Von der Luft aus entdeckt die Rettungsstaffel Wald- oder Wiesenbrände. tb-Foto

Wegen Abzug der Luftwaffe

Luftretter bangen um Fursty-Landeplatz

Fürstenfeldbruck - Die Luftrettungsstaffel und die Bundeswehr-Sportfliegergemeinschaft stehen praktisch vor dem Aus:

Der Betrieb des Sonderlandeplatzes auf dem ehemaligen Rollfeld Alpha im Brucker Fliegerhorst ist nur noch bis Ende des Jahres gesichert.

Nach derzeitigem Stand gibt die Bundeswehr den betreffenden Teil des Fliegerhorstes mit dem Rollfeld Alpha (siehe Skizze) bald an die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima) ab. Sie muss das Gelände dann vermarkten. Das heißt: Die Startbahn ist für Verein und für die Luftretter damit in absehbarer Zeit perdu.

Die Skizze zeigt die Lage des Rollfelds Alpha. Es liegt auf Maisacher Flur, aber auf der Brucker Seite der früheren Hauptstartbahn.

Trotzdem: Aufgeben wollen die Sportflieger und vor allem die Luftbeobachter (siehe Interview) nicht. Sie sondieren derzeit Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb.

Das Areal liegt auf der Gemarkung Maisach und aller Voraussicht nach will die Gemeinde die Fläche auch übernehmen. Bürgermeister Hans Seidl wird damit zum gefragten Gesprächspartner für die Flieger. Sein großes Problem bei der Nachnutzung des schon aufgegebenen Militärareals ist der Naturschutz. Denn große Flächen, die BMW nutzen möchte, sind als FFH-Gebiet streng naturgeschützt. Seidl braucht deshalb weiteres Areal, auf dem man Ausgleichsflächen schaffen kann. Der Flugbereitschaftsleiter Oberbayern, Jürgen Wehrens, betont in diesem Zusammenhang: „Die naturschutzfachlichen Ausgleichsflächen können trotz Flugbetrieb so bestehen bleiben.“

Hans Seidl jedoch betont gegenüber dem Tagblatt: Vermutlich wird jeder Quadratmeter für den Naturschutz-Ausgleich gebraucht. „Ich gehe davon aus, dass für die Flora-Fauna-Habitat-Bilanz eine Total-Entsiegelung des Geländes erfolgen muss, nicht zuletzt deswegen, um es noch weiter aufzuwerten.“ Eine gleichzeitige Nutzung als Ausgleichsfläche und Flugbetriebsbereich könne er sich schwer vorstellen. Martin Schifferer, neu gewählter Vorsitzender der Sportfliegergemeinschaft, unterdessen betont: „Nicht zuletzt betreiben wir als Verein auch Jugendarbeit und beteiligen uns am Ferienprogramm der Stadt.“

Kartenstudium im Flieger: Brucks Feuerwehrsprecher Andreas Lohde gehört zu den Luftbeobachtern.

Dass der Platz von den Vereinsmitgliedern ausschließlich ehrenamtlich und nicht gewerblich betrieben werde, sei ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Flugplätzen in der Region. Seidls persönliche Skepsis beruhigt das nicht: „Solange es hier eine funktionierende Startbahn länger als in Jesenwang gibt, besteht immer die Gefahr, dass es zu einem wirtschaftlich orientierten Zusatzbetrieb kommt.“

Norbert Trenker, Stützpunktleiter des Brucker Platzes, widerspricht dem energisch: „Maisach hat es in der Hand zu entscheiden, wann wie viele und welche Flugzeuge starten dürfen“. Einen Plan B nach dem Scheitern der Verhandlungen gibt es nach Recherchen der Flieger nicht: Jesenwangs Startbahn ist zu kurz. Zudem könne man nicht vor einem Flug stundenlang den Flieger aus den zu kleinen Hallen rangieren. Penzing macht in absehbarer Zeit auch dicht, Lechfeld wird keine Kapazitäten mehr haben, weil dorthin die Flugsportgruppen aus Kaufbeuren und Penzing wechseln. Die Stützpunkte seien außerdem wegen kurzen Distanzen zu den Überwachungsgebieten nicht zentralisierbar. Seidl: „Die Flieger legen jetzt mal ihre Minimlanforderungen fest. Dann kommnen wir nochmal ins Gespräch.“ (mjk)

Das Interview zum Thema:

Hans Lienert.

Hans Lienert ist Kreisbrandmeister a.D. und seit über 20 Jahren Luftbeobachter. Er erklärt die Bedeutung des Fursty-Landeplatzes.

-Warum ist der Start- und Landeplatz in Bruck für die Luftrettungs-Staffel so wichtig?

Ich erinnere an den verheerenden Waldbrand am 16. April 2009 bei Gräfelfing. Das Feuer wurde erst entdeckt, als es die Lindauer Autobahn erreicht hatte - viel zu spät. Die Luftrettungsstaffel durfte damals aus rechtlichen Gründen nicht von Fursty aus starten. Die nächsten Stützpunkte, wie Königsdorf oder Pfaffenhofen an der Ilm, waren zwar informiert, konnten aber die große Lücke die dadurch entstand, dass die Brucker zum Nichtstun verdammt waren, nicht kompensieren. Dieser größte Waldbrand im Raum München in der Nachkriegsgeschichte zeigt, dass Fursty als Stützpunkt der Luftrettungsstaffel unabdingbar für die Sicherheit und den Schutz von Mensch und Natur in den Landkreisen Dachau, München-West, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Landsberg und Weilheim-Schongau ist.

-Was sind die Vorzüge des Rollfeldes Alpha? Brauchen sie die gesamte Länge von derzeit 900 Metern?

Die Luftrettungsstaffel kommt relativ spontan zum Einsatz. Waldbrandüberwachungsflüge, Vermissten-Suche oder die Begutachtung der Hochwasserlage aus der Luft sind teilweise nur mit sehr kurzem Vorlauf angesetzt. In Fursty kann von Alpha kurzfristig und mit absoluter Priorität gestartet werden. Kein Schulungsbetrieb, kein Geschäftsflugbetrieb und kein Privatflugbetrieb behindern die Einsätze. Die Piloten der Luftrettungsstaffel benötigen mit ihren Maschinen ein Rollfeld mit rund 600 Meter Länge. Die Bahn könnte kürzer und auch schmaler werden.

-Wäre es möglich, einen kommerziellen Betrieb auszuschließen? Wie?

Es ist klar, dass hier Bedenken bestehen, es könnte so über die Hintertür zu einer scheibchenweisen Erweiterung des Flugbetriebs kommen. Diese Befürchtungen sind meiner Kenntnis nach aber völlig unbegründet. Es gibt zahlreiche Beispiele von Landeplätzen, an denen nur ein äußerst beschränkter und auf wenige Nutzer begrenzter Flugbetrieb stattfinden kann. Auch die Nähe zu den Sheltern und die zu erwartende Verkürzung der Landebahn machen die Nutzung als öffentlichen Platz unmöglich. Außerdem kann die Regierung von Oberbayern genau festlegen, wer wo landen darf - sie hat das Sagen.

-Könnten Sie auch mit der zeitlichen Begrenzung einer Erlaubnis für Alpha leben?

Vielleicht kann eine vorläufige Genehmigung auf fünf Jahre die Skeptiker überzeugen, dass vom Betrieb in Fursty keine Gefahr ausgeht, so dass dann einer Verlängerung nichts im Wege steht. Aber generell wäre eine verlässliche Lösung wünschenswerter.

-Warum ist das nahe Jesenwang keine Alternative?

In Jesenwang ist die Landebahn mit gut 400 Metern zu kurz. Jesenwang ist auch ziemlich belegt. Die Flugzeuge der Staffel könnten zum Teil weder starten noch landen und müssten wohl im Freien stehen. Dadurch würden sie erheblichen Schaden nehmen, so dass wohl in zwei Jahren das Material der Luftbeobachter - die Flugzeuge - unbrauchbar würde.

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