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Es qualmt und stinkt, dann sitzt das Eisen: Paul Hellmeier (56) arbeitet konzentriert, die Islandstute Hera bleibt gelassen.

Internationaler Experte

Sein Glück der Erde sind die Hufe der Pferde

Das Glück der Erde liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde. Für Paul Hellmeier liegt es ein Stück weiter unten – der 56-Jährige ist Hufschmied, und ein sehr erfolgreicher noch dazu. Er ist Experte für den Pferdefuß und hat sein ganzes Leben in den Dienst der Tiere gestellt.

LandsberiedManchmal fragen ihn Leute, ob Hufschmied heutzutage überhaupt noch ein Beruf ist und ob man davon leben kann. Dann muss Paul Hellmeier lachen. Er kann sich kaum retten vor lauter Arbeit und ist in der ganzen Welt unterwegs, um teure Sportpferde zu beschlagen.

Doch auch in der Heimatregion hat er genug zu tun. Ein Tag in der Woche gehört dem Islandhof Walleshauser in Malching, ein anderer der Reitakademie München und der Galopprennbahn in Riem. Alle paar Wochen fliegt er nach Ungarn, wo er ein erfolgreiches Springpferd namens Chacco Boy betreut. Das Tier hatte zwei Jahre lang wegen Hufproblemen nicht an Wettkämpfen teilnehmen können – erst, seitdem Hellmeier für seine Hufe zuständig ist, startet es wieder auf Turnieren bis hin zu Europameisterschaft und Weltcup.

Hellmeier selbst fuhr schon als Jugendlicher erfolgreich Trabrennen

Schau genau: Paul Hellmeier hat den Pferdefuß und die Tiergesundheit im Blick.

Er hat in Italien, Frankreich, Schweden, den USA und Südafrika gearbeitet, hat sich überall auf der Welt „für alles interessiert und alles angeschaut“, was ihn in seinem Beruf weiterbringen konnte. Seine Basis hat Paul Hellmeier aber in Landsberied. Hier betreibt er – gleich neben dem Rathaus – sein Zentrum für Pferde und Hufgesundheit.

Heißes Eisen: Die Lehre hat Hellmeier in der Hufschmiede in Daglfing gemacht.

An diesem Morgen sind zwei Islandstuten zum Beschlagen da. In einem mobilen Gasofen, den er auch zu seinen Einsätzen im Auto mitnehmen kann, erhitzt der 56-Jährige ein Eisen nach dem anderen und schlägt sie auf dem Amboss in Form. Stute Hera bleibt gelassen und wendet ihm sogar freundlich den Kopf zu, als Hellmeier ihr ein Eisen mit kupferbeschichteten Nägeln am Huf befestigt. Es qualmt und stinkt, dann sitzt das Eisen. „Die Nägel wirken antibakteriell“, erklärt der Hufschmied.

Der Dachauer wurde in eine pferdebegeisterte Familie hineingeboren. Sein Vater war Trainer für Trabrennpferde, sein Großvater und zwei Onkel arbeiteten als auf Pferde spezialisierte Tierärzte. Hellmeier selbst fuhr schon als Jugendlicher erfolgreich Trabrennen, sollte aber auch etwas Anständiges lernen. Und so machte er eine Lehre in der Hufschmiede der Trabrennbahn. Dort arbeitete man noch mit Kohlefeuer – „das war ein richtiges Dreckloch“, erinnert er sich lachend. Ein paar Jahre später war Hellmeier staatlich geprüfter und anerkannter Hufbeschlagsschmied und stand am Beginn einer internationalen Karriere.

Hufschmied Hellmeier hat weder Frau noch Familie – dafür ist keine Zeit

Er fuhr selbst Trabrennen: 1992 in Daglfing.

Er hat alle möglichen Spezialbeschläge für verschiedene Hufprobleme entwickelt und nimmt sich viel Zeit für jedes Pferd. Wenn ihm ein neues Tier präsentiert wird, will er als Erstes wissen, „was der beruflich macht – Springen, Dressur oder Freizeitreiten“. Dann schaut er sich das Exterieur an und erkennt oft schon an Haltung und Bemuskelung, ob ein Hufproblem vorliegt. „Ein ganz normaler Beschlag dauert eineinhalb Stunden“, erzählt er. Schwierigere Fälle werden geröntgt, im Extremfall sogar sediert und auf dem OP-Tisch beschlagen.

Die Begeisterung für seine Arbeit ließ Hellmeier keinen Platz für andere Dinge – nicht für Hobbys und nicht für Familie. „Ich war nie verheiratet. Das würde gar nicht gehen“, sagt er. „Da müsste ich ja diskutieren.“ Zum Beispiel darüber, ob er wirklich schon wieder zum Kongress in die USA muss oder eine Fortbildung in Südafrika organisieren. Ob er wirklich jeden Abend bis 20 Uhr im Stall sein und dann noch drei Stunden Bürokram machen muss. „Ich bin ja besessen.“

Im nächsten Jahr will Hellmeier in seinem Hufgesundheitszentrum etwas Neues anbieten: den „Sonntags-Brunch in der Schmiede“ für Reiter und Pferdeinteressierte. Neben Speis und Trank soll es Expertenvorträge zum Thema Pferdegesundheit geben. Das kann eine schöne Sache werden, ist der Hufschmied überzeugt. Geritten ist Paul Hellmeier übrigens nur einmal in seinem Leben. Er erwies sich als talentiert und hatte auch Spaß an der Sache. „Aber ich habe es nicht weitergemacht. Das ging zeitlich nicht.“

von Ulrike Osman

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