In Germering

Lange Kirchen-Nacht vereint Generationen

Die zweite „Lange Nacht der Kirchen“ war ein Erfolg. Das Konzept ist aus Sicht der Veranstalter voll aufgegangen. Jetzt will man eine Tradition begründen: Die Kirchennacht soll alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Germering – Für Christian Ganslmeier, Mitorganisator der zweiten „Langen Nacht der Kirchen“, steht fest: „Als Kirche müssen wir zusehen, dass der Glaube immer wieder öffentlich wird.“ Dazu gehöre auch, dass man Menschen einlade. „Oder ihnen Zeit und Zuhören schenkt“, wie Manuela von Habsburg beim „Abkanzeln“ in der St. Jakob-Kirche meint. Dort konnten Christen von der Kanzel herab das sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt oder was sie wütend macht, wie es Manfred Welzel ausdrückte. Er packte in den drei Minuten, die ihm zur Verfügung stehen, auch das Thema Missbrauch an. Nicht nur die Täter an sich müssten sich der Verantwortung stellen. Welzel kritisiert ebenso das Wegschauen – dort, wo personelle Entscheidungen fallen.

Musikalische Darbietungen

Es hat ein paar Momente gedauert, bis der Erste den Mut fand, auf die Kanzel zu steigen. An vielen anderen Orten reichte es, sich dazu zu setzen. Viele musikalische Darbietungen regten dazu an, einfach nur zuzuhören. Dem Soundaround-Chor in der Bosco-Kirche etwa, der nicht nur heftig prasselnden Regen imitierte, sondern auch eingängliche Melodien aus Gospel, Pop und Rock zu Gehör brachte.

Ganz ruhige Töne kamen von Christian Ittner, Jürgen John und Robert Stannecker in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche mit „Didgeridoo und Co“. Für das Trio war der Auftritt in einem Kirchenraum eine neue Erfahrung. „Wir üben und spielen meist nur im Hobbykeller“, berichtete Ittner. So sei der Auftritt auch für sie als Musiker eine Bereicherung gewesen. Das aufmerksame Zuhören der Besucher empfinde man als Anerkennung, so Stannecker.

Ganslmeier bestätigte, dass die musikalischen Angebote der einzelnen Pfarreien eine Art Publikumsmagnet sind. „Allerdings macht die Mischung den Reiz“, fügte er an. Auch die Vorträge und die stillen Angebote machten viel Sinn.

Welt des Buddhismus

Die Meditation, inwiefern die Nähe Gottes für den Einzelnen beglückend ist, zählte ebenso dazu wie die Reise in die Welt des Buddhismus. Letztere bot Pfarrer Michael Lorenz, der mit einer Japanerin verheiratet ist, im Jochen-Klepper-Haus an. Nach einer Japanreise im Vorjahr sei die Idee entstanden, das Thema einzubringen.

Im Klepper-Haus gab es auch einen Filmgottesdienst zu „Kalendergirls“. Das Format tauge sehr gut dazu, Menschen in die Kirche zu bringen, die man dort eher selten sehe, sagte Lorenz. Dass der Film von ältere Frauen handle, die sich erotisch angehaucht bei hausfraulichen Tätigkeiten fotografieren lassen, sah Lorenz entspannt: „Da sind wir nicht so streng.“ Schließlich stelle der Film viele Facetten dar.

Freier Raum für Kreativität

Die „Lange Nacht der Kirchen“ bildete zudem die Bandbreite der Generationen ab. So sprach der Casinoabend im Jugendkeller der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche eher Jugendliche an, während man sich in St. Martin den Jüngeren in der christlichen Gemeinschaft widmete. Kinder durften dort ihre ganz eigenen Vorstellungen von Engeln zu Papier bringen. „Es ist erstaunlich, wie viele Unterschiede es dabei gibt“, sagte Rene Effinger, der dieses Angebot betreute. Man habe aber ganz bewusst der Kreativität freien Raum gelassen. Vom Ergebnis konnten sich alle Besucher überzeugen, denn alle Werke wurden an eine Wand der Stadthalle projiziert.

Einige enttäuschte Besucher gab es lediglich an der alten Dorfkirche St. Martin, deren Schatzkammer mit liturgischen Geräten und Gewändern nicht durchgehend geöffnet war. Auch Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster stand vor verschlossener Tür.

Insgesamt war Ganslmeier aber zufrieden. „Das Konzept und alle Mühen sind aufgegangen.“ Man wolle die „Lange Nacht der Kirchen“ zur Tradition machen und alle zwei Jahre stattfinden lassen – „um außerhalb der Jahre mit Fußball-WM und EM zu bleiben“. Anklang fand auch der umweltgerechte und in limitierter Form erstmals hergestellte Becher, der bei der Abschlussveranstaltung für Getränke verteilt wurde.

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