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Schläft wegen des Leichengestanks auf einer Liege im Flur – dort riecht es weniger: Susanne Hoffmann will aus ihrer Sozialwohnung ausziehen, in der wochenlang eine Leiche lag. Jetzt verklagt sie ihre Vermieterin, die GBW. 

Wegen Gestank in Wohnung

Leichengeruch: Mieterin verklagt GBW

Fürstenfeldbruck - Seit mehr als einem Jahr lebt Bettina M. (Name geändert) in einer Wohnung, in der eine Leiche verweste. Der furchtbare Gestank dominiert ihr Leben. Sie schläft auf einer Liege im Flur. Nun verklagt sie ihre Vermieterin, die GBW.

Fürstenfeldbruck – Die Feiertage hat Bettina M. bei einer Bekannten verbracht. Eine Auszeit von dem schrecklichen Geruch in ihrem Appartement war ihr Weihnachtsgeschenk an sich selbst. „Ich habe heuer nichts dekoriert, sondern mir eine Auszeit von meinem Appartement genommen“, sagt die 46-jährige Fürstenfeldbruckerin.

In ihrer Wohnung riecht es nach Tod und Verwesung. Die Leiche ihres Vormieters lag mindestens zwei Wochen lang auf dem Boden. Den hat ihre Vermieterin, die GBW (siehe Kasten), nie ausgetauscht – ja nicht einma

l ordentlich abgewischt. Nach dem Leichenfund wurde auch der Putz nicht erneuert. Lediglich die Wände wurden gestrichen. Eine nachträgliche Sanierung der Wohnung verweigert die GBW bislang.

Nun hat Bettina M. das Unternehmen, das vor dem Landesbank-Desaster der öffentlichen Hand gehörte, verklagt. Sie will eine Sanierung der Wohnung, zudem eine Mietminderung um 20 Prozent und den Ersatz ihrer Einrichtungsgegenstände, die sie wegen des Leichengeruchs nicht mehr weiterbenutzen will. Bereits seit August hat sie die Miete von knapp 400 Euro um 20 Prozent gemindert – die GBW schickte ihr mehrere Mahnungen und behielt die Nebenkostenrückzahlung in Höhe von 80 Euro ein. „Wenn man sich vorstellt, dass es so gestunken hat, dass die Feuerwehr in Schutzkleidung und mit Atemmasken die Wohnung aufbrechen musste, ist es unglaublich, dass die GBW die Wohnung nach dem Leichenfund nicht sanierte“, sagt Bettina M.

Sie erkundigte sich bei Fachleuten und erfuhr, dass Putz und Estrich eigentlich hätten ausgetauscht werden müssen, weil sich dort Leichenflüssigkeit und -gase festsetzen. Die GBW aber bleibt auf dem Standpunkt, dass es reiche, die Wohnung zu streichen. Auch der Jahrzehnte alte Linoleumboden müsse nicht ausgetauscht werden. In einer Erklärung heißt es: „Eine eingehende Prüfung durch unterschiedliche Personen, vor allem durch zwei unserer Hausmeister vor Ort, ergab keinen Hinweis auf einen Leichengeruch.“ Bettina M. solle den Boden selbst wechseln und die Kosten von ihrer Krankenkasse erstattet verlangen. Sie sei ja allergisch auf Linoleum.

Termin im Januar

In einem neuerlichen Statement heißt es, wegen der Klage habe man nun Kontakt mit dem Anwalt der Mieterin aufgenommen „und angeboten, einen weiteren externen Gutachter für Geruchsemissionen einzusetzen.“ Der Termin könne Anfang Januar 2017 stattfinden. „Wir sind überzeugt, so eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.“

Das hofft auch Bettina M.. Sie war vor etwa eineinhalb Jahren froh, als sie das Appartement fand, ganz in der Nähe ihrer Eltern. Da die ehemalige landwirtschaftliche Hauswirtschafterin und Bürokraft arbeitssuchend ist, musste sie aus ihrer alten Zweizimmerwohnung raus. Hätte sie allerdings gewusst, dass in dem geförderten GBW-Appartement wochenlang ein Toter lag und die GBW danach nicht saniert, wäre sie nie eingezogen. Erst die Nachbarn erzählten ihr die Tragödie.

Um so schlimmer, dass sie nun trotz intensiver Suche keine neue Bleibe in der Nähe ihrer Eltern findet. „Ich könnte morgen ausziehen, die Hälfte meiner Sachen habe ich schon gepackt“, sagt sie. Für sie ist es dringlich. Nicht aber für die Behörden. Im Wohnberechtigungsschein hat Bettina M. in Bezug auf die Dringlichkeit null Punkte – sie habe ja ein Dach über dem Kopf.

Susanne Sasse

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