Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger
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Die Überraschung in der bisherigen Amtszeit von Andrea Schweitzer: der Dorfwirt. Erst war der Wirt weg, dann musste die Gemeinde sanieren. Mittlerweile ist alles fertig, ein neuer Gastronom da.

Serie: DIE NEUEN BÜRGERMEISTER IM WESTLICHEN LANDKREIS – HALBZEIT IM AMT 

„Die Weltpolitik kommt ins kleine Dorf“

Mit rund 1500 Einwohnern ist Landsberied eine der kleinsten Gemeinden im Landkreis. Und trotzdem gibt es viel zu tun. 

Landsberied – Seit drei Jahren packt die 48-jährige Verwaltungsfachwirtin Andrea Schweitzer als Bürgermeisterin der Gruppierung Freie Wähler Einigkeit an. Dabei beschäftigen die Mutter von zwei Kindern nicht nur örtliche Probleme wie Schlaglöcher, sondern immer mehr auch die Auswirkungen der Bundes- und Weltpolitik, wie sie im Interview mit Tagblatt-Mitarbeiter Fabian Dilger berichtet.

-Frau Schweitzer, was ist denn mit das Schönste an dem Beruf Bürgermeisterin?

Von den laufenden Aufgaben sind die Trauungen sehr schön. Das sind nicht viele, aber es ist wie gesagt sehr schön. Ansonsten dass man querbeet mit vielen Themen und allen möglichen Leuten in Berührung kommt.

-Und was sind die negativen Dinge?

Dass man sich in der Kommunalpolitik nicht nur mit örtlichen Angelegenheiten auseinandersetzt, sondern dass inzwischen auch Deutschland- und Weltpolitik eine Rolle spielt. Das hat man ja bei der ganzen Flüchtlingsangelegenheit gesehen. Das ist die große Herausforderung im Vergleich zu früher.

-Haben Sie rückblickend Fehler gemacht in diesen drei Jahren?

Nicht direkt. Es waren Situationen, dass es ja oft einen gibt, der bei der Kommunikation hinten runterfällt. Zum Beispiel beim Thema Bürgerbeteiligung: Wen informiert man zuerst, die Bürger oder den Gemeinderat? Und wie informiert man zuerst, mit ersten, unausgegorenen Details, auf die man dann später vielleicht festgenagelt wird?

-Kann man dazulernen als Bürgermeisterin?

Man kann immer besser werden, aus allen zieht man seine Erfahrungen. Konkret, dass man oft an der ersten Aussage festgemacht wird und dass man sehr aufpassen muss, was man als erstes rausgibt. Das ist ein Lernprozess.

-Was hat sich für Sie privat mit dem „Berufswechsel“ geändert? Immerhin haben Sie Ihren früheren Job aufgegeben.

Früher hatte ich feste Arbeitszeiten. Jetzt verteilt es sich über den ganzen Tag, der irgendwie zerschnitten ist. Die Stundenbelastung ist nicht eklatant höher, aber die klare Abgrenzung zwischen beruflicher Tätigkeit und Freizeit fehlt. Wobei das nicht heißt, dass ich in meiner „Freizeit“ laufend als Bürgermeisterin angerufen werde. Darum könnte ich es mir nie vorstellen beides, Beruf und Bürgermeisterin, machen zu wollen.

-Sie waren vorher Gemeinderätin. Hat sich jetzt als Bürgermeisterin Ihre Sicht auf Landsberied verändert?

Absolut. Man sieht erst als Bürgermeisterin, wie wenig Einblick man als Gemeinderat hat. Nicht weil man nicht informiert wird, sondern wegen dem Alltagsgeschäft, den laufenden Prozessen. Das Begleiten der Entscheidungen, die vor- und nachbereitet werden müssen, die Mitarbeiter, der Unterhalt von der Straßenlaterne bis zum Schlagloch.

-Gab’s schon eine Überraschung bisher?

Unsere Sanierung beim Dorfwirt. Es war eine Überraschung, was alles getan werden muss. Aber Überraschung würde ich jetzt positiv besetzen (lacht).

-Eine Hälfte ist rum, drei Jahre stehen noch an: Was sind Projekte, die Sie noch schaffen wollen?

Das seit Ewigkeiten währende Problem mit dem Abwasserzweckverband lösen – wegen der Übernahme der Oberflächenentwässerung und dem neuen Sickerbecken. Da sollte Klarheit herrschen. Aber das liegt nicht an mir alleine. Und was jetzt direkt ansteht, ist die Baumaßnahme in Babenried, wo die Gemeinde Wohnraum schafft.

-Die Unterbringung von Asylbewerbern wurde am aufgeregtesten diskutiert. Wie bewerten Sie das im Rückblick?

Dass Aufregung da war, war verständlich – da kam die Weltpolitik ins kleine Dorf. Ich war sehr froh, dass es bei uns schnell ums Eck war. Ich glaube aber, dass eine gewisse Spaltung der Gesellschaft leider immer noch da ist. Und bestimmte Meinungen sind in den letzten Jahren leider wieder salonfähig geworden.

-Eine generelle Tendenz zu mehr Selbstbezogenheit?

Veränderungen werden total kritisch gesehen. Ein Beispiel: Viele, die gebaut haben, haben auf die Großzügigkeit der Gemeinde bei Befreiungen vom Bebauungsplan oder sonstige Erleichterungen gehofft. Sobald man fertig ist, soll der Stillstand kommen. Aber Veränderung gehört einfach dazu. Da habe ich den Eindruck, dass diese Einstellung zunimmt.

-Stellen wir uns vor, es ist 2020, die nächsten Kommunalwahlen stehen an. Was passiert dann?

Dann entscheidet der Wähler (lacht). Wenn sich privat nichts extrem ändert, würde ich grundsätzlich weitermachen. Die positiven Seiten überwiegen einfach.

-Noch ein Stück weiter in die Zukunft: Wo steht Landsberied in zehn Jahren, mit was muss sich die Gemeinde beschäftigen?

Ortsentwicklung ist das Thema schlechthin, an dem alles hängt: Gewerbe, Verkehr, Baupolitik. Wenn die Metropolregion München weiter wächst, muss man aufpassen, dass man als Ort sein Gesicht nicht verliert. Wir können aber auch nicht die Käseglocke über uns drüberlegen. Es wird ein Spagat zwischen Nachverdichten und neuem Bauland ausweisen. Da hat sich Landsberied schon extrem verändert und wird sich auch weiter verändern.

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