Bei Maisach

60 Jahre Dinkel-Hof in Malching: „Nudeln sind mein Steckenpferd“

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Seit 60 Jahren bewirtschaftet die Familie Dinkel ihren Hof in Malching. Schon lange legt man Wert auf Regionalität. Zum runden Geburtstag wird das nochmals gesteigert: Hartweizen, Eier und Dinkel hat man eh vom Hof, mit einer neuen Mühle entstehen nun Nudeln 100 Prozent made in Malching.

Malching – Die Familie bewirtschaftet den Hof in der dritten Generation. Thomas Dinkels Großvater kaufte das Gehöft im Dezember 1958 und übergab es fünf Jahre später an einen der Söhne. Am Anfang hatte man noch Rinder, stellte dann aber schnell auf Legehennen um. Etwa 3000 sind es jetzt, sie legen an die 2400 Eier pro Tag, sagt der heutige Chef Thomas Dinkel (53). Er wird unterstützt von seiner Frau Sabine (52) und sechs Angestellten. Zudem ist Sohn Michael (25) fest im Betrieb, Sohn Maximilian (22) hilft teilweise mit.

Zum runden Geburtstag – ein großes Hoffest wird am Sonntag, 7. Juli, veranstaltet  – stellt die Familie ihre neue Hartweizenmühle vor. Damit erfüllt sich Thomas Dinkel einen lang gehegten Wunsch.

Beim Stichwort Dinkel-Hof werden viele erst einmal an Eier denken. Wie sind Sie zu den Nudeln gekommen, Herr Dinkel?

Auslöser war ein Lebensmittelskandal im Jahr 1985. Es stellte sich heraus, dass Nudelhersteller bei der Produktion angebrütete Eier verwendet hatten. Da hat meine Mutter gesagt, wir könnten doch Nudeln mit unseren Eiern machen. Dann wissen die Leute, was drin ist. Wir haben dann 1986 mit einer ganz kleinen Maschine angefangen. Schon 1991 war die Nudelproduktion so groß, dass ich dafür einen Gewerbebetrieb angemeldet habe. Und heute erzeugen wir pro Jahr etwa 150 Tonnen Nudeln. Suppen- und Bandnudeln, Spirelli und viele Sorten mehr. Wir probieren laufend Neues aus. Eine neue Kreation sind Rote-Beete-Spaghetti.

Und wozu brauchen Sie jetzt eine eigene Mühle?

Es gibt nur sechs Hartweizen-Mühlen in Deutschland, eine in Bayern. Also mussten wir unseren Hartweizen, den wir seit 20 Jahren anbauen, zum Mahlen nach Pfaffenhofen an der Ilm bringen. Zurückbekommen haben wir bayerischen Gries, in dem leider nur zum Teil unser eigenes Getreide enthalten war. Ich träume schon jahrelang davon, mein eigenes Getreide in den Nudeln zu haben. Dafür wollte ich eine eigene Mühle. Mein Sohn Michael hat Landwirtschaft in Weihenstephan studiert und die Idee einer eigenen Mühle in seiner Bachelorarbeit beleuchtet. Dann haben wir nach langer Suche einen Mühlenbauer gefunden, der uns das Gerät in ein leer stehendes Gebäude eingebaut hat.

Und jetzt läuft die Mühle?

Ja, seit Mai. Noch nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen. Wir sind noch am Verbessern. Aber bald soll sie zwei Tage die Woche in Betrieb sein. Wir müssen für unsere Nudeln pro Jahr etwa 250 Tonnen Getreide mahlen. Nicht nur Hartweizen, auch der Dinkel für unsere Nudeln soll dann vor Ort gemahlen werden. Durch die Mühle können wir unsere Nudelspezialitäten komplett selbst erzeugen. Das ist meines Wissens einzigartig in Bayern.

Seit 23 Jahren sind Sie Mitglied bei der Solidargemeinschaft Brucker Land. Warum ist Ihnen Regionalität so wichtig?

Die heimische Landwirtschaft muss gestärkt werden. Außerdem soll der Verbraucher wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Ich mag meine Produkte so gern, dass ich sie den Menschen vor Ort nicht vorenthalten will.

Wenn man fast rund um die Uhr damit zu tun hat: Essen Sie Eier und Nudeln selbst noch gerne?

Nudeln sind mein Steckenpferd. Nicht nur die Produktion, ich esse sie auch gerne. Unsere Schmankerlnudeln kommen bei uns fast jeden zweiten Tag auf den Tisch. Das geht schnell, ist gesund und schmeckt.

Fest auf dem Dinkel-Hof

Das 60-jährige Bestehen wird am Sonntag, 7. Juli, von 11 bis 17 Uhr mit einem großen Fest auf dem Hof an der Dorfstraße 3 in Malching (Gemeinde Maisach) gefeiert. Besucher erhalten Einblicke in die Nudelproduktion und können die neue Mühle anschauen. Zudem können die Hühner in ihrem Auslauf besucht werden. Es gibt Kuchen vom Buffet der Brucker Landfrauen, Spezialitäten der Metzgerei Drexl, Nudelkostproben vom Ernährungsrat und Bauernhofeis. Dazu Kinderprogramm und Musik der Luitpoldmusikanten Germerswang. Gleichzeitig wird 25 Jahre Brucker Land gefeiert. Die Führungsspitze der Solidargemeinschaft hatte vom Hoffest der Dinkels gehört und sich mit einem Sommerfest zu ihrem Geburtstag auf dem Dinkel-Hof angeschlossen. Von Brucker Land wird zudem am Samstag, 6. Juli, 19 Uhr, zu einer ökumenischen Dankandacht in St. Margareth in Malching, Pfarrer-Dippel-Straße 4, geladen. Anschließend findet der Festabend mit geladenen Gästen auf dem Dinkel-Hof statt

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