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In Seitenlage: Nur so kann der sechs Monate alte Nata aus Togo spielen oder schlafen. Die lebensbedrohliche Verwachsung an seinem Kopf soll jetzt bei einer Operation in München entfernt werden. Aber der Eingriff ist teuer.

Lebensbedrohliche Verwachsung am Kopf

Maisacher kämpfen für den kleinen Nata

München - Der sechs Monate alte Nata aus Togo wurde mit einer lebensbedrohlichen Verwachsung am Kopf geboren. Für die rettende Operation wollen ihn Fürstenfeldbrucker Helfer nun nach München holen.

Die Nächte sind am schlimmsten. Der kleine Nata kann kaum schlafen. Die Verwachsung an seinem Hinterkopf ist so groß, sie wirkt fast wie ein zweiter Kopf.

Wegen der Fehlbildung kann der sechs Monate alte Säugling ausschließlich auf der Seite liegen. Nur dank eines Kaiserschnitts konnte Nata überhaupt zur Welt kommen.

Der wenige Schlaf macht sich bemerkbar: Nata quengelt oft, er findet keine Ruhe. Das Leiden belastet nicht nur den Säugling, sondern auch seine Eltern. Mutter Lengue (22) und Vater Kampatibe (22) machen sich jeden Tag Sorgen.

Über die Schmerzen ihres Sohnes, über die skeptischen Blicke der anderen Dorfbewohner und natürlich darüber, wie es weitergehen soll, mit ihrem einzigen Kind. Als Margret Kopp vom Togohilfeverein in Maisach (Landkreis Fürstenfeldbruck) davon erfuhr, war ihr sofort klar: „Hier müssen wir helfen.“

Die Familie Kolani lebt im Norden Togos, in der ärmsten Region des Landes. Vater Kampatibe bereitet sich auf das Abitur vor, Mutter Lengue macht eine Lehre zur Friseurin. Die Ärzte vor Ort waren ratlos ob der rätselhaften Fehlbildung an Natas Kopf. Erst in der Landeshauptstadt Lomé fanden die Eltern mit Dr. Michel Kodom einen Arzt, der ihnen helfen konnte.

Nach einer Ultraschalluntersuchung war klar: Nata braucht eine Operation, um zu überleben. Doch der schwierige Eingriff kann in Togo nicht durchgeführt werden. Es fehlt sowohl an einem speziell für diese Eingriffe ausgebildeten Neurochirurgen, wie an entsprechender medizinischer Ausstattung. Zudem könnte die bitterarme Familie den Eingriff gar nicht bezahlen.

"Wegen so etwas gilt man dort schnell als verhext"

Dr. Michel Kodom weigerte sich, das Paar mit dem kleinen Nata dem Schicksal zu überlassen und suchte nach Unterstützern. Mit seiner Organisation Aimes Afrique wandte er sich an den Verein Aktion PiT Togohilfe, von dem er in der Vergangenheit Sachspenden erhalten hatte.

Und Margret Kopp versprach sofort Hilfe – auch weil der Umgang mit körperlichen Beeinträchtigungen in Togo ein ganz anderer ist: „Wegen so etwas gilt man dort schnell als verhext und wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.“ Das musste sie einfach verhindern.

Margret Kopp machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Arzt, um die Operation in Deutschland durchführen zu lassen. In München wurde sie fündig: Eine Spezialärztin des Klinikums Großhadern erklärte sich bereit, die komplizierte Operation kostenlos zu übernehmen.

Bis jetzt befindet sich in der Verwachsung an Natas Kopf nur Flüssigkeit und Gewebe, noch keine Gehirnmasse. „Eine vollständige Heilung ist möglich“, sagt Kopp.

Doch auch wenn die Chirurgin ohne Bezahlung arbeitet, kostet die Operation eine Menge Geld. 50.100 Euro müssen die Kolanis im Voraus überweisen, um den lebensrettenden Eingriff für ihren Sohn zu ermöglichen. Dafür rührt die Aktion PiT die Spendentrommel.

Und dank des Engagements von Margret Kopp und ihrer Helfer sind bereits 40.000 Euro an Spenden zusammen gekommen. Trotz der gewaltigen Summe fehlt aber immer noch ein Fünftel des erforderlichen Betrags. Und die Operation soll bereits am 27. Januar stattfinden. Die Zeit drängt.

Mit einem von Air France bezahlten Flug kommt Mutter Lengue mit ihrem Sohn und Dr. Michel Kodom am 24. Januar in München an. Für die Unterkunft ist gesorgt. „Wir haben im Landkreis Fürstenfeldbruck eine togolesische Familie vom gleichen Stamm gefunden, bei der sie für zwei Monate bleiben kann“, sagt Kopp.

Die junge Mutter soll sofort einen Ansprechpartner haben, um ihre Sorgen mit jemandem teilen zu können. Wenn die Operation ohne Komplikationen verläuft, muss Nata für zwei Wochen in der Haunerschen Kinderklinik bleiben. Anschließend folgt die nötige Nachsorge.

Aber nur, wenn rechtzeitig das Geld überwiesen wird. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen“, sagt Kopp. „Die Operation muss jetzt einfach stattfinden. Zur Not muss ich einen Kredit aufnehmen.“ Denn Margret Kopp hat ein festes Ziel: Der kleine Nata soll gesund zurück nach Togo fliegen. Und nachts endlich ruhig schlafen können.

Spendenkontoder Aktion PiT Togohilfe e.V. bei der Sparkasse Fürstenfeldbruck:

IBAN: DE34 7005 3070 0031 0399 10

BIC: BYLADEM1FFB.

Dominik Göttler

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