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Bande klaut Kupferkabel im großen Stil

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Von: Angela Walser

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Kupferkabel.
Kupferkabel wurden zum Diebesgut. © picture alliance / dpa

Fünf Männer bedienten sich unter anderem zweimal auf einer Baustelle in Maisach – einer ist vor Gericht geständig

Gilching/Eching/Forstinning/Maisach – Wer verpfeift schon gerne seine Freunde? Wohl niemand. Entsprechend schwer tat sich am gestrigen Montag ein Grieche (31) vor dem Landgericht München II, als er über den Diebstahl von Kupfer-Kabelrollen sprach. Mit vier Landsleuten hatte er sich im Oktober und November 2020 auf vier Baustellen in Eching, Gilching, Forstinning und Maisach herumgetrieben und die Geld bringenden Kabel entwendet. Nun fanden sich die fünf Männer vor Gericht wieder. Schon zu Prozessauftakt gestand zumindest der 31-Jährige alles.

Viel Mühe bereitete es dem Vorsitzenden Richter Thomas Lenz, dem Angeklagten den genauen Ablauf der Diebstähle zu entlocken. Immer wieder erntete er als Antwort: „Das kann ich nicht sagen.“ In der Regel wollte es der 31-Jährige nicht sagen. Fest steht: Das Quintett hatte massive Geldsorgen. Regelmäßig trafen sich die Männer in einem Café im Münchner Stadtteil Giesing, wo gekartelt wurde. In dieser Runde wurde dann wohl die Idee geboren, auf Kupferkabel-Klau zu gehen.

Gemeinsamer Plan?

Der geständige Angeklagte berichtete zwar von einem Mann in Arbeitskleidung, der eines Tages ins Café gekommen sei und erzählt hätte, dass mit Kupfer gutes Geld zu machen sei. Doch der Richter nahm ihm diese Version nicht ab. Dennoch ließ er ihn erst einmal erzählen.

Gegen Mittag kam dann heraus, dass einer der fünf Angeklagten im Jahr 2019 schon einmal wegen des gleichen Deliktes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Es sprach also vieles dafür, dass die Männer den Plan gemeinsam geschmiedet hatten.

Die Anfahrt zu den Tatorten glich dem 31-Jährigen zufolge einer wirren Sternfahrt mit verschiedensten Fahrzeugen. Damit sollte vermutlich ein möglichst planloses Vorgehen demonstriert und vom bandenmäßigen Vorgehen abgelenkt werden. Meistens mit im Einsatz war ein Lieferfahrzeug, mit dem die Männer ihre schwere Beute abtransportierten.

Schwankender Verdienst

Der Verdienst mit der Hehlerware war schwankend. Einen Grund dafür konnte der Richter dem Mittäter nicht entlocken. Offenbar hatte das Quintett in München einen Schrotthändler ausfindig gemacht, der – ohne nachzufragen – die unberührten Kabelrollen entgegennahm und dafür zahlte.

Im ersten Fall, in Forstinning, bekam jeder der fünf Männer 250 Euro. Laut Anklage hatten die 13 Rollen einen Wert von 6000 Euro. Im zweiten Fall, in Maisach, zahlte der Schrotthändler 5000 Euro für elf Kabelrollen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den Material-Schaden mit knapp 19 000 Euro. Jeder Angeklagte erzielte aus der Aktion 1000 Euro Gewinn.

Container aufgebrochen

In Eching gab es etwas weniger. Die Kabelrollen hatten ursprünglich einen Wert von 13 000 Euro. Als die Männer im November ein zweites Mal auf die Baustelle in Maisach kamen, fanden sie diese gut abgesichert vor. Der geständige Mann musste zurück nach München und eine Flex aus dem Keller holen, womit die Freunde dann die Baustelle und die Container aufbrachen. Er selbst machte nach eigenen Aussagen nicht mehr mit. Angeblich war ihm der Einsatz zu gewaltvoll geworden.

Beim, laut Anklage, letzten Bruch in Gilching wurde der Haupttäter gefasst. Die übrigen Angeklagten (darunter der 31-Jährige) gingen der Polizei im Januar 2021 ins Netz. Bis auf den Haupt-Angeklagten sind alle wieder auf freiem Fuß. Offenbar waren am gestrigen Montag aber nicht alle mit der Aussage des 31-Jährigen zufrieden. Immer wieder schüttelten sie den Kopf, was dem Richter sehr wohl auffiel. Die Verteidiger hatten den Männern aber geraten, vorerst nichts zu sagen. Der Prozess dauert an.

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