Landwirte müssen Tiere verkaufen

Schleuderpreise für Milch zwingen Bauern in die Knie

Landkreis – In manchen Regionen Deutschlands bekommen die Landwirte nur noch 20 Cent pro Liter Milch. Für so wenig Geld müssen die Milchviehhalter aus dem Landkreis ihre Produkte zwar noch nicht hergeben. Doch auch hier treibt der Milchpreisverfall immer mehr Bauern dazu, ihre Kühe zu verkaufen.

Er kenne eine Handvoll Landwirte im Landkreis, die genug hätten und kurz davor stünden, aus der Produktion auszusteigen, erzählt Johann Schamberger. Der 46-jährige Landwirt aus Moorenweis hat selbst 65 Kühe im Stall und ist seit 13 Jahren Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM). In dieser Zeit haben laut Schamberger 30 bis 40 Prozent der Milchviehbetriebe im Kreis Bruck wegen Preisverfall und immer härteren Bedingungen aufgegeben.

Es gebe im Landkreis noch zwischen 70 und 80 Landwirte, die Kühe halten. Sie bekämen momentan von den Molkereien 27 oder 28 Cent pro Liter Milch. Damit die Landwirte ihre Kosten für die Produktion voll decken können, müsste der Preis allerdings bei 45 Cent liegen, so Schamberger.

Johann Schamberger ist BDM-Kreisvorsitzender.

Der Schwund der Milchbauern werde deshalb anhalten, prognostiziert er. Denn der Teufelskreis drehe sich weiter: Wenn der Milchpreis sinkt, produzieren die Landwirte mehr Milch. Durch das größere Angebot auf dem Markt setzt sich aber die Talfahrt der Preise fort. Die Stallbauförderung und der Wegfall der Quote, die die zu produzierende Milchmenge reguliert, hätten die Situation zudem verschärft, klagt Schamberger. „Jetzt ist es zur Katastrophe gekommen: Der Markt spielt verrückt, die Milchblase ist geplatzt.“

Die Schuld sieht der BDM-Kreischef nicht nur bei den verantwortlichen Politikern auf Bundes- und Europaebene, sondern auch beim Bauernverband. Denn dieser habe sich stets für eine höhere Produktionsmenge ausgesprochen, um global Marktanteile zu sichern.

„Die Situation ist katastrophal. Das will ich nicht beschönigen“, sagt Johann Drexl, Kreisobmann des Bauernverbandes und selbst Milchbauer. Er sieht die Verantwortung aber nicht beim Bauernverband. Der Einbruch bei Märkten wie Russland und China habe ebenso zur schwierigen Lage beigetragen wie die extrem gesteigerte Milchproduktion im EU-Raum, beispielsweise in Irland. Sowohl Schamberger als auch Drexl fordern, die Milchproduktion sofort zu drosseln. Dabei müssten die Landwirte natürlich finanziell unterstützt werden.

Johann Drexl ist Bauernverband-Kreischef.

Seit gestern protestieren übrigens Milchviehhalter aus ganz Deutschland vor dem Wahlkreisbüro von Bundesagrarminister Schmidt (CSU) in Neustadt an der Aisch. Womöglich nehmen auch Landwirte aus dem Kreis Bruck an der 14-tägigen Aktion teil. Gestern Abend traf sich jedenfalls der BDM-Kreisvorstand, um, so Schamberger, „über die nächsten Schritte zu beraten“.´

Von Stefan Weinzierl

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