Ärger um das Lichtspielhaus
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Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck sorgt nun sogar auf landespolitischer Ebene für Ärger. Der Vorsitzende des Landesdenkmalrats, Thomas Goppel, bezeichnet die eigenen Mitglieder als "Denkmalfreaks" und macht sich damit keine Freunde.  

Lichtspielhaus gerät in Fänge der Landespolitik

Verhängnisvolle E-Mail sorgt für großen Ärger

Fürstenfeldbruck - In der Stadt wird über den Teilabriss des Lichtspielhauses diskutiert. Jetzt sorgt das Traditionskino sogar auf landespolitischer Ebene für Zoff. Stein des Anstoßes ist eine E-Mail von Thomas Goppel an Brucks OB Sepp Kellerer (CSU).

Denkmalrätin Rosi Steinberger fühlt sich verunglimpft. Der Grund: Thomas Goppel, Vorsitzender des Landesdenkmalrats, bezeichnet seine Kollegen im Landesdenkmalrat in einer internen E-Mail als „Denkmalfreaks“. Deshalb fordert die Grüne Goppels Rücktritt. Die Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag fordert wegen der Äußerungen einen Bericht der Staatsregierung im Hochschulausschuss

Pikant: Die interne E-Mail ist versehentlich in die Unterlagen für die Stadtratssitzung am Dienstag geraten. Darin unterstützt Goppel das Bemühen der Stadt, nicht das gesamte Kino an der Maisacher Straße unter Denkmalschutz zu stellen, wie es das Landesamt für Denkmalpflege wünscht, sondern nur den vorderen Teil. Die Kino-Besitzer wollen den hinteren Gebäudeteil abreißen und planen ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Im vorderen Bereich sollen dafür Gemeinschaftsräume entstehen.

"Da sind alle Denkmalfreaks versammelt"

Goppel berichtet, dass der Denkmalrat das auch empfiehlt. OB Kellerer schrieb er: „Meine Hoffnung ist, dass Du diese Vorlage auch durch den Stadtrat bringst“. Er werde Kellerer den Rücken stärken. „Wir werden uns sputen müssen, weil im Landesdenkmalrat die Denkmalfreaks aus dem ganzen Freistaat versammelt sind.“

Die Aussage empört Rosi Steinberger. „Thomas Goppel ist als Vorsitzender des Landesdenkmalrats nicht mehr tragbar. Er muss unverzüglich zurücktreten.“ Goppel vergreife sich sprachlich im Ton. „Vom Vorsitzenden des Landesdenkmalrats erwarte ich nicht nur vollen Einsatz für die Sache des Denkmalschutzes, sondern auch entsprechenden Respekt gegenüber den Mitgliedern des Gremiums“, sagt Steinberger. Sie lasse sich nicht als Denkmalfreak herabqualifizieren. Eine weitere Zusammenarbeit mit Goppel sei unter diesen Umständen nicht vorstellbar.

Karin Geißler, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, unterstützt die Forderung. „Wenn jemand im Landesdenkmalrat sitzt und solche Sachen macht, ist das nicht sauber.“ Es sei kontraproduktiv für die Entscheidung über das Kino. Sie habe sich gewundert, wie diese E-Mail in der Sitzungsvorlage gelandet sei.

Email aus Versehen in Sitzungsunterlagen gelandet

OB Sepp Kellerer spricht von einem bedauerlichen Versehen und einem Fehler der Verwaltung. Das interne Papier hätte nicht an die Öffentlichkeit gehen dürfen.

Goppel versteht die Aufregung nicht. „Ich habe keinen Fehler gemacht.“ Er habe nur dem OB seine Meinung mitgeteilt, und diese werde er weiter vertreten.

Und er habe den Wunsch geäußert, dass auch der Stadtrat in diesem Sinne entscheide. Das Wort Freak sei falsch interpretiert worden. Er sehe es als Synonym für Menchen mit Begeisterung. „Für einen Rücktritt gibt es keinen Anlass.“

Denkmalschutz soll nicht überzogen werden

Goppel sieht sich und den Landesdenkmalrat als Mittler zwischen Denkmalpflegeamt und Kino-Eigentümern. Beide müssten zu ihrem Recht kommen, man müsse auch sicherstellen, dass der Denkmalschutz nicht überzogen werde. „Ich will nicht den gesamten Komplex erhalten, wenn ich weiß, dass er zum Teil nicht nutzbar ist und das Gebäude so entwertet wird.“

Dass es sich bei dem vom Brucker Architekten Adolf Voll errichteten Kino um ein Baudenkmal handelt, darin sind sich Denkmalamt und Rat einig. Doch man müsse in der Diskussion auch beachten, ob der vollständige Erhalt für den Eigentümer zumutbar ist, sagt Martin Wölzmüller, Vorsitzender des Regionalausschusses Oberbayern im Denkmalrat.

imu

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