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Da drin ist es passiert: Bürgermeisterin Andrea Schweitzer im Sommer am Dorfwirt.

Gemeindewappen ohne Erlaubnis verwendet

Wenn der Landsberieder Stammtisch zum Tatort wird

Ein gestandener Stammtisch hat ein Schild, das etwas hermacht. In Landsberied war der Wirtshaus-Treff aber zu voreilig. Für seine Platzmarkierung hat er das Wappen der Gemeinde verwendet – ohne Genehmigung.

LandsberiedDen Samstags-Stammtisch in Landsberied gibt es gefühlt schon immer. Seit Jahrzehnten trifft man sich am späten Nachmittag zum „Dämmerschoppen“, dabei kommen von 25 bis 70 Jahre alle Altersschichten zusammen. Dann wird über Gemeindepolitik, Weltgeschehen und Fußball geredet.

Bei der nächsten Zusammenkunft dürfte ein neues Gesprächsthema hinzukommen: Wie der Stammtisch mit seinem neuem Tischschild die Vorschriften verletzte.

Sofort bat ein Stammtischler Andrea Schweitzer um Verzeihung

Das Wappen der Gemeinde Landsberied.

Die bayerische Gemeindeordnung ist in diesem Fall eindeutig: Wappen und Fahnen der Gemeinde dürfen von Dritten nicht verwendet werden – es sei denn, die Kommune selbst erlaubt es. Diese Regelung war den Stammtisch-Mitgliedern aber schlicht nicht bekannt. Am Vorabend von Weihnachten weihten sie ihr neues Holzschild ein, auf dem das Wappen der Kommune abgebildet ist, wie Gemeinderat Bernhard Förg (FW/Einigkeit) erklärte. Vereinsreferent Förg gehört ebenfalls zu den Stammtischlern, ist also selbst einer der unwissenden Sünder. Tatort war die Stube des gemeindeeigenen Dorfwirts.

Bisher habe man nur ein Emaille-Schild gehabt, nun habe man dem Wirt zu Weihnachten das neue übergeben, damit es aufgestellt wird. Doch kaum war das passiert, wurde auch schon bemerkt, dass man für das Wappen die Gemeinde um Erlaubnis fragen muss, erzählte Förg.

Immerhin waren die Stammtischfreunde, als ihr Fauxpas bekannt wurde, sofort mit einer Entschuldigung zur Stelle, wie Bürgermeisterin Andrea Schweitzer (Freie Wähler/Einigkeit) im Gemeinderat erheitert erzählte: Am nächsten Tag, am Vormittag des Heiligen Abends, habe ein zerknirschtes Mitglied bei ihr zuhause die Verfehlung eingestanden und um Verzeihung gebeten.

Schwamm drüber: Landsberieder Gemeinderat gibt grünes Licht 

Um die Sache aus der Welt zu schaffen, lag nun im Gemeinderat der offizielle Antrag der Stammtischfreunde auf Genehmigung der Wappen-Verwendung auf dem Tisch. Schwamm drüber und Genehmigung erteilen, meinten alle Räte. Förg wies darauf hin, dass alle Mitglieder des Stammtischs engagierte Bürger seien und viele ehrenamtliche Arbeitsstunden beim Bau des Dorfwirts geleistet hätten. „Eigentlich ist es doch schön, wenn sie so zur Gemeinde stehen“, meinte Bürgermeisterin Schweitzer.

Immerhin werde hier um Erlaubnis gefragt. In Zeiten von digitalen Bildern und Internet gebe es bestimmt andere Fälle, so Schweitzer: „Ich möchte nicht wissen, wo das Wappen sonst überall draufsteht.“

Ihr Vize Hubert Ficker (CSU/WDG), selbst Augenzeuge am Tatort der Vorschriftsübertretung, meinte: „Mich stört das im Prinzip überhaupt nicht.“ Er habe keine Bedenken, dass dort Unfug getrieben werde, der auf die politische Gemeinde zurückfalle. Was er aber als gefährlich ansah: Wenn man hier eine Genehmigung erteile, müsse man diese auch an anderer Stelle geben.

Auf Anregung von Hans Märkl (Grüne) wurde dann vom Gemeinderat doch noch eine Auflage gemacht: Das Schild mit dem Gemeindewappen muss in der Wirtschaft bleiben, die Stammtischfreunde dürfen damit nicht auf Tour gehen.

von Fabian Dilger

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