"Eine unverhältnismäßig dichte Bebauung"

Nachbarn machen mobil gegen Baupläne

Landsberied - Ärger in Landsberied: Die Änderung des Bebauungsplans „Westlich der Bahnhofstraße“ empört viele Anwohner. Sie fürchten eine „unverhältnismäßig dichte Bebauung“ eines einzelnen Grundstücks im Herzen des Wohngebietes.

Die Anwohner aus Badfeldring und Bergstraße kommen sich zugunsten eines Einzelnen übergangen vor: Denn 34 Nachbarn hatten in einem Brief an den Gemeinderat die Änderung abgelehnt – fast die gesamte Nachbarschaft. Trotzdem läuft die Sache weiter.

Beantragt hatte die Änderung der Eigentümer eines etwa 1200 Quadratmeter großen Grundstücks am Badfeldring: Mit dem Landsberieder Bauunternehmen Bals, welches einen Teil der Fläche kauft, sollen insgesamt sechs Wohneinheiten samt Tiefgarage entstehen. Im Moment steht dort ein älteres Einfamilienhaus. Zu Beginn hatten die beiden Geschäftspartner sogar insgesamt acht Wohneinheiten geplant – hier schob aber die Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf einen Riegel vor. Firmeninhaber und Gemeinderatsmitglied Johannes Bals (CSU/WDG) enthielt sich bei der Abstimmung im Ortsparlament.

Zum Beispiel wurde dort die Grundflächenzahl, die das Verhältnis von unbebauter zu bebauter Fläche regelt, auf 0,27 erhöht, ein Wert, den es laut den Gegnern sonst in keinem Wohngebiet gibt. Auch die erlaubte Dachneigung wurde geändert, bis zu 30 Grad sind nun möglich.

Die Entscheidung des Gemeinderats halten die Anwohner für falsch und gefährlich. „Die Lebensqualität der seit Jahrzehnten hier wohnenden Bürger wird durch derartige Bauvorhaben deutlich verschlechtert“, schreiben sie in ihrem Brief. Nun könnten die Häuser deutlich höher werden, fürchten sie.

Der Gemeinderat sei über die Einwände nicht hinweggegangen, sondern habe die Lage im gesamten Ort betrachtet, sagt Bürgermeisterin Andrea Schweitzer (FW/Einigkeit) zu der Diskussion. Für sie ist die Auseinandersetzung ein grundsätzliches Dilemma: „Geht man in die grüne Wiese am Ortsrand oder in die Nachverdichtung?“

Sie selbst votierte für fast alle der Änderungen: „Eine maßvolle Nachverdichtung muss möglich sein.“ Gerade angesichts des „massiven Wohnraummangels“, auf den Schweitzer hinweist. Die Entwicklung werde im Großraum München auch weiter in diese Richtung weisen, meint sie: „Ein Einfamilienhaus auf einem Grundstück kann sich in dieser Region kein Normalverdiener mehr leisten.“

Ein weiterer großer Kritikpunkt der Anwohner: Der „dörfliche Charakter“ des Ortes werde zerstört. Die Änderung habe damit auch Signalwirkung für die Zukunft. „Mit Genehmigung […] ist zukünftig eine massive bauliche Verdichtung überall in Landsberied zu erwarten.“

Auch diese Befürchtung hält Schweitzer für übertrieben, man erlaube ja kein drittes Vollgeschoss. Zudem sagt sie, das Gebiet am Badfeldring habe als reines Wohngebiet schon von Haus aus keinen dörflichen Charakter: „Eine Siedlung in Gröbenzell sieht auch nicht anders aus.“

Der Gemeinderat widerspreche sich sogar selbst, kritisieren die Anwohner: Das Gremium hatte 2015 einen Rahmenplan für die nahe Dorfmitte verabschiedet, in dem festgehalten wurde, dass das Ortsbild möglichst wenig verändert werden soll.

Zumindest in einem Punkt sind sich alle einig: Als Bedingung für die Tiefgarage muss ein geologisches Gutachten erstellt werden. Denn die Nachbarn fürchten durch den Bau Probleme bei der Wasserversickerung. Sie wollen nun noch einmal ihre Einwände gegen den Bebauungsplan vorbringen, wenn dieser ausliegt. Als ultima ratio denken sie an ein Bürgerbegehren.

von Fabian Dilger

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