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Georg Huber aus Germerswang ist Holzfasspicher. Seit 44 Jahren kleidet der 65-Jährige Bierfässer innen mit einer Schicht aus Pech aus. Das schützt den Gerstensaft vor Luft und die Kohlensäure bleibt erhalten. Beim Brauereifest in Maisach zeigte Georg Huber, wie das alte Traditionshandwerk funktioniert. Zahlreiche Zuschauer haben ihm dabei zugesehen. 

Holzfasspicher beim Brauereifest

200 Grad heiße Tradition: Altes Handwerk beim Brauereifest

Damit Bier gut schmeckt, müssen nicht nur Brauer sorgfältig arbeiten, entscheidend ist auch das Fass. Wird es innen mit Pech ausgekleidet, also gepicht, geht keine Kohlensäure verloren. Das alte Handwerk konnte beim Maisacher Brauereifest bestaunt werden.

Maisach „Man muss es im Gefühl haben“, sagt Günter Huber während er das Fass vorsichtig in die Höhe lupft. Schließlich muss sich das gut 200 Grad heiße Pech, das vom so genannten Pichbock ins Fass gespritzt wird, gleichmäßig verteilen. Direkt hineinsehen kann der Germerswanger (65) wegen der Hitze nicht. Daher muss er auf sein Gefühl vertrauen – und auf seine jahrelange Erfahrung.

Seit 44 Jahren achtet der Holzfasspicher bei der Brauerei Maisach darauf, dass beim Fass die Qualität stimmt. Beim Brauereifest zeigte er, wie das alte Handwerk funktioniert. „Aus einem Holzfass schmeckt’s halt doch anders“, so Huber. Michael Schweinberger, Geschäftsführer der Brauerei, will die Tradition pflegen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Kunst und die alten überlieferten Fertigkeiten der handwerklichen Bierbrauerei zu erhalten“ steht auf einem Plakat, das zur Pich-Anlage führt.

Dort erfahren die Zuschauer, dass das Pichen dazu dient, das Bier vor dem Holzgeschmack zu bewahren. Zudem verhindert die Pechschicht, dass Kohlensäure verloren geht, erklärt Huber. Außerdem muss er aufpassen, dass es keine sogenannten Austreiber gibt. Die entstehen, wenn sich das Pech zu sehr spannt, Risse bekommt und dann ins Fass Sauerstoff eindringt. Dadurch bekomme das Bier einen komischen Geschmack, berichtet Huber naserümpfend. Das komme aber Gott sei Dank kaum vor. Des weiteren achtet er darauf, dass die Fässer stets ordentlich gereinigt werden, bevor sie neu gepicht werden. Für den Geschmack des Bieres sei das zwar nicht so wichtig, sagt Huber schmunzelnd. „Aber mit der Zeit würde halt immer weniger Bier ins Fass hineingehen.“

Immer weniger wird auch der Nachwuchs bei den Holzfasspichern, sagt er. Bei aller Liebe zur Tradition müsse man das Interessierten auch beibringen. „Gerne würde ich es jemandem zeigen, damit die Brauerei das Picherhandwerk weiter pflegen kann“ sagt Huber. Man müsse halt anpacken und die Wärme rund um den Pichbock aushalten können.

Mit einem Vorurteil, das einige Besucher hegen, räumt der 65-Jährige auf. „Man stinkt nicht.“ Nur einen leicht rauchigem Geschmack bekomme man auf der Zunge, sagt der Picher. Während der Arbeit trinkt Huber nur Wasser und Spezi. „Wegen dem Durst.“ Ab und zu genehmige er sich aber auch ein Bier aus einem gepichten Fass – denn daraus schmeckt ihm der Gerstensaft am besten. (hk)

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