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Auch ein altes Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 29. August 1983 war im Fundus des alten Pfarrheims in Überacker. Manuela Scharf von der Kirchenverwaltung liest nach, was vor ziemlich genau 34 Jahren passierte.

Ausstattung unter dem Hammer

Auktion im alten Pfarrheim in Überacker

Das alte Pfarrheim in Überacker weicht nach beinahe 190 Jahren einem Neubau. Zum Abschied hieß es nun: zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten... verkauft! Das Interieur wurde versteigert. Die Gebote hielten sich zwar in Grenzen, Spaß hatten die Besucher dennoch.

Nach 190 Jahren wird das alte Pfarrheim abgerissen, und ein Neubau wird auf einem Teil des Grundstücks gebaut.

Überacker Verwachsene Einfahrten, morsche Treppen, ein undichter Dachstuhl. Das ehemalige Schulhaus in Überacker – bei Einheimischen als altes Pfarrheim bekannt – ist inzwischen in einem kläglichen Zustand. Bereits beim Betreten des Geländes wird klar: Das Pfarrheim ist nicht nur für Gläubige alles andere als einladend.

Nun soll es einem modernen Bau weichen, da sich eine Renovierung nicht mehr lohnt. Seitdem die Abrisspläne bekannt sind, treten immer wieder Menschen an die Kirche heran und fragen, ob sie nicht den ein oder anderen Gegenstand aus den Räumlichkeiten haben könnten. Inzwischen konnte so schon einiges verteilt werden. Um die Objekte vor der Abrissbirne zu bewahren, gab es außerdem eine Begehung mitsamt Versteigerung.

Mit der Heimorgel liebäugelte Esther Reichmann, die zur Begehung nach Überacker zurückkehrte.

Doch das Unterfangen verfehlte sein eigentliches Ziel: Lediglich ein Gebot über 20 Euro für eine Tür im Eingangsbereich wurde abgegeben. Für Manuela Scharf von der Kirchenverwaltung ist das aber kein Problem: „Die Leute, die da waren, hatten die größte Freude, das Pfarrheim noch ein letztes Mal von innen zu sehen“, sagt die 46-Jährige. Auch sie hat Erinnerungen an das alte Gebäude: „Schon als kleines Kind habe ich meine Tante, die in der Gemeinde beschäftigt war, oft ins Büro begleitet.“

Das alte Pfarrheim ist für viele Menschen aus Überacker ein Teil der eigenen Vergangenheit. Esther Reichmann, die an der Begehung teilnahm, ging hier zum Beispiel viele Jahre zur Schule. „Zum ersten Mal seit Jahren bin ich heute wieder in Überacker“, erzählt die 61-Jährige, die mit der Heimorgel im ersten Stock liebäugelet: „Ein Besuch des alten Pfarrheims ist Pflicht.“ So sieht es auch der 51-Jährige Rainer Schlatterer, der seit Anfang der 1970er Jahre im Ort lebt: „Vieles hat sich hier abgespielt, selbst zum Wählen kam man oft her“, erzählt er nostalgisch.

Nostalgische Erinnerungen hat Rainer Schlatterer an das alte Gebäude, dessen Ofen er hier begutachtet.

Begonnen hatte alles 1830 mit dem Bau eines Schulhauses durch die Gemeinde Überacker. Um 1870 wurde das Gebäude um den ersten Stock erweitert. Die Schulräume zogen in die obere Etage. „Von nun an wohnte der Lehrer in den unteren Räumlichkeiten – inklusive Stallungen und Scheunen auf dem Gelände“, berichtet Gemeindearchivar Stefan Pfannes.

Viele Utensilien zeugen von der langen und bewegten Geschichte des Hauses. Auf dem Dachboden sind Stimmzettel für die Reichstagswahl 1928 zu finden. Abgestempelte Postdokumente aus den 1930er Jahren weisen auf die NS-Zeit hin und Zeitungen aus den 1980er-Jahren zeugen vom bürgerlichen Leben im Haus.

Nach der Schulreform 1969 wurde der Unterricht eingestellt, ein Zimmer der Gemeindeverwaltung im Erdgeschoss hatte bis zur Gebietsreform 1978 Bestand. Anschließend erwarb die Kirche das Gebäude. Anfangs wohnten hier Kirchenmitarbeiter, später wurde auch weitervermietet. Im Obergeschoss spielte sich hingegen ein großer Teil des Ortslebens ab: Musikvereine und -schulen bezogen hier ihr Quartier, Kinder- und Erwachsenenchor trafen sich zu Proben mit dem Pfarrer.

Außerdem wurden kirchliche Feste und Altennachmittage veranstaltet. „Selbst das Brucker Forum fand Gefallen an den Räumlichkeiten“, erzählt Manuela Scharf. Bis vergangenes Jahr lebte sogar noch eine Familie im alten Pfarrheim – zumindest im unteren Stockwerk.

Nach dem Abriss des alten Gebäudes soll das Areal in vier Parzellen geteilt werden. Auf einer wird das neue Pfarrheim entstehen, die anderen sollen in Erbpacht vergeben werden. Finanziert wird das Vorhaben vom Ordinariat. Im kommenden Jahr soll dann mit dem Bau einer neuen Heimat für die örtliche Kirchengemeinde begonnen werden.

von Matthias Kast

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