen in den Alpen.

Bedenken wegen Fluglärms

Doch nach einiger Suche wurde Köpplinger fündig – und zwar bei Landsberied. Der Eigentümer hat seine Wiese für die Starts und Landungen zur Verfügung gestellt. Und auch die Landsberieder Gemeinderäte sahen kein Problem. Zwar hatte die Bürgervereinigung Fluglärm Bedenken wegen des Lärms vorgebracht, aber die bügelte Hubert Ficker (CSU) angesichts der Gegebenheiten beim Motorschirmfliegen ab: „Das ist auch nichts anderes, als wenn auf der Staatsstraße ein Moped vorbeifährt.“

Köpplinger ist es ohnehin wichtig, dass er mit seinem Hobby niemanden stört. Die Mindestflughöhe beträgt aus Sicherheitsgründen 300 Meter über bewohntem Gebiet. „Damit ist eine Gefährdung und Lärmbelästigung minimiert“, sagt er. Ohnehin bleibe er nicht lange im Bereich der Startwiese. „Man will schließlich etwas sehen, darum fliege ich dann meistens in Richtung der Alpen.“

Bevor er das aber von der Landsberieder Wiese aus machen kann, steht noch eine Hürde bevor: „Auch das Landratsamt muss noch sein Okay geben.“ Ficker geht indessen offenbar davon aus, dass das kein Problem sein dürfte. Er kommentierte den Fall launig: „Wir haben ja schon einen Skilift, jetzt brauchen wir auch noch einen Flugplatz.“

60 Starts pro Jahr erlaubt

Wenn Florian Köpplinger die Erlaubnis bekommt, mit seinem Motorschirm von der Landsberieder Wiese aus zu starten, dann kann er diese Erlaubnis nicht übertragen. „Sie ist personenbezogen“, sagt er. Die Zahl der jährlichen Starts und Landungen ist auf 60 begrenzt. Die Erlaubnis gilt für zwei Jahre und kann jederzeit widerrufen werden. Der Lärm, den der Motor macht, entspricht in etwa dem eines Kraftfahrzeugs und liegt bei rund 60 Dezibel. Ist Köpplinger einmal abgehoben, ermöglicht der Tankinhalt von zwölf Litern Flüge von bis zu vier Stunden Dauer. Vom Motor wird angesichts Köpplingers Flugrouten wohl nur für wenige Minuten in der Startphase etwas zu hören sein, gelandet wird ohnehin ohne Motor. Nicht nur für Hubert Ficker (CSU) stellt das kein Problem dar. Auch sein Fraktionskollege Günther Wörl betonte: „Das stört an dieser Stelle niemanden.

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