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Leider war der Dortmunder Liedermacher selbst noch nie beim Luizienhäuschen-Schwimmen in Fürstenfeldbruck. Ein Lied hat er trotzdem darüber geschrieben.

Am Sonntag gehen die Häuschen baden

Das vergessene Lied von den Luzienhäuserln

Fürstenfeldbruck - Wenn die Kinder am Sonntag zu Ehren der heiligen Luzia wieder ihre gebastelten Luzienhäuserl ins Wasser der Amper gleiten lassen, ist das vor allem ein optisches Erlebnis. Was wohl kaum jemand weiß: Dem Brucker Brauch wurde vor 25 Jahren ein akustisches Denkmal gesetzt – in Form eines Liedes.

„Es gibt einen Brauch in Fürstenfeldbruck und davon erzähle ich dir...“ So beginnt die rund zweieinhalb Minuten lange Ballade „Laternenschiffe“, die der Autor und Liedermacher Klaus W. Hoffmann 1990 komponiert hat. Veröffentlicht wurde das besinnliche Lied erstmals in der als Buch und Tonträger 1991 erschienenen Kinderlieder- und Geschichten-Sammlung „Drachenflug und Lichterspiel“.

Lied ist schon älter

Vor einigen Jahren wurde das Werk über deutsche Herbst- und Winterbräuche unter dem Titel „Drachenflug und Martinslicht“ als CD neu veröffentlicht. Wer jetzt denkt, Hoffmann stammt hier aus der Region und ist deshalb mit dem vorweihnachtlichen Brucker Brauch vertraut, ist völlig auf dem Holzweg. Der Kinderliedermacher der ersten Stunde kommt aus Dortmund und war noch nie in der Kreisstadt. Er kennt den festlichen Akt des Luzienhäuserlschwimmens nur vom Hörensagen und von seinen Recherchen. „Eine Mitarbeiterin des Ravensburger Verlags, die ich gut kannte und die in München lebte, hat mich auf diese Brucker Tradition aufmerksam gemacht“, erinnert sich der 68-Jährige, der mit seiner Lebensgefährtin seit 2010 im kleinen Dorf Renneritz in Sachsen-Anhalt lebt.

Klaus W. Hoffmann wünscht sich, dass eine Schulklasse mal sein Lied über Bruck singt.

Hoffmann, der damals Bräuche aus ganz Deutschland für seine geplante Sammlung suchte, war von den Laternenschiffen auf der Amper begeistert und fing sofort an, weitere Informationen über das Luzienhäuserlschwimmen zu sammeln. „Besonders die originelle Bastelidee, dass die Kinder Laternenhäuser bauen, hat mir gefallen“, sagt der mehrfach ausgezeichnete Künstler, der mit seinen Kinderliedern vor allen in den 1980er-Jahren in Fernsehsendungen und im Rundfunk auftrat.

Nebenbei wurden auch einige seiner Lieder beispielsweise als Zeichentrickfilme in der TV-Serie „Sendung mit der Maus“ veröffentlicht. „Ich habe mir damals tatsächlich einige Bräuche, von denen ich gesungen habe, live angeschaut“, erzählt Hoffmann.

Noch war der Sänger nicht in Bruck

Doch bis nach Fürstenfeldbruck sei er nie gekommen. „Eigentlich schade“, findet der 68-Jährige. Doch ob er es jemals zum Luzienfest nach Fürstenfeldbruck schafft, ist fraglich. Mittlerweile widmet sich der leidenschaftliche Borussia-Dortmund-Fan und Tischtennisspieler vor allem der Schriftstellerei und ist damit gut beschäftigt. In den vergangenen Jahren arbeitete er hauptsächlich an einer Reihe historischer Erzählungen, die in Sachsen-Anhalt und Sachsen spielen. Aus diesen Büchern liest er immer wieder in Schulen und Büchereien.

Einen Anreiz für ihn, Fürstenfeldbruck einmal einen Besuch abzustatten, gibt es aber vielleicht schon. „Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Lied einmal an einer Schule vor Ort gesungen wird“, sagt Hoffmann und verspricht, bei entsprechenden Anfragen gerne hilfreich zur Seite zu stehen. Vielleicht wäre das dann auch die passende Gelegenheit für den Künstler, die von ihm besungenen Brucker Laternenschiffe einmal mit eigenen Augen zu sehen. (Stefan Weinzierl)

Der Liedtext:

Es gibt einen Brauch in Fürstenfeldbruck und davon erzähle ich dir. Die Kinder bauen Laternenhäuser aus Pappe und Glanzpapier. Am Vorabend zum Luzientag, dann ist es mal wieder so weit: Die Schulkinder stehen mit leuchtenden Häusern am Ufer der Amper bereit. Sie lassen ihre Laternen zu Wasser und schauen ihnen stolz hinterher. Die schwimmen stromabwärts, verwandeln den Fluss in ein farbiges Lichtermeer. Die Kinder, sie bauen die Laternenhäuser zu Ehren der heil‘gen Frau: Luzia, deren Festtag wir feiern am 13. Dezember genau. Doch manche erzählen auch, dass der Brauch eine andere Bedeutung hat. Vor vielen Jahren, so sagen sie, überschwemmte die Amper die Stadt. Kein Mensch weiß heut‘ mehr, was damals geschah, doch glauben noch viele daran, dass ein schwimmendes Laternenlicht das Wasser beruhigen kann.

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