Der Gründungsstein: Waltraut Wellenstein 2009 bei der Einweihung der neuen Platte.

100 Jahre Siedlungshäuser

Gernlindener Gründungsstein wird zum Jubiläum versetzt

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Vor genau 100 Jahren ist in Gernlinden mit dem Bau der ersten Siedlungshäuser begonnen worden. Das soll im Maisacher Ortsteil gefeiert werden. Passend dazu wird der sogenannte Gründungsstein einen neuen und schöneren Platz erhalten.

Gernlinden – Das Kartell der Ortsvereine organisiert die Veranstaltungen unter dem Thema „100 Jahre Siedlung Gernlinden“. So ist am Sonntag, 7. Juli, ein großer Gottesdienst auf dem Dorfplatz mit Kirchzug geplant – in diesem Zusammenhang soll der Gründungsstein an seinem neuen Standort eingeweiht werden.

Die Bronzeplatte des Toerring-Denkmals am Brunnen vor dem Bürgerzentrum Gernlinden

Die Geschichte des Steins geht zurück bis ins Jahr 1934. Damals wurde am Bahnhof das Graf-Toerring-Denkmal errichtet, ein Stein mit einer Bronzeplatte, die ein Porträt des Grafen zeigt. Wer genau das Denkmal aufstellen ließ, ist nicht bekannt, wie 3. Bürgermeisterin Waltraut Wellenstein im Gemeinderat sagte. Sie hofft auf weitere Recherchen durch Archivar Stefan Pfannes. Jedenfalls hat das Denkmal im Laufe der Jahrzehnte gelitten: besonders durch den vierspurigen Ausbau der Bahn und die Errichtung des Brückenabgangs. Eventuell wurde der Stein zu früheren Zeiten auch einmal versetzt.

Heute findet man ihn auf einer kleinen Wiese an der Heinestraße, linker Hand kurz nach der Apotheke und vor dem Aufgang zur Fußgängerbrücke über die Bahngleise. Der Standort vor der Lärmschutzwand ist nicht besonders schön, auch wenn der Obst- und Gartenbauverein und die Siedlervereinigung Gernlinden für Pflanzen und Pflege sorgten.

2006 war die Bronzeplatte entfernt worden. Sie ziert seitdem die Rückseite des Graf-Toerring-Brunnens vor dem Bürgerzentrum, den der Fanfarenzug Graf Toerring für die Bürger als Andenken an Graf Hans Veit III. zu Toerring-Jettenbach gestiftet hat.

Vor zehn Jahren wurde die Anlage rund um den Stein wieder aufgewertet. Weil die Siedlervereinigung Gernlinden damals ihr 70-jähriges Bestehen feierte, nahm sie auf Anregung Wellensteins das kleine Areal in ihre Obhut. Gestiftet wurde eine Glasplatte als Ersatz für die Bronzeplatte. Auf der neuen Tafel finden sich die Jahreszahlen 1919, 1939 und 2009 – zur Erinnerung an den ersten Siedlungszug, die Gründung der Siedlervereinigung (früher Siedlerbund) und die Aufwertung der Anlage.

Glasplatte müsste renoviert werden

Nach zehn Jahren ist die Glasplatte nicht mehr in gutem Zustand. Sie müsste renoviert oder erneuert werden. Zudem ist die Siedlervereinigung inzwischen in den überörtlichen Verein „Bayerische Siedler- und Eigenheimervereinigung Fürstenfeldbruck und Umgebung“ übergegangen. In Gernlinden gibt es keine Vorstandschaft mehr. Und der Verein sieht sich nicht in der Lage, die Anlage weiterhin zu pflegen.

Dazu kommt, dass der Standort über kurz oder lang aufgegeben werden muss: wenn die Fußgängerunterführung über die Gleise neu gebaut wird. Dass Stein und Bronzeplatte wieder vereinigt werden, steht nicht zur Diskussion. Die Bronzeplatte soll am Brunnen bleiben.

All das hat dazu geführt, dass Waltraut Wellenstein (SPD) beantragt hat, den Stein zu versetzen. In Absprache mit Vertretern des Ortskartells haben sich zwei mögliche Standorte herauskristallisiert: der Dorfplatz (Anzengruber-/Brucker Straße, wo früher ein Bushäuschen stand) oder im Baumpark am Friedhofsweg. Letzterer wird vom Kartell favorisiert.

Alfons Strähhuber (SPD) sprach sich für den Dorfplatz beziehungsweise einen Standort südlich der Bahnlinie aus, schließlich sei von dort aus Gernlinden entstanden. Das sei der historische korrektere Standort, wenngleich ein Platz im Baumpark wohl schöner sei. Man müsste den Parkplatz zwischen Feuerwehr und Spielplatz umgestalten, um dort eine ansehnliche Anlage gestalten zu können. Trotzdem stimmte auch Strähhuber mit dem Gemeinderat zum Schluss für einen Standort im Baumpark. Archivar Pfannes (CSU) hatte angemerkt, dass die Keimzelle der Besiedelung das Gut war – und der Baumpark liege nahe am Gut.

Wellenstein hofft, dass der Gründungsstein dort ein schönes Umfeld bekommt und mehr Aufmerksamkeit erfährt. Die 3. Bürgermeisterin erinnert sich, wie schön die Anlage am damals noch kleinen Bahnhof rund um das Toerring-Denkmal gestaltet war: Ein Eintrag in ihrem Heimatkundeheft aus dem Schuljahr 1957/58 zeugt davon. Viele Bäume, Blumen und zwei Sitzbänke säumten das Denkmal. Die Kinder malten damals ein Bild davon in ihr Heft, der Eintrag daneben beschreibt die Geschichte Gernlindens (siehe Kasten), das damals rund 2000 Einwohner hatte.

Die Versetzung des Steins mit Fundament und Bepflanzung übernimmt der Bauhof, die weitere Pflege die Gemeinde. Die Siedlungsvereinigung Fürstenfeldbruck zahlt die neue Platte.

Gernlinden: Zur Geschichte

Die Ursprünge Gernlindens reichen bis in die frühe Bronzezeit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1322 belegt. Zwischen 1695 und 1919 ist dann immer nur vom Gut Gernlinden beziehungsweise Gut Heinzinger die Rede. Weiterer Bezugspunkt ist der Bau des Waldschlössels 1903. Die von Xaver Heinzinger errichtete Wirtschaft wurde 1980 abgerissen, um Platz zu machen für das Bürgerzentrum. Wichtig ist zudem das 1913 als erstes Siedlungshaus errichtete Schurzhaus an der Brucker-/Ludwig-Thoma-Straße. „Wenn man aber vom Beginn der eigentlichen Siedlung in ihrer heutigen Form ausgeht, macht die Angabe des Gründungsjahrs 1919 Sinn“, sagt Dritte Bürgermeisterin Waltraut Wellenstein. Denn vor 100 Jahren vermachte Graf Hans Toerring-Jettenbach, der 1908 das Gut Gernlinden erworben hatte, 100 Tagwerk an die Bayerische Landes- und Siedlungsbank, heute Landessiedlung. Das sind etwa 340 000 Quadratmeter. Im Herbst 1919 startete man mit dem Bau von 17 Einfamilienhäusern im sogenannten Chaletstil entlang der Bahntrasse. „Die Straße des ersten Siedlungszugs trägt zum Dank an den Stifter seinen Namen, Graf-Toerring-Straße“, betont Wellenstein. Die Häuser wurden 1920 bezogen. Laut Wellenstein kann man durchaus von sozialem Wohnungsbau sprechen: „Die Häuser waren insbesondere für Kriegsheimkehrer oder für Hinterbliebene von Gefallenen gedacht und wurden über die staatliche Siedlungsbank finanziert.

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