„Mir blutet das Herz“: Brauerei Maisach muss Insolvenz anmelden

Die Maisacher Brauerei ist pleite. Chef Michael Schweinberger hat am Mittwoch (24. Januar 2024) am Brucker Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz gestellt.
Maisach - Wie es weitergeht, entscheidet sich erst, sobald ein Insolvenzverwalter bestellt ist. Der Brauereichef hofft, dass das Aus des im Jahr 1556 gegründeten Betriebs noch verhindert werden kann.
Entwicklungen seit der Insolvenz-Anmeldung
Am Tag darauf wurde deutlich, dass viele Kunden der Brauerei die Treue halten wollen. Und wieder einen Tag später ließ der Insolvenzverwalter durchblicken, dass es Hoffnung geben könnte. Später wurde klar, dass mehrere Investoren Interesse haben. Im Februar wird ein Versuch gestartet, eine Genossenschaft zu gründen. Ende Februar berichtete die Brauerei von weiteren positiven Entwicklungen.
Es sieht nicht gut aus für die örtliche Brauerei. Michael Schweinberger informierte die Presse am Mittwochnachmittag über die Lage, die er so zusammenfasst: „Die Liste der Gläubiger ist lang, die Liste der Insolvenzmasse ist kurz.“ Man sei zahlungsunfähig und habe daher den Insolvenzantrag gestellt.
Entschuldung muss jetzt in Gang kommen
Der vom Amtsgericht nun einzusetzende Verwalter müsse den weiteren Weg vorgeben: Ob man also sofort den Betrieb einstellt oder eine Sanierung versucht. Zuerst müsse aber der Entschuldungsprozess in Gang kommen. Schweinberger hofft, dass er bald erfährt, wer der Insolvenzverwalter ist. Dann will er die Idee einer Genossenschaft vorbringen. So könnte die Brauerei gerettet werden. Derzeit arbeiten zwölf Festangestellte und sieben geringfügig Beschäftigte dort.
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Vorerst wird weiter gebraut
Fest steht vorerst: Es kann weiter gebraut werden, es ist noch Malz im Silo. Und noch Bier in den Tanks, das abgefüllt werden kann. Und sollte – denn das brächte Geld in die Kasse. Noch bis Ende März, so hofft Schweinberger, kann er seine Gastrokunden beliefern: rund 40 Wirtshäuser, schwerpunktmäßig im Landkreis. Sie hätten Vorrang vor Privatkunden.
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Viele Kunden und Investoren hat der 62-Jährige persönlich informiert. Sie sollten die Hiobsbotschaft nicht aus der Zeitung erfahren. Die Reaktion sei immer wieder Fassungslosigkeit gewesen, berichtet der Brauereichef. „Zwar war klar, dass wir kämpfen. Aber der Eindruck draußen war doch: Die Maisacher Brauerei ist gut positioniert.“
Schweinberger sagt, er habe Anfang 2016 einen optimierungsbedürftigen Betrieb übernommen, dann aber mit hohen Investitionen – Ergebnis waren neue Sorten und ein neues Erscheinungsbild – den Umsatz 2019 auf fast zwei Millionen Euro gesteigert. Vier Jahre lang habe er investiert und expandiert, um die Brauerei auf gesunde Füße zu stellen. „Wir haben es in Kauf genommen, dass kein Speck entstehen konnte.“ 2020, so der Plan, sollte die Gewinnschwelle erreicht werden. Dann kam Corona.
Laut Schweinberger folgten für die Brauerei auf vier selbst- vier fremdbestimmte Jahre. Durch die Pandemie verlor man 2020 und 2021 insgesamt eine Million Euro an Umsatz. Ab 2022 wollte man sich aufrappeln. Doch dann kam der Ukrainekrieg. Die Folgen: explodierende Energiekosten und Inflation. Zwar machte man 2022 und 2023 jeweils rund 1,9 Millionen Euro Umsatz. Trotzdem war laufend neue Liquidität nötig, was, so der Chef, „inzwischen zu einer erdrückenden Schuldenlast geführt hat“.
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Crowdfunding brachte Luft zum Atmen
Das 2022 gestartete Crowdfunding brachte rund 420.000 Euro und damit „etwas Luft zum Atmen“, so Schweinberger. Aber drei weitere Hiobsbotschaften Ende 2023 führten dann zur Zahlungsunfähigkeit. Eine Kontaminierung der Biere mit Milchsäurebakterien („saures Bier“) kostete die Brauerei wegen der anschließenden Kaufzurückhaltung rund 50.000 Euro. Weitere 50.000 Euro fielen weg, weil drei Wirte der Brauerei den Rücken kehrten. Letzter Schlag war eine Steigerung von 85.000 Euro bei den Materialkosten.
Schweinberger sagt, ihm blute das Herz. Maisach verlöre nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen, sondern auch ein Stück Kultur. Bürgermeister Hans Seidl, der beim Pressetermin dabei war, lobte den 62-Jährigen: Er habe mit Mut und Enthusiasmus dafür gesorgt, dass sich die Maisacher wieder mit ihrer Brauerei identifizieren. Sie sei „historisches Herzstück“ und diene dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch er hoffe auf einen Ausweg.
Einiges Potenzial sieht Schweinberger nach wie vor. So sei die Maisacher Perle sehr beliebt in Italien. Seit 2020 baut der 62-Jährige dorthin Geschäftsbeziehungen auf. Hoffnungsschimmer könnte auch die zur Maisacher Brauerei gehörende Kleinbrauerei in Stegen am Ammersee (Kreis Starnberg) sein. Die würde Schweinberger gerne weiterführen.
Jubiläumsfeste ohne das Maisacher Bier?
Und schließlich hatte er vor, ein Jubiläumsbier zu brauen, weil dieses Jahr viele Ortsvereine einen runden Geburtstag feiern und ihre Feste mit der Brauerei geplant hatten. Die Zusammenarbeit steht nun auf der Kippe.
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