Zu laut: Böller bei Prozession verboten

Fürstenfeldbruck - Nach 20 Jahren dürfen die Böllerschützen nicht mehr bei der Brucker Fronleichnams-Prozession schießen.

Der Pfarrverbandsrat hat das entschieden. Grund: Es passt nicht zum Anlass - und den Leuten ist es zu laut.

Fürstenfeldbruck - Ein bisschen traurig sind die Feuerschützen schon, seit sie erfahren haben, dass die Fronleichnamsprozession im nächsten Jahr ohne sie über die Bühne geht. Immerhin waren sie dabei, seit sich 1993 die Böllergruppe gegründet hat. „Wir haben Pfarrer Thomas Bachmair gefragt, und er war begeistert“, erinnert sich Schützenmeister Bodo Olbrich. Seitdem marschierte die Gruppe in Schützentracht und mit Fahne bei der Prozession mit. An jedem Altar böllerten sie. „Wir haben extra wenig Pulver geladen und standen weit weg“, sagt Olbrich. Doch offenbar nicht weit genug.

„Es haben sich immer wieder Menschen beschwert, weil es so laut und wild ist“, sagt Dekan Albert Bauernfeind. Der Pfarrverbandsrat habe beraten und entschieden, den Feiertag 2013 ohne Böllern zu begehen. Es sei doch eher folkloristisch und passe nicht zu Fronleichnam. Gegen das Böllern am Neujahrstag vor der Klosterkirche spreche dagegen nichts.

Bodo Olbrich verweist auf das Brauchtum. „Böllern ist an Fronleichnam im ganzen Oberland Tradition.“ Diese sei aber in Bruck nicht so fest verankert wie etwa in Berchtesgaden, entgegnet Birgitta Klemenz, Vorsitzende des Pfarrverbandsrats. „Viele Leute sagen, sie können mit der Schießerei nichts anfangen.“ Man bete für Frieden und dann werde geböllert. Zumal sich die Feuerschützen letztes Mal nicht an die Absprachen gehalten hätten. Statt an zwei, hätten sie an allen vier Altären am Prozessionsweg geschossen.

Bodo Olbrich akzeptiert die Entscheidung des Pfarrverbandsrats. „Wenn sich die Mehrheit dafür ausspricht, dann ist es in Ordnung.“ Was ihn aber ärgert: Er habe es nur durch eine Nachfrage im Pfarrbüro erfahren und nicht persönlich vom Pfarrer.

Zu den übrigen Anlässen, Neujahr, dem Volks- und Altstadtfest sowie dem Volkstrauertag werden die Böllerschützen weiterhin schießen. Bei letzterem habe man übrigens früher die Kanone der Stadt abgefeuert, erzählt Olbrich. „Doch wir haben zu viel Pulver rein, die Scheiben haben geklirrt.“

Weil es trotz weniger Stoff vielen immer noch zu laut gewesen sei, böllere man jetzt nur noch. Immer wieder höre er, dass die Salven den Bürgern gefallen würden. „Da kann man auch uns gegenüber ehrlich sein und uns Bescheid geben.“ Nun lasse man den Fronleichnams-Brauch eben einschlafen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwillinge seit 80 Jahren unzertrennlich
Joseph Kleber und Irmgard Zettl (geborene Kleber) haben ihren 80. Geburtstag gefeiert. Die Zwillinge kamen 1939 in Graßlfing zur Welt. Bis heute wohnen sie hier, …
Zwillinge seit 80 Jahren unzertrennlich
Masern-Alarm im Montessori-Haus: Viele Kinder müssen daheim bleiben
Im Montessori-Kinder-Haus treten Masern auf. Ein Kind ist bereits erkrankt, ein anderes gilt als Verdachtsfall. Eine weitere Verbreitung scheint wahrscheinlich. Die …
Masern-Alarm im Montessori-Haus: Viele Kinder müssen daheim bleiben
Auto hängt seit Monaten am Bahndamm - Halter erzählt absurde Geschichte
Am Bahndamm bei Fürstenfeldbruck hängt ein Auto - und der Polizei sind zunächst die Hände gebunden. Auch wenn die Erklärung des Halters irrsinnig erscheint.
Auto hängt seit Monaten am Bahndamm - Halter erzählt absurde Geschichte
Polizei rettet ausgekühlten Reiher - dann aber kommt die traurige Nachricht
Gleich mehrere Anrufer hatten der Fürstenfeldbrucker Polizei am Sonntagmittag einen verletzten größeren Vogel an der Amper gemeldet.
Polizei rettet ausgekühlten Reiher - dann aber kommt die traurige Nachricht

Kommentare