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Technischer Lebensretter: (v.l.) Dieter Ruppert und Ralf Greb holten das Gerät zur Wiederbelebung.

Dank kompetenter Hilfe

Die Lebensretter von der Kegelbahn

Landsberied - Oskar Mahler (58) war dem Tod schon einmal näher als dem Leben. Bei einem Kegelspiel gegen die Landsberieder Mannschaft erlitt er einen Herzinfarkt. Ohne das Eingreifen der Kollegen und den Defibrillator vor Ort wäre er gestorben.

Der 10. Januar begann für Oskar Mahler aus Deuringen (Kreis Augsburg) wie ein ganz normaler Tag. Am Nachmittag trifft sich die zweite Herrenmannschaft der Sportvereinigung Deuringen zu einem Punktspiel mit den Männern vom Kegelclub Landsberied im Dorfwirt. Oskar Mahler macht 115 von 120 Würfen. Beim 116. Schub haut es ihn um – ohne Vorwarnung. „Auf einmal ist einer stangerlgerade umgefallen und hat nur noch gezuckt“, erinnert sich auch der Landsberieder Hubert Ficker.

Es war der letzte Durchgang. „Der Wettkampf war spannend und es kam auf jedes Holz an“, erzählt auch Dieter Ruppert aus Landsberied. Als Mahler sich nach einem missglückten Wurf an den Kopf gefasst hatte, habe er im ersten Moment gedacht: „Der ärgert sich jetzt aber.“ Dann aber sei er rückwärts umgefallen.

Oskar Mahler

Die Beteiligten im Raum sehen den Unfall, auch Walter Rittel (62), ein Deuringer Kegler, beobachtet alles. Ein Schalter in ihm legt sich um, er rennt zu dem Patienten und beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen: Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. „Das ist alles automatisch abgelaufen, ich weiß auch nicht, was in der Zeit um mich herum passiert ist“, sagt der Lebensretter. Aber er betont: „Ich war sehr froh, dass ich erst 14 Tage vorher einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatte.“ Walter Rittel war 25 Jahre lang aktives Mitglied bei der Feuerwehr, den Kurs hat er aber auf den Vorschlag seines Sohnes hin absolviert, der Rettungssanitäter ist.

Und Walter Rittel hat alles richtig gemacht. Die Ärzte bestätigen: Wäre die Versorgung nicht so erstklassig gewesen, wäre der Patient gestorben. „Das Erste, was ich im Krankenhaus gehört habe, war: ’Sie haben riesiges Glück gehabt, dass gleich jemand eingegriffen hat’“, erinnert sich Oskar Mahler.

Walter Rittel

Während Rittel und einige andere beim Patienten bleiben und ihn wiederbeleben, rufen die Landsberieder einen Krankenwagen. Der 47-jährige Ruppert stürzt hinauf in den Eingangsbereich, um den Defibrillator zu holen. Er alarmiert auch zwei Feuerwehrmänner, die beim Stammtisch in der Wirtschaft sitzen. „Die haben gleich alles stehen und liegen lassen“, erinnert sich Ruppert. Ein Feuerwehrmann schaltet den Defibrillator ein und regt Mahlers Herz mit einem Stromschlag an. Den Defibrillator hatte die Gemeinde erst unlängst im Dorfwirt installiert. Letztlich sei es gutes Teamwork gewesen, das den Kameraden gerettet hat, sagen alle Beteiligten.

Nach etwa acht Minuten Erste Hilfe hören die geschockten Kegler das erlösende Martinshorn. Der Krankenwagen bringt den Patienten in eine Klinik. Dann die erleichternde Nachricht: Oskar Mahler wird wieder ganz gesund. Vor kurzem bekam er einen Stent eingesetzt, der die Gefäße offen hält.

Noch zuvor hat Oskar Mahler einen Brief an die Landsberieder geschickt, in dem er sich bei seinen Rettern für die Hilfe in größter Not bedankt. Unterschrieben hat er mit „Euer Sportskamerad“. Hubert Ficker hat das Papier im Dorfwirt an seine Kegelfreunde weitergegeben. Die Deuringer und auch der Landsberieder Kegelclub werden demnächst einen Auffrischungskurs für Erste-Hilfe-Maßnahmen im Verein anbieten. „Weil wir gemerkt haben, dass da eine große Unsicherheit besteht“, sagt der Vorsitzende der Sportvereinigung, Jürgen Offenwanger. Er hofft, dass danach mehr „Menschen den Mut haben, in so einer Situation beherzt einzugreifen.“

Im April wollen sich die Landsberieder und die Deuringer zu einem gemeinsamen Abendessen treffen. Dann wird natürlich auch der bis dahin wohl vollständig genesene Oskar Mahler mit am Tisch sitzen. Seinen Ersthelfern sei Dank. Auch das Kegeln wird der 58-Jährige nicht aufgeben. Mit seinem Arzt hat er das schon abgesprochen. „Immerhin muss ich doch noch die vier Schub gegen Landsberied nachholen“, sagt Mahler. Vier Schub, über die er mehr als dankbar ist.

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